Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1849)
- Date
- 1849-02-03
- Page
- Seite 22 (sequence 3)
- Language
- German
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22 sammlnug Hrn. v. Vincke mif Pistolen gefordert, weil derselbe iu einer Rede die Wiener Oktober-Revolution geschmäht hatte. Die Forderung "wurde von Hm. v. Vincke angenommen. Wahrscheinlich weiß Hr. v. Vincke nicht, daß Deutsch ein Irr de ist. Als derselbe Held des historischen NechlSbodenS tm Jahre 1840 m\ einem jüdischen Studenten in Berlin gefordert tvurde, weil er auf dem Vereinigten Landtag äußerte, die Juden wären feig, wieö er das Pistolen-Qrxumentuin ad hominem zurück, weil der Bclveiöführcr ein Jude sei. Vielleicht hat der März 1848 auch auf daö aristokratische Herz des Erfinders von scchSnnddreißig deutschen Nationen eine demokratische Wirkung gemacht, daß cs nicht verschmähen werde, von einer jüdischen Kugel getroffen en werden. Berlin^ 24. Jan. Trotz der ,/Neuen Preußischen Zeitung" sind hier vier und sechzig jüdische Wahlinänner ans der Wahlurne hervorgegangen. Man sieht, daß Tante „Voß", Onkel „Speucr" und Großmama „.Kreuzzeitung" sich verrechnet haben. 64 jüdische Wahlmänner! Legt Trauer an, Ihr Drei.imBunde, Ihr auf dem Hunde! Berlin, 21. Jan. „Die staatsbürgerlichen Rechte sind durch daö religiöse Bckenntniß weder bedingt noch beschränkt." Diese Worte machen'jetzt die Runde durch Grundrechte und Verfassungen, vktroyirte wie nicht oktroyirte. Mit ihnen, so sollte man meinen, ist nun der widerwärtigsten aller Klagen und der langweiligsten aller Fragen, der Judenfrage ein Ziel gesetzt. Die Emaucipation der jüdischen Deutschen, die die Fürsten und ihre Räthemit eiserner Konsequenz verweigerten, ist ins Leben getreten durch das Volk, das als die entschiedenste Antwort auf die in den meisten Kammern gethanen Aeußerungen von Ministern, die dem Volke sonst geradenicht sehr Rechnung trugen, daö Volk sei gegen die Emancipation der Juden, in den Tagen des Märzes, seinen dringendsten Forderungen allenthalben auch die beifügte um Gleichstellung . der Juden. Die Gleichstellung der Juden ist eine Errungenschaft des Volkes, und wie alte übrigen, so sucht eine gewisse dem Volke gegenübcrstehende Partei hier und da auch diese Märzerrungcnschaft zu vernichten. Den besten Beweis hierfür liefert die Presse und zwar die sogenannte gute Presse, die Blätter, die sich einer In-, spiration aus den allerhöchsten Hohen her zu erfreuen haben. So hier in Berlin daö würdige Zeitungspaar die Bossische Zeitung und die Kreuzzeitung ,,mü Gott für König und Vaterland." Wer hätte es den Juden je angesehen, daß sic die gedrückten, die außer dem Gesetz gestellten, einen solchen Einfluß, erlangen werden, daß die Kreuzzeitung mit Hofnachrichten, Ordensverleihungen und Missiousberichtcn' zurückhält, nur nur den Juden täglich den vierten Theil ihres Blattcö einräumen zu können, ja daß die Tante Voß die. blendende Weiße ihres Angesichts mit Judeuberichten besudelt! Und-doch ist dem so! — Neulich meldet die Kreuzzeitung, daß eine Schrift „die Herrschaft der Juden" für £ Sgr. zu haben sei. Nun, die Herrschaft der Juden scheint wenigstens etwas billiger zu fein, als die mancher Potentaten und papierner Kaiser! Diese Schrift wird, wir die Kreuzzeitung versichert, „die merkwürdige Stellung der Juden für Gegenwart und Zukunft, ihre Bedeutung für ChristenundAntichriste n t hum sehr schlagend hervorheben! Die,,Herrschaft der Inden" auch im Bösen kommt tvahrlich nicht von ungefähr, sondern sie ist , eines der vielen Zeichen der Zeit." — Es ist aber auch eines der vielen Zeichen der Zeit, daß solche judenfrcsserische Artikel gar keinen Eindruck mehr machen, außer höchstens in gewissen Missionöverciuen. Für König, Gott und Vaterland, . Erhebt das Kreuz mit muth'ger Hand Die neue Preuß'sche Zeitung; Da folgt, ein treuer Schildgenoß, Ein Sancho Pansa, Tante Voß, ' Des Kreuzes hehrer Leitung. Sie kämpfen muthig im Verein, ' . „Die Juden nieder" tönt ihr Schrein, „Sie siild's, die rastlos wühlen"; So streiten sie wie Don Quixotte Für Vaterland und Fürst und Gott — Nur leider mit den Mühlen! .Leipzig, 24. Jan. Die „V aterlandsblatte r" veröffentlichen in ihrer 21. Nummer folgenden bemerkenöwerthen Artikel: „(Der Sylvester-Abend des Jahres 1848 in Olmütz.) Die Nacht bricht herein, die letzte des großen Jahres 1848! Die Gläubigen wallen in die Kathedrale, in welcher Hunderte von Wachskerzen flammen, wie in einem großen Lichtmecr, über dem duftende Weihrauchwolken sich hindehnen. Mannigfache Gefühle wogen in der Brust der Gläubigen, sie lassen an, sich'vorüberziehen die blutigen Ereignis des JahreS, das befleckte Bild der Freiheit, die'herabgestiegen war auf Oesterreichs schöne Gauen, um ihn reichen Gaben an Hohe und Niedrige, an Bornehmt und Geringe, an Städter und Dorfteute auSzuthcilen. Sie stürzen Hill auf die Knieen zur Verehrung des Main neS, der vor mehr denn 1800 Jahren den dreifachen Ruf der Freih eit, Brüderlichkeit und Gleichheit iu die heidnische. Welt'der Kasten, Stande m! Sklaverei hinaussandte, der die Fesseln und Schranke» der Nationalitäten brechend, daö Band der Liebe un> die gcsammte Menschheit schlang, in dessen Sinn da große deutsche Freihcitsdichter sang: „Seid umschlungen Millionen, Diesen Kuß der ganzen Welt; ' l' Hoch über'm Sternenzelt Muß ein lieber Vater wohnen." — ~ Alle Augen richten sich auf eine Stelle, wo ein Domherr in geistlichem Gewände erscheint: es ist dit