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Der Orient · 1849-02-10 · Heft 6 (10.2.1849) · p. Seite 30

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 6 (10.2.1849)
Date
1849-02-10
Page
Seite 30 (sequence 3)
Language
German
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30 Gaben dem Herrn leihen , indem sie die Armen begünstigen (Spr. 19, 17); eine Gabe, die der Herr reichlich vergelten möge hier und dort. — Kempen, im TcbeL 5609 (Januar 1849). Das Komit« und die erwählte Kommission re. für das israelitische Waisen-Erziehungs-Institut. Isaak-S. Landau. M. Auerbach. Dr. Jakobson. L. D. Schlesinger. H. Landsberger. Calo. - M. Ärmstem. D. I. Henschcl. Die Juden in Mähren. Eine Stimme der Wahrheit. LH. Unsere jungpolnisch.en Rabbiner, denen die pädagogischen Fragmente des Talmuds das Ideal einer Erziehungslehre find, übertragen ihre unbeschränkte Beschränktheit auf die Schule. Was Pestalozzi, Basedow, Diesterweg, Schwarz und wie alle die großen Lehrer der Erziehung heißen, was sind ihre Vorschriften in den Augen eines jungpolnischen „Talmid -Chacham"? Wozu dieser „Schetus"? Steht doch nichts davon im „Kol-Bo", wo doch Alles zu finden ist? — Die jungpolnischen Rabbiner lassen die Jugend nach Perrücken- und Zopfmethoden erziehen. Doch auch dem Fortschritt wird Rechnung getragen. Die Knaben lernen Bibel und Talmud in hochdeutscher Übersetzung. Ach, wenn Sie nur ein Mal -dieses Kauderwälsch hören könnten! In hochtrabenden, dithyrambischen Worten leiert der Knabe seinen Jesaja, seine Psalmen, seinen Hiob her, ohne Verständniß und Bewußtsein. Und wie romantisch erscheint der Talmud in altgermanischer. Tracht! Da sigurirt auch der „Ri Meorlaimsch" (R. Jakob aus Orleans), der R. Perez und endlich der R. Jakir, die große Celebretität in dem chemischen Prozesse des 1 : 60! Deutsch und Jüdisch verbrüdern sich so in den Schulen, daß sie einem Zwillingspaar gleichen und von einander kaum zu unterscheiden sind. Aber auch der deutsche Unterricht wird durch die Berührung mit dem hebräischen heilig, und die Knaben dürfen nicht während des erstern ohne Mütze sitzen! Wie der Sanskülott in Frankreich, wird der Mützenlose im Reich des rabbinischen Jungpolenthums verabscheut. Ohne Mütze! welch' ein schrecklicher Gedanke! Ob die Jugend für einen ordentlichen Lebensberuf vorbereitet werde/ob sie in die Gesellschaft eintreten können werde, kümmert den Rabbi wenig. Was Bildung, Kultur, Sittlichkeit, Fortschritt, Civilisationwenn nur die liebe Jugend neben dem Schacher später auch den Talmud treiben wird. Die Hauptsache ist, daß aus dem Knaben einst ein „schöner Balbos" wird. Ahnen Sie, geehrter Herr Redakteur, welcher Zauber, welcher Liebreiz in dem Namen „schöner Balbos" liegt? Um Ihnen einen Begriff von dieser idyllischen Figur zu geben, will ich sie analysiren. Wer mit oem Oberamtmann ein manierliches Deutsch reden, einen deutschen Brief schreiben, einen hebräischen verstehen, und mir dem Rabbiner „mefalpel" sein kann — ist ein „schöner Balbos". Eine Nuance dieses Patricitats, und in gewisser Beziehung höher stehend,^ ist der ,,Ben-Tora", der Adlige in der Gemeinde. Diese zwei Musterbilder geben die Normen für die Bildung der Jugend. Die weibliche Jugend wird noch nachlässiger erzogen. Wenn sie nur „dawwenen", auf Märkte fahreni und die „Gaslomm" von Schiller lesen kann, hat sie den höchsten Punkt in der Gemeinde erreicht. Schiller spielt bei den mährischen Damen eine große Rolle. Sie schwärmen für Marquis Posa, überhaupt für Don Carlos. Der jungpolnische Rabbi citirt auch aus dieser Damenbibel, so oft er'mit Damen spricht. „Das hat schon Schiller gesagt" ist für ihn einer Dame gegenüber gleichbedeutend mit „das sagt der Ran" einem Talmudisten gegenüber. Uebrigens behauptet der Rabbi, er müsse Schiller citiren, um nicht njn DJU zu sein, da man doch voraussetzt, er werde es thun. Uebrigens. holt er sein ganze Weisheit aus Schiller und ist njn in einem ganz andern. Sinne. — Und dies ist, wie ich in Nr. I. bemerkte, die schmerzlichste Seite für mich. Ich will den jungpolnischen Rabbi's ihren ganzen Wust von Aberglauben und Ungereimtheiten taffen, wenn nur nicht die Jugend ein Opfer des Unverstandes würde! Arme Jugend, was hast: du verschuldet, daß Finsterniß und Lüge durch dich fortgepflanzt werden! Du nimmst jedes edle Gepräge an, wenn die passende Form gesunden wird; die jungpolnischen Rabbi's aber verrenken dir Geist, Herz und Gemüth. Den Fanatismus senken sie in deine Brust, die aller edler Regungen fähig ist. Der Fanatismus, ein würdiges Thema für einen meiner nächsten Artikel M-z. Deutschland's vereinigte Staaten. Berlin, '28. Jam „Eine Million um einen jüdischen Reaktionär" ruft die Neue Preuß. Zeit. aus.' Wer hätte gedacht, daß der Cours jüdischer Reaktionäre so hoch Zeigen werde! Auch wir sind in dem Arkadien der Reaktion geboren, auch wir haben eine Musterkarte politischer Schattirungen. Ich werde ihnen die bekanntesten Namen nennen. Konservativ-reaktionär: Dr. Veit, Dr. Sachs, Selig Cassel, alle jüdische Kommerziell- und Geheimräthe; konstitutionellkonservativ: Dr. Stern und die reichen Reformer; konstitutionell-liberal: Simion, Magnus u. m. a.; demokratischradikal: Dr. Zunz, David Caffel, Rebenstein. — Uebrigens

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