Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-02-17 · Heft 7 (17.2.1849) · p. Seite 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 7 (17.2.1849)
Date
1849-02-17
Page
Seite 36 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360580-2360588--6731-3534816
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

30 Barbarei angehört., das muß einmal durch die Gesetzgebung aufgehoben werden. Ich weiß sehr wohl, daß die Gebrechen der menschlichen Natur nicht durch Auckerwaffer geheilt werden können; aber darum ist noch nicht erwiesen, daß Aderlässe das richtige Mittel sind. Man har sich auf die Bibel berufen: Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll wieder vergossen'werden. Es ist aber auch gleich darauf zu lesen: Denn im Ebenbilde Gottes ist der Mensch erschaffen. Und wollten Sie diesem Bibelsprüche Raum geben, dann müßten Sie auch Zahn um Zahn, Auge um Auge, Bein um Bein nehmen. Ich kann Sie versichern, daß im jüdischen Strafgesetze ein Lodesurtheil im Synhedrion fast unmöglich war. Ein Synhedrion, das in 7 Jahren ein Lodesurtheil gesprochen, hieß schon ein mörderisches (siehe die Tr-. Maßkot und Sanhedrin). Uebrigens wurde auch stets dafür gesorgt, wenigstens eine milde Todesart zu gründen, denn es steht geschrieben: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, und willst du eines schönen Todes sterben, so gönne auch deinem Nächsten einen solchen. Die Schrift will es ausdrücklich, daß der Mensch nicht aufhöre den Menschen als Bruder zu betrachten, wenn er auch ein Verbrecher. Meine Herren! Dies' lehrt mich mein Glaube. Sie, meine Herren, bekennen den Glauben der Liebe, Sie werden hinter meinem Glauben nicht Zurückbleiben. Die Todesstrafe soll ein Schutzmittel vor Raub, Mord u. s. w. werden. Das sollte aber erst bewiesen werden. Der Redner vor mir hat Ihnen einige bezügliche Daten mirgelheilt, ich bin nicht in der Lage es zu thun. Aber wahr ist, das die sogenannte Abschreckungstheorie eben so veraltet ist, wie die Zahnum Zahn-Theorien. — So kam also auch der Talmud in Kremsier zu Ehren, und seine milden Grundsätze übten auf die europäische Legisla-. tion einen Einfluß aus. Die Hengstenberg'sche Kirchenzeitung pocht aus Beibehaltung der Todesstrafe, indem sie die Bibel vorschützt« Den Talmud prohorresoirt sie und das N. T. bestärkt sie in ihrer Ansicht. Der Talmud kennt hierin aber mehr Liebe, als das N. T. Bl..... Wien, 26. Jan. Wer wollte noch zweifeln, daß unser Kabinet mit dem preußischen Hand in Hand geht? Als der Redakteur der „Zeitungshalle" Julius steckbrieflich verfolgt wurde, hieß es im Steckbriefe, er habe „ein jüdisches Gesicht." In dem Steckbrief auf Buch heim, den Red. des Studentcnkuriers, lesen wir ebenfalls von dem jüdischen Gesichte! Giebt es vielleicht ein einiges, starkes, österreichisches Gesicht? — Hr. Marku 6 Bos soll an einem großen hebräischen Epos, dessen Held Herm. Jellinek, für.den Druck arbeiten. — Vci den vielen Greuelthaten, die den Krieg in Ungarn charakterisiren, treten schöne Züge um so rmhr hervor. Die bekannte grausame Ermordung einer Truppe gefangener Kroaten in Güns gab zu nachstehender tragischer Episode Anlaß. Unter den die Gefangenen bewachenden Honved-Eskorte befanden sich zwei Israeliten, die beim Herannaheu der Vertag von C. L. Fr i tz sch e. mörderischen Rotte sich vor die Gefangenen stellten, um das bedrohte Leben derselben mit ibrem eigenen Blute zu vertheidigen. Der eine dieser heldenmütigen jungen Leute siel sogleich als Opfer feiner Hingebung, der andere wurde mit neun Wunden bedeckt, für todt am Platze liegen gelassen; als er aber dennoch Lebenszeichen äußerte, von dem dortigen Kerkermeister in eine Kammer gesperrt. Hier blieb eraus Berschen durch anderthalb Tage ohne alle Pflege. Man erinnerte sich seiner endlich und er befindet sich jetzt im Spital zu Günz in ärztlicher Behandlung. Hamburg, 26. Jan. Behufs der Ausführung der Grundrechte auch in Bezug auf die Israeliien hört man aus zuverlässiger Quelle, daß bereits den Vorständen der deutschisraelitischen und portugiesisch-israelitischen Gemeinden eine Mittheilung des Senats zugegangen ist, daß sofort eine Kommission , bestehend aus je zwei Mitgliedern der Gemeinde, zwei des Senats niedergesetzt werden soll, die wiederum zwei Beamten hinzuzuziehen hat, um die Regelung der jüdischen Verhältnisse in Bezug auf das Bürgerwerden der Israeliten zu Stande zu bringen. Die öffentliche Bekanntmachung des Ratbcs in dieser Angelegenheit erwartet man schon auf morgen. Die Basis der Senats - Proposition soll folgende sein: Diejenigen der Angehörigen der israelitischen Gemeinde, welche bereits im Besitze eines Bankfoliums und Transirorechtes sind, dafür also die mit dem Erwerb des Großbürgerrechres verbundenen Kosten von 750 Mk. bezahlt haben, werden nur noch Zahlung für den Bürgerbrief zu leisten, die Uebrigen nach abgelegtem Eide die gewöhnlichen Kosten des Kleiudürgerrechts zu tragen haben. Leipzig, 6. Fcbr. Die Preußische Regierung har durch ihr neues Ministerialschreiben v. 13. Decdr. v. I. verordnet, daß auf Grund eines ^Erlasses vom 7. Juli v. I. fortan die Naturalisation fremder Juden von keinerlei anderen Bedingungen, als dev Naturalisation ausländischer Christen abhängig gemacht und für die den Juden zu ertheilendm Naturalisations- Urkunden keine höheren Stempel erfordert, als für andere solche Urkunden verwandt werden dürfen. Wenn es hiernach schon zur Naturalisation ausländischer Juden ferner nicht mehr der Ministerial-, sondern nur, wie allgemein gesetzlich, der Regierungs-Genehmigung bedarf, so ist erste um so weni? ger zur Bewilligung des vorübergehenden Aufenthalts für ausländische jüdische Gewerbegehilsen) Dienstboten, Gesellen, Lehrlinge u. s. w. erforderlich. Posen , 1. Febr. In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung wurde die Frage: „Ist der Magistrat aufzufordern, die jüdische Armenpflege sogleich zu übernehmen?" mit 13 gegen 7 Stimmen bejaht. Auch die weitere Frage: Soll der Magistrat die jüdische Armenpflege zu übernehmen haben unter Vorbehalt der höhern Bestätigung, sowie eventualiter des Regresses und Prozesses? erhielt die Majorität. Druck von I. H. Ncigel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.