Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1849)
- Date
- 1849-02-10
- Page
- Seite 31 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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31 ist die Kreuz- Parteinahme für die jüdische Orthodoxie eine neue Revolution- Unter Eichhorn-Thile hieß es: die wahren Juden gehören nach Zion; jetzt sind sie die besten und loyalsten preußischen Bürger. Das Ministerium Manteuffel geht noch immer von der Ansicht aus, die Juden seien Fremde in Preußen. Ich glaube, der Minister ist fremd "in seinem Vaterlande, da er dessen Zustände nicht kennt. Eine -Reise nach Zion würde den Minister belehren, daß die Juden Preußen ssind. — Die altorthodoxen Juden sollen der Zelem- Zeitung eine Dankadresse überschickt haben, daß sie die Orthodoxie in Schutz nimmt. Wie sich die Zeiten andern! Minister Manteuffel ist der Schirmherr der jüdischen Orthodoxie. Ich glaube, daß Maschiach bald erscheinen wird. — Ein hiesiger ministerielle Gelehrter schreibt jetzt eine Abhandlung: „über den Demokraten Ko rach und dessen Untergang". Kremsier, 24. Jan. Aus zuverlässiger Quelle kann ich Ihnen mittheilen, daß der §. 16 der Grundrechte, wornach das Glaubenobekenntniß keinen Unterschied in den Rechten und Pflichten der Staatsbürger Hervorrufen soll, von dem Ministerium stark bevorwortet wird. Somit wäre selbst im Falle einer oktroyieren Verfassung die Gleichstellung der Juden gesichert, und die Juden könnten von ihrem specisischenStandpunkte aus mit dem Ministerium Stadion und dessen Centralisationssysteme zufrieden sein. Möchten nur die Juden selbst in der Kultur fortschreiten und von der alten Mährchenwelt lassen! München, 23. Jan. In der Thronrede des Königs Max von Baiern vom 22. Januar kommt folgender Passus vor: „folgende Gesetzentwüfe werden Ihnen vorgelegt werden.'Ge setz über die Verhältnisse der Juden, resp. deren E m a n ci p a t i o n." Es scheint demnach vorausgesetzt zu. sein, daß die Grundrechte keine Annahme finden sollen. Polen und Rußland. Aus Rußland, im Jam Der Dr. med. und Kollegien-Asflffor Bernhard Abramson in Odessa ist auf Vorstellung des Ministers der Reichsdomanen zum käis. ruff. Hofrath ernannt worden. - Seine vielseitigen Verdienste im Sanitätsfache anerkennend, ward er schon früher zum erblichen Ehrenbürger und zum korrespondirenden Mitgliede der gelehrten Gesellschaft in St. Petersburg ernannt. Er hat bereits mehrere Schriften medreinischeri Inhalts herausgegeben. Bl..... Das „Bretel". Ein mährisches Genrebild. „Bre tel", kennst Du dies Wort, lieber Leser? Schlage Adelung und Heinsius nach; vergebens, Du wirst es nicht finden. Nur ich kann Dir aus Autopsie eine Erklärung liefern. „Bretel", oder als Kompositum „Hau bel-Bre tel" ist eine runde, platte Kopfbedeckung, die aus zwei großen Hemisphären: aus einem Planiglobus und einem Käppchen besteht. Es ist kein Alltagsmöbel, sondern wird blos aufgesetzt, wenn der Jude in die Synagoge geht. Hier soll er weder in der demokratisch-profanen Mütze, noch in dem französisch-republikanischen Hut, sondern in dem alten, ehrwürdigen Bretel erscheinen. Der flache Kreis und der hohle Halbkreis sind ein Symbol des „flachen und hohlen" Kopfes. Sein Alter ist historisch, man behauptet sogar, es sei vom Glorienschein des Mittelalters umgeben. Das Bretel spielt in der Familienchronik eine wichtige Rolle. Dem Junggesellen, dem den heiligen Hallen der Ehe fernstehenden ist der Gebrauch des „Bretel" verboten; erst wenn der Rabbiner die aramäische Ketuba unter dem Baldachin in althebräischer Romantik vorgelesen, darf er sein Haupt mit dieser Synagogenkrone schmücken. Die Leser können leicht denken, daß das „Bretel" als ein lheures Familienereigniß begrüßt wird. Wenn der junge Ehemann zum ersten Male mit den Insignien der Ehe in der Synagoge erscheint, wie pocht da das Herz des „Mechutan", wie freul sich da die „Mechutener". Was dein König die Krone, dem Feldherrn die Uniform — ist dem jungen „Balbos" das Bretel. Seit zwei Jahrzehenden aber ist ein Streit im Lager der Bretel-Romanrik ausgebrochen: eö haben sich Guelfen und Ghibellinen gebildet. Voll Muth, Entschlossenheit und Hingebung an Frankreichs Modegottin hatten es anfangs nur Einige gewagt, das „Bretel" mit dem Hute zu vertauschen. Die mährischen Gemeinden, in ihrem Sinne für das Altromantische murrten über diesen Frevel au der geheiligsten Kleiderordnung, man stutzte über die Kühnheit der Neumodischen — allein das Beispiel ^ward gegeben, und fand rasch Nachahmung. Die Partei der Hüte wurde zur Majorität und gelangte zur Herrschaft in der Synagoge. Viele wollten nicht zurückbleiben, und weinend nahmen sie Abschied von dem geheiligten Bretel, preßten es an ihr Herz, und setzten den Hut auf. Die Fanatiker aber, denen der Staub, wenn er nur alt, sehr alt, heilig ist, ließen sich nicht zurückschrecken, und betrachteten sich als Märtyrer des „Bcetelchums". Heute noch erscheinen diese Helden im „Bretel", mit dem Bewußtsem, das Judenthum von den verderblichen Neuerungen gerettet zu haben. WieArchimedes den hereiustürzenden Soldaten gegenüber nur an seinen Kreis dachte, so ist der Fanatiker mit seinem Bretel-Kreis innigst verbunden. Die Bretel-Träger sind die Orthodoxen von echtem Schrot und Korn, und die iu der süßen Hoffnung leben, einst in Jerusalem, ein Opfer vor sich hertreibend, mit ihrem Bretel zu wandeln. Leider hat die Alles zerstörende Reform auch in Mähren manches Kind Der Romantik getödtec, und darum sind es nur wenig Auserkorne, die den „Muth einer Meinung" haben — wie Humboldt — und ein Bretel tragen! Rübrend ist auch folgendes Gespräch zwischen Vater und Sohn einer Bretel-Famllie: S o h it. Will sich's „B rete l" ewig von mir wenden, Wo Reform mit den Schekozim - Händen