Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1849)
- Date
- 1849-01-27
- Page
- Seite 19 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360580-2360585--6711-3534769- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
19 Konvertiten." (Wien, 1848, 8) wird ziemlich stark gelesen. Daß ihre Tendenz, die Emancipation der Juden zu hintertrciben ist, brauche ich Ihnen kaum zu sagen. Was ist von einem Convertiten wohl anders zu erwarten? Wozu hätte er seinen Glauben abgeschworen, wenn, der Jude dem Christen rechtlich gleich wäre? Es liegt mir auch sehr fern, die tollen Beschuldigungen, wie wir sie zu tausenden Malen gehört haben, zu widerlegen. Es ist der alte Kohl, „die Juden sind arbeitscheu, schachern, verehren den absurden Talmud, würden, im Falle der Gleichstellung, die Christenheit nebst dem Pabste vernichten" u. s. w. . So gebildet wie die Hanaken, Slovakcn, Rnlhenen, Szekler, wiener Spießbürger und religiöse Ueberlä'ufer sind die gewöhnlichsten Juden auch. Das Alberne in ihrer Literatur kann sich mit den dümmsten Histörchen der Kirche noch nicht messen, und ihr,,Ei, das am Festtage gelegt wird", hat eben dleselbe Berechtigung, wie die Folianten, welche in minutiöser Spitzfindigkeit cle utm> Mariae geschrieben wurden. Ihr Klopfen beim Sündenregister braucht sich vor dem Abzählen des Rosenkranzes nicht zu schämen. Ihre Mizwot-Auktion ist ein Seitenstück zu dem Klingelbeutel der Kirche, und ihr Pilpul in der Synagoge ist noch sinnreicher und anständiger, als die christlichen Predigten über die Hölle, das Fegefeuer und den Teufel. Ihre Begriffe über die Sittlichkeit stehen doch vor denen der katholischen Geistlichkeit nicht zurück, und die „Iudenjungen im schwarzen Frack" sind noch immer nicht so wollüstig, wie die katholischen Pfaffen in der Kutte. Wie gesagt, auf eine Widerlegung des feindlichen Elementes uns einzulassen, steht unter unserer Würde. Jeder Religion sind ihre Formen lieb, und die Emancipation hängt weder von der Religion noch von der Nationalität ab. Wären die Juden noch schlimmer, als sie der Convcrtit schildert, müßten sie dennoch, trotz Jesuiten und Ligorianer, emancipirt werden. Allein die Juden in BöhmenMähren, Ungarn und.Galizien machen wir auf das Buch aufmerksam; sie mögen es zu ihrem Nutzen lesen, um die Misbra'uche, die darin ausgedeckt sind^ im Interesse der Bildung, nicht in dem der Emancipation, .zu entfernen. — Was übrigens den jüdischen Finanzminister Süß betrifft, so war er noch immer nicht so schlecht, wie der christliche Minister Metternich, obwohl dieser nicht auf dem Schaffol gestorben ist. Leipzig, 18. Jan. Mit der Aufnahme fremder Juden schein: man jetzt nicht mehr so difsicil zu sein. In diesen Tagen hat ein Deffauer Jude das hiesige Bürgerrecht erhalten. Leipzig, 18. Jan. Wir haben Alles gesammelt, was den Tod Hermann Iellinek's betrifft. Aus diesem Grunde lassen wir hier folgendes gurunterrichtete Aktenstück aus der a. Z. d. I. folgen: „Die Ideen der neuern Zeit haben wohl die Revolutionin Wien hervorgebracht, die Permanenz der Revolution jedoch wurde, ich möchte es sagen, von dem Gefühle der Wiener geleitet. Sie haben.geträumt von den schönen glücklichen Zeiten, ohne im Stande zu sein einen Umriß von dem zu entwerfen, eine genau anpaffende Form dafür zu bestimmen. Iellineks rastloses Bemühen war es, dieser regellosen Maffe, die nach Form und Gestalt gerungen, eine zu geben, wie sie die Wissenschaft fordert; er hat die Wissenschaft hier in's Lechen eingeführt und das war sein Verdienst, das von späteren Historikern gewürdigt werden wird. Er hatte hier sich erst ein Publikum zu bilden, und auf die Massen konnte er wenig wirken, da ihnen seine Denk- und Sprachweise nicht so zugänglich war. Denn nur Wenige waren es, die ihn verstanden. Keiner, der seine Persönlichkeit und Geistesthätigkeit gekannt, dachte, daß er verurthcilt werden könnte, denn abgesehen von dem, daß er geschrieben als es die gesetzlichen Behörden, Reichstag und Gemeinderath, nicht für gesetzwidrig gefunden das Schreiben zu verbieten, so war eben sein Schreiben nicht für den Pöbel berechnet, auf den damals gewirkt werden konnte. Iellinek versuchte es gar nicht sich von Wien zu entfernen; da er sich blos vor dem Preßgerichte verantwortlich glaubte. Zum Verhör gerufen protestirte er dagegen, man müsse ihn seinen Richtern, dem Civilgerichte, überantworten. Aber die Herren verurtheilten ihn nach §. 53 des Gesetzbuches, während bereits im Pillersdorff'schen Prcßgesetze vom 1. April die §§ von 52 bis 58 als aufgehoben erklärt sind. — Am Tage vor der Hinrichtung bekam der hiesige Herr Rabbiner L. H orwitz eine Zustellung von der Militärbehörde, um bei Iellinek zu erscheinen; der Rabbiner glaubte aus körperlicher Schwäche dem Begcbren nicht Nachkommen zu könnenda er vermeinte ihn auf den Richtplatz begleiten zu müssen; er forderte daher Herrn Brandeis * auf, seine Stelle zu vertreten, da er es Hrn. Religionslehrer Breuer nicht zumurhete, und der Auftrag im voraus an den Herrn Rabbiner kam, weil Herr Mannheimer seinen Deputirtensitz in Kremsier einnahm. Herr Brandeis sollte Iellinek den letzten Trost bringen/ aber Herr Brandeis mußte auf Iellinek einen schlechten Eindruck.machen, da er ihn kurz abfcrtigte. Herr Bravdeis. wurde, als die Vertreter davon Kunde crhülten, zu Herrn Breuer geschickt, der es zusagte, zu Iellinek zu gehen, und zwar nicht aus Pflicht, sondern aus Humanitätsgcfühl. Die letzte Stunde seines Lebens zu beschreiben, erlaube ich mir einen Auszug aus einem Briefe Breuers, der auf Aufforderung Iellineks Bruders für den Vater Iellineks bestimmt war, anzuführen. . „Sehr geehrter Herr! Mit tiefem Schmerze und innigster Theilnahme ergreife ich die Feder, um dem Wunsche Ih- *) Ich muß hier auf eine Unrichti.ckeit Hinweisen. Man nannte Herrn. Brandeis den Stellvertreter Mannheimers. Herr Brandeis ist vier Lehrer an der Kleinkindcrbcwahranstalt; seilte sonstige Befähigung ist auch sehr unbekannt. Bo- riges Jahr, nachderu der Coup mißlungen war einen zweiten Prediger zu nehmen, wo man bei der Regierung die Norhwendigkeit darin begründete, daß man für die Sträflinge Jemanden brauche, der ihnen Exhorten halte, wurde Herr Brandes dazu bestimmt. Nur Herr Religionslehrer Breuer vertritt Herrn Mannheimer. ' Korresp.