Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1849)
- Date
- 1849-02-17
- Page
- Seite 35 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Menge -der üii mimmim .gentium , die hier am Orte ihre große, .zum Theil sehr entscheidende Bedeutung haben, auswärts Lber noch wenig bekannt sind, kann ich mit geringerer Ausführlichkeit gedenken. So ist Martin May, ein hoffnungsvo-ller vielversprechender Jüngling, den die Natur bereits burch die symbolische Farbe seines dichten Wollenhaares zum eifrigen Vorkämpfer der rothen Republik gestempelt hat, ein Beruf, dem er nicht verfehlt, die möglichste Ehre zu machen. Dieser junge Mann, den Sie als Privatsekretär des Herrn Exminister Milde im vergangenen Sommer in Berlin vielleicht kennen gelernt haben, ist hier eigentlich Jedermann, selbst seinen eigenen Brüdern lächerlich; trotzdem aber hat er vermöge seiner unverwüstlichen Zungenfertigkeit in den Märztagen sowohl, wie neuerlich im November, eine ziemlich hervorstechende Rolle gespielt. Von einer ganzen Reihe anderer genügt es nur die Namen anzuführen. Dr. H o n i g m a n n, Dr. Friedmann und der Buchdrucker Leopold Freund, -sämmtlich Mitglieder des deutschen Volksvereins, wirken als Literaten für die Interessen der Demokratie; Rewitzer und Wollheim sind als Stabsadjutanten und eifrige Gehilfen des Obersten Engelmann in der Bürgerwehr von bedeutendem Einflüsse; Kassirer, Goldarbeiter und Speier, Kleiderhändler, . wirken in den Kreisen der Bourgeoisie nach besten Kräften. Max Simon, Reichstagsabgeordnerer und Vetter Heinrich Simons, Dr. Lasker, Dramaturg des hiesigen Theaters, und Leopold Schweizer, ehemaliger Referendar und später Hauptmitarbeiter der hiesigen Zeitungen, muß endlich noch erwähnt werden. Natürlich kann, trotz dieser stattlichen Reihe von Namen, diese Liste noch lange nicht auf auch nur einigermaßen erschöpfende Vollständigkeit Anspruch machen; aber auch so scheu wird sie vollkommen genügen, um, den Beschwerden des Hm. Hellwitz und seiner Gesinnungsgenossen gegenüber der N. Pr. Z. glanzend zu rechtfertigen, daß sie den Juden keinen Panegirtkus singt. Daß aber Breslau nicht der einzige Ort ist, wo die Thärigkeit ,,unserer Leute" so sehr in den Vordergrund dringt, sondern, daß cs in Berlin, Königsberg, Hamburg, Frankfurt, Wien nicht viel besser aussieht, ist ja faktisch, und es dürften sich mit geringer Mühe ähnliche Listen, wie die obige, auch für die genannten Städte unfertigen lassen." Da dieser Artikel gerade vom entgegengesetztem Standpunkte aus interessant ist, so hielt ich es für gut, ihn aufzunehmen. Red. Leipzig - 4. Febr. Dr. Julius F röb el liefert in der „Zeitung für Norddeutschland" eine kurze Charakteristik des Dr..Lausen.a u aus,Prag, des bekannten Volksredners, der wie der auf ihn erlassene Steckbrief sagt, „angeblich ein getaufter Israelit" sein.soll. Hr. Fröbel sagt: Ich erinnere mich einer Rede dieses Mannes, die er im August oder September vor einer großen Volksmenge im Odeon hielt und m welcher folgende Stelle vorkam:.. „Die Riesenschlange der Reaktion windet sich .wieder langsam empor aus dem stinkenden Sumpfe der Kamarillen. Sie zischt schon wieder gegen die Kämpfer der-Frechnt. Die Aristokraten schlürfen schon wieder den' Hoffnungsäther der Salons. Die.- Polizei schnüffelt schon wieder mit Unverschämtheit an allen Orten. Das Federvieh der Kanzleien bläht sich schon wieder und kollert wie zuvor. Die Klosterhauche grunzen schon wieder aus dem Schweine-Kofen der Frömmelei; — und das gekrönte Scheusal an der Newa wiehert wohlgefällig sein Halleluja in das gräuliche Konzert!." — Dazu denke Dir einen Mann mit ausdrucksvoller, geistreicher Physiognomie, eine Erscheinung, welche die größte Aehnlichkeit mit dem Bilde hat, das Napoleon auf St. Helena darstellt — denke Dir eine den gebrauchten Bildern ganz entsprechende Deklamation, — eine Gestikulation, die das Aeußerste darstellt, was das Theater aufZubieten hat, — endlich den Redner gleich einem Löwen im Käsige hin- und hergehend auf der acht bis zehn Schritte breiten Nednerbühne! — München, 28. Jan. In Ingolstadt müssen nach einem jetzt noch gütigen Zolltarif die Juden verzollt werden, und zwar zahlen die Juden vom Leibe Tcansico zu Wasser 7 kr., zu Land 1 kr., Konsumo 8 kr. 1 Pf., Eßito 8 kr. I Pf. die Judenweiber entrichten die Hälfte, ein Kind dm vierten Theil. Werden die Grundrechte in Baiern anerkannt, muß freilich dieser Zoll fallen, und da darf man sich kaum verwundern, wenn sich der Magistrat von Ingolstadt gegen die Einführung sperrt; denn dieser'Judenzoll ist einträglich. Frankfurt a. M., 26. Febr. Nach einer Korrespondenz der O. P- A. Z. soll das österreichische Kabinel damit umgehen, den österreichischen Reichstag in Kremsiev zu vertagen, bis er die Emancipation der Juden votirt haben werde. Es wolle dadurch die jüdischen Financiers und die Inden für die Regierung fesseln. Also eine Emaneipation aus Eigennutz, Berechnung, Schachergeist — und nicht aus Prinzip! In Preußen schien man auch in den Juden eine Regierungspartei sich schaffen zu wollen. Dresden, 3. Febr. Dr. Hirsche! konnte auch in einem andern Wahlbezirke als Kandidat für den sächsischen Landtag nicht durchdringen, weil er ein Jude ist! Glückliches Sachsen mit deinem Judenhaffe und deiner Scheindemokratie. Die Religion ist ein geistiger Census, den du nicht abschaffen willst. Leipzig, 5. Febr. Bei der regen Teilnahme, welche die Verhandlungen der verschiedenen deutschen Kammern über die Abschaffung oder Beibehaltung der Todesstrafe erregen, und im Gegensätze zu den Ansichten vieler protestantischer und.katholischer Geistlichen, wird es -für die Leser von Interesse sein, die Reden in Kremsier während dieser Debatte von unfern geistbegabtcn Deputirten, Dr. Fischhof und M a n n h e i m e r, Zu vernehmen, und um so mehr als letzterer feine Argumente für /Abschaffung der Todesstrafe aus den jüdischen Gesetzbüchern entlehnte. Höchst geistreich waren die Bemerkungen Fischhol's als Arzt über die psychischen und physischen Anlagen des Menschen, über die Unzulänglichkeit des Richters zu entscheiden, wo der Uebergang vom besonnenen Nachdenken zur bewußtlosen 'Aufregung — wie im Rausche — angefangen habe. Ihm folgte der Abgeordnete für Brody, Prediger Mannheimer als Generalredner: spreche für den , in sofern er die Todesstrafe abgeschaffc haben will; gegen ihn, in wiefern er unvollständig ist. Was der