Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 6 (10.2.1849)
- Date
- 1849-02-10
- Page
- Spalte 91-92 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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91 92 Kritiken. Fassel's Tugend- und Rechtslehre. nichts als das Ansehen, nach Kant, der Vernunft, und nach dem Balmud des Gottesgesetzes den Wissenden zur Beobachtung der Pflicht bewege. Sie erklären die Lugend nicht nur für verunreinigt, sondern für vernichtet, wenn sich in die Beweguugsgründe derselben eine Legende mit einmischt und wäre dies auch das Wohl der Welt. Am allerentferntesten aber'' von Sittlichkeit ist nach jenen Prinzipien die Klugheit, welche den Schein derselben annimmt und nur die Glückseligkeit, d. h. ein unbestimmbares Gemisch angenehmer Gefühle sucht. Za auch Kant, der hinterdrein mit der Würdigkeit des Tugendhaften glückselig zu werden kommt, wird Unkonsequenz vorgeworfen, aber Kant mußte die Glückseligkeit von Wichtigkeit sein, weil nach ihm der Glaube an Gott und Unsterblichkeit darauf gebaut wird, nach unserem talmiidischen Prinzip aber, wo Gott in der Tugendlehre vorausgesetzt wird, muß die Glückseligkeit als Interesse schwinden. Richtiger ist die Beseitigung, daß das Interesse nur einen u ittergeordneten Grad von Lugend bildet. Sinnreich ist die Ausgleichung folgender Stelle: „Eine Stunde der Buße und der guten Werke in dieser Welt ist mehr werth als das ganze Leben in der künftigen Welt und eine Stunde der Seelenfreude in der künftigen Welt ist mehr werth, als das ganze Leben in dieser Welt". Der Talmud erkennt hier, daß eine Stunde jenseitiger Freuden das ganze irdische Leben cuifwiegt, aber da nicht die Freude, sondern das Thun des Guten im Willen des Guten der Zweck des Menschen ist, so ist doch wieder eine Stunde der guten Werke mehr werth als aUe Freude des Jenseits. §. 3. Erklärt der Verft das „Sollen", womit Kant die Freiheit des Menschen retten wollte, ohne es im Talmud nachzuweisen, indem das Tugendgesetz kein physischer Zwang, sondern eine psychologische Nöthigung ist, welche auf der moralischen Beschaffenheit des Subjekts beruht, dem in sich habenden Gefühle Gotteswillen zu erfüllen. Aber gerade Kant besteht darauf, dqß die Tugend aus keinem fremden, wenn auch noch so ehrwürdigen Bewegungsgrund herstamme, jeder Gehorsam ist blind, die Tugend aber ist sehend, und der erste Grund aller Verpflichtung kann nicht in einer besondern Pflicht, dergleichen der Gehorsam gegen Gott ist, liegen. Dieses nennt Kant die Form des Moral- Prinzips. §. 4. Spricht der Vers, von der doppelten Natur im Menschen. Dies ist Kants Begriff von einem in uns vereinigten zweifachen Menschen, einem Unfreien und der Norhwendigkeit der Naturursachen unterworfenen Menschen, und einem freien, welchem wir nur aus unfern Handlungen, insofern sie sittlich sind, kennen lernen. Kant entwickelt dies aus seinem Systeme, indem er eine Welt per se und eine Erscheinnngswelt annimmt, daher ihm der Mensch auch ein k'ounKimttn et pliuenomenon ist, in dem vorliegenden Werke fehlt aber die philosophische Konsequenz. Z. 6 nimmt der Berf. als subjektiven Bestimmungsgrund den guten Trieb an, was, wie es in der Anm. heißt, die Philosophen (nur Kant) die innere Achtung gegen das Gesetz nennen. Der gute Trieb ist das innere Ergötzen an dem Werthe der.Tugend. Diese. Anmerkung hätte zu §. 5 gepaßt, wo von der doppelten Natur des Menschen die Rede ist, hier aber ist sie nicht an ihrem Platze. Kant sagte absichtlich nicht Liebe zur Tugend, sondern Achtung vor dem Gesetze, welches aus der Ehrfurcht vor dem moralischen Gesetze, aus dem Schmerz und Berrübniß über die Aufopferungen, welche sich der Mensch gefallen lassen muß, und über die Beschwerden, welche sie zu erdulden hat, entstehet, und nicht im guten Triebe an und für sich, sondern in der Erhabenheit desselben liegt. Im §. 7 spricht der Vers, von dem rastlosen Fort.- schreiten des Menschen in der Tugend, ohne Einwirkung einer göttlichen Macht. Wenn es aber heißt, so Gott dem Menschen nicht beistehen möchte, würde er dem bösen Triebe unterliegen, so ist darunter nichts anderes zu verstehen, als die Nothwendigkeit der geoffenbarten Religion. Wie erklärt aber der Hr. Verf. das )>nmD "tfilÄ' «on ta? Der Hr. Vers, scheint es zu erklären in feinem Sinne, daß iq V? vjn qn, Z- 9. Maimuni rTJD^n 6, 3 wird darüber getadelt, daß es Gott manchen Sünder verhindern läßt, sich zu bessern, damit er in seinen.Sünden zu Grunde gehe (?). „Nun sterbe, sagt Maimuni, denn es liegt bei kühnen und trotzigen Verbrechern in der Idee der Billigkeit, daß ihre Buße sie nicht vom Tode rette, da es aber in der Zdee des göttlichen Wohlwollens. - gegründet ist, daß dem reuigen Sünder vergeben werde, so verzögert Gott ihre Buße, um vor der Welt ein Exempel der Gerechtigkeit zu statuiren. Zn der 11. Anmerk. spricht der Vers, etwas über Dämonologie, über die im Talmud vorkommenden , □’H&y jtDKV wo&u tdj noch Midr. Rab. zu Deut. 247 hinzufüge, und schließt mit „die böse sinnliche Begierde ist der Satan und zugleich der Todesengel"; es zeigt, dies in der That von einem kühnen Geiste, da. pw als ein wesentlich böser Engel in Secharja 3,. 1. 2 ünd Hiob 17 vor kommt. Wer Ausführliches hierüber lesen will, der schlage in den Annalen, Zcchrg. 1839 die Beiträge hierzu von Dr. Formstecher nach. In der 13. Anmerkung substituirt der Vers. wider Kants praktischer Vernunft, die Gottesfurcht. Ich wiederhole es,nochmals, all die Ci täte können die Furcht vor Gott nur als Triebfeder, nicht aber als Prinzip empfehlen, weil,,um nur, einige Gründe anzuführen, Gottesfurcht mcht unbedingt ist. 2. Etwas äußeres ist. 3. auchdas Böse beschönigen kann. Der Vers, selbst sagt, es kann sich mancher das zum Verdienst anrechnen, was ein Verschulden ist, will jedoch diesem Uebelftande durch die Erfahrung -des Gesetzes' Vorbeugen. Auch die Philosophen müssen gestehen, wenn der. Mensch das Gesetz, welches die praktische Vernunft aufftellt, nicht verstehet,^ sein Gewissen kein richtiges Urtheil abgeben kann. Dieser Vergleich hinkt, denn nach Kann ist die praktische Vernunft etwas positives angebornes und ursprüngliches, wer diese Stimme nicht in sich hört, muß darauf verzichten, ein Mensch zu sein. Der Fanatiker aber schöpft seinen Fanatismus aus seiner positiven