Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1849)
- Date
- 1849-02-10
- Page
- Seite 29 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bevichte, Zehnter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnier bei allen lobt. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr/ Studien und Kritiken für Literatur. Herausgegel>en von Dr. Julius Fürst. 'Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. Leipzig, dm 10. Februar Inhalt. Aufruf an unsere Glaubensgenossen aus Kempen. — D i e Juden in Mahren. Eine Stimme der Wahrheit. — Deutschland 's vereinigte Staaten Berlin. Politisch-jüdische Schattirungen. K re msi er. Das Ministerium ist für die Emancipation. München. Die Thronrede. — Polen und Rußland. Auszeichnung des Dr. Abramson. — Das „Bretel". Ein mährisches Genrebild. — Theater-Juden. (Fortsetzung.) — Personalchronik und Miscellen. Odessa. — LB. d. Or. Aufruf au nufere Glaubensgenossen. Thenere Brüder von nah und fern! Die verheerende Seuche, Cholera, hat durch sechs Wochen gräßlich in unseren Mauern gewülhet. Hunderte sind als Opfer hingerafft worden in unserer kleinen Stadt, in auffallendem Miöverhältniß zu den Tausenden in den großen Städten, wo sie am wüthendsten aufgetreten zu fein schien. Nicht nur zarte Kinder und schwache Greise, sondern auch rüstige Jünglinge, kräftige Männer und Frauen sind meist in wenigen Stunden des Todes-Beute geworden; ja ganze Familien sind eingegangen, und verödet stehen ihre Wohnungen. — Sie werden uns keines Selbstlobes zeihen, wenn wir der hiesigen israelitischen Gemeinde es öffentlich zum Ruhme nachsagen müssen , daß sie dnrchgängs in Erwägung des weisen Spruches: „Es kann Vermögen nicht nützen am Tage der Betrübniß" (Sprw. 11, 4) nicht in Betracht gezogen die eigenen Verhältnisse, nicht die seit Jahren schon andauernde NahrungSlosigkeit, nicht die beträchtliche Anzahl hiesiger kontinuirtich zu erhaltender Armer; sondern mit vollen Händen gespendet, und immer wieder neue Gaben reichlich dargebracht ans dem Altar der Menschenliebe, also, daß kein Armer ohne Arzt, ohne andauernde Pflege,' ohne Arznei oder zweckdienliche Erquickung bleiben durste. Aber, thenere Glaubensgenossen! Es ist uns ein heiliges Vermächtniß zurückgeblieben auS diesem vernichtenden Sturme : Ein Häufteilt Vater- und lnnttertoser Waisen von dem zartesten Alter ab. Vergebens suchen sie ihre noch vor Kurzem dagewesenen Eltern, rufen nach Drod und um Deckung ihrer Blöße; sie sind hilflos und verlassen. — Wohl hat auch hierfür ein Verein sich gebildet, dem die große Mehrzahl irgend Bcitragssähiger sich willig angeschlosftn. Allein die Zahl der armen Waisen ist für unsere schwachen Kräfte leider zu groß. — Und doch, doch sollen, wollen wir so gern helfen, und wir hoffen es unter göttlichem Beistand, wenn wir auf die mit Recht anerkannte und allseitig gerühmte, thatkrästige Milde und Freigebigkeit unserer GtallbenSgenossen zu zählen berechtigt sind. Und diese Hoffnung wird nicht trügen. Wir bitten Sie darum im Namen feiler hilflos verlassener Waisen, uns in diesem Liebeswerke zu unterstützen. Es werden sich in jeder Gemeinde, edle, für Menschenliebe glühende Herzen finden, die in derselben Sammlungen veranstalten, jedes noch so schwache Scherftein liebevoll aufnchmen und ans der Nähe an eines der Unterzeichneten Mitglieder, aus der Ferne aber an die verehrliche Redaktion dieses Blattes abzusühren die Güte haben werden, welche die Beiträge freundlich entgeg ennehmen und öffentlich darü b er. b eri ch t en wird. — Möchten besonders die Herren Gemeindevorsteher, Rabbiner, Prediger und Jugendlehrer es sich angelegen sein lassen, dieses heilige LieteSwerk fördern zu helfen und die edlen Spender ihre 6