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Der Orient · 1849-01-27 · Heft 4 (27.1.1849) · p. Seite 18

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 4 (27.1.1849)
Date
1849-01-27
Page
Seite 18 (sequence 3)
Language
German
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18 - Bächlein triefen". Auch liebt er den Gebrauch fremder Wörter, die in den Augen des jungpolnischen Rabbi als ein Ausbund der Gelehrsamkeit gelten. In seiner Sprache herrscht aber ein Dualismus. Mit Einigen aus der Gemeinde spricht er einen echten, allen, braven Jargon, mit Andern, denen cr durch seine Belesenheit imponircn will, redet er durch das Sprachrohr der „Griseldis", der „Schuld" von Müllner, dcö „Bild" von Houwald, der zahllosen Romane von Lafontaine u. s. w. Auch „Schiller" kennt er und ahmt ihm nach in der „Schul": „Zu Hadrian schlich, Red Ekibe den Dulch im Gewände, ihn schlugen die Epyttn in Bande. Was wills De mit dem Dulche, sprich, entgegnet ihm der Witherich? vom befreien, das sollst de am bereuen." — Nun hören Sie die Haus- und Hofpolitik des jungpolnischen Rabbi. Er wirthschaftet mit einem „herben Rambam", einem „Pile-Peloim - Mcdresch" jahrelang und^kcamt seine Waare sehr oft aus, um seine Größe zu zeigen. Lächelnd, im Bewußtsein seines Sieges, im Glauben an seine Unfehlbarkeit, legt er Ihnen die Frage vor, und fügt bescheiden hinzu: „Der Kesef Mischne weiß nit, wie er sich helfen soll", der „Matncs Kune" faßt gar ,lischt." — Wie der Aristokrat Jemanden einen „Bürgerlichen" nennt, und glaubt dadurch das volle Maaß der Schande auf dessen Haupt gehäuft ^zu haben, so schmettert der jungpolnische Rabbi seinen Gegner, durch „Amhorez", „Posche Iisrocl" nieder. Diese zwei Worte sind seine ewigen Kategorien, und wenn es nach Portius — wie ich aus Nr. 1 Ihres Blattes ersehen — nur drei Kategorien giebt, so ist ' -er jungpolmsche Rabbi ein Anhänger seiner zwei Kategorien, durch welche cr Alles erklärt. Verlangt Jemand, daß ' die Deraschot, der Pilpul — diese Gymnastik des Aberwitzes,' dieser Bann des gesunden Verstandes, diese Konfiskation der Vernunft — aufhören, so schleudert der jungpolnische Rabbi seine Kategorie „Amhorez" hin. Dringt ein Anderer darauf, daß die Kinder nicht yy nD)D u. dgl. lernen, so ist er — drei Mal Wehe — ein „Posche Iisroel"! Der „Orach Chajim" ist ihm der wahre Weg des Lebens, und es wundert' uns, daß die jungpolnischen Rabbiner in Mähren nicht beim Minister Stadion darauf angetragcn haben, eine Verfassung nach Josef Karo,. Moses Ifferles, Schach, Ture Sahab zu oktroyren, da diese gewiß Alles am besten verstanden haben. Wahrscheinlich meinen sie: da Stadion hätte es thun können, ist er jqnj, ein liberaler Minister zu sein." — In der Erziehung der Jugend sind sie ein Muster von Beschränktheit. Der jungpolnische Rabbi sieht darauf, daß dle Kinder so wie er erzogen werden. Doch dieses Thema verdient eine ausführliche Darstellung. Ich schließe für heute und freue midj, daß wir doch wenigstens in Mähren auch vernünftige Rabbiner, wie Fasset, Neuda, Weiße, Duschak und Schmie dl haben. Diese werden von den jungpolnischen Rabbinen und ihrem Anhänge „Posche Jiörelim" genannt; . ich sage aber den Herren Iungpolen, daß sie sich an Israel versündigen, sie Unheil auf.das Judeythum häufen, vas junge Geschlecht aus dem Iudcnthum verdrängen und daher »■ wahren G'MD sind.' M-z.' Deutschland'ö vereinigte Staaten Berlin, 16. Jan. Die „Kreuzzeitung" für „CSfa König und Vaterland" streckt ibre ekeln absolutistischen len auch nach den Juden aus. Ganz Israel möchte fte, ihr Herz drücken und erdrücken. Jeden Tag sendet sie ein, Lügcngerüchre gegen die Juden in die Welt, und ist bemü nachzuweisen, daß die Anarchie eigentlich aus dem Sinais boren wurde. Sie entblödet sich nicht zu behauptend zwei der ersten jüdischen Fabrikanten aufreizende Schrift nach allen Seiten versenden, nämlich die HH. Liebermann Söhne und Jakob Abraham Meyer. Was das Spioncnü! net der Kreuzzeilung nicht Alles entdeckt! Sie verdient \ Eselsorden, da sie ziemlich lange Ohren hat und nach al Seiten horcht. -- In unserer Gemeinde ist das zerrüttr zerfahrene Wesen im Zunehmen. Es sind zu viel Privati teressen bei den verschiedenen Parteien vorherrschend, als d an eine gedeihliche Einigung gedacht werden könnte» — L Deputirte WoUheim aus Breslau — ein Israelit — i wegen der Steuerverweigerung, zur Untersuchung gezo; worden. Er ist ein Schwager des Präsidenten v. Unruh. Olmütz, 7. Jan. Eine interessante Erscheinung dir! der Abgeordnete Krakau's, Rabbiner Meisels, ein Mi im kräftigsten Alter, der eben so wie die Ruthenen in ihk heimischen Tracht, in dem bekannten Anzuge der polnisch Iuden, die Kammer betritt. Er wird sich ins linke Centn sehen. Der polnische Patriotismus, um deffcntwilleir er t reits Jahrelang bekannt ist, und den er besonders im Iat 1846 zu Krakau beurkundete, machte ihn zum siegenden Ke didaten der radikalen Krakauer Presse. C. B. a. B. Dresden, im Jan. Der Landtagskandidat der entsch denen Partei (Vaterlandsvereine) Dr. H irsch el, konnte zr Dank den Bemühungen des vormärzlichen. Wahlkommiß: in hiesiger Stadt die Majorität nicht, erringen (er untert mit 1648 gegen 1807 Stimmen, gewiß eine ehrenhafte 9ü derlage), ist aber, jetzt von derselben Partei in Pulsnitz': Kandidat vorgeschlagcn worden. Sowohl dem Prinzipek Judengleichstellung, als dem wackeren Dr. Hirschel selbst der Sieg von Herzen zu wünschen. — Aus der Wahlurne t Geschworenen sind auch zwei Juden heroorgegangen, die t den Gemeindevorsteher Dr. Hirschel und Bankier Schi Wien, 14» Jan. Eine hier erschienene judcnfeindli Schrift: „Der Jude'mit dem Barte, oder Lebens^ eines Iudenknaben. Aus den hinterlassenen Schriften eiu *) Wir ersuchen den geehrten Herrn Korrespondenten? seinen Mitthcilungen recht bald fortzufahren. Nummer I' werden wir in dem nächsten Blatte abdrucken. Red.

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