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Der Orient · 1849-01-27 · Heft 4 (27.1.1849) · p. Seite 20

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 4 (27.1.1849)
Date
1849-01-27
Page
Seite 20 (sequence 7)
Language
German
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20 res $ciTn Sohnes Moritz zu genügen, und Ihnen einen Bcüber den Au st and Ihres unglücklichen Kindes tn den lctzrcn Augenblicken seines Lebens zukommcn zu lassen. Ich fühle es; je würdiger die Haltung, je achtungswerthcr die ganze Persönlichkeit in so schauerlichen Momenten sich zeigt, desto gerechter der Schmerz, desto tiefer und unheilbarer die Wunde sein muß, die das Geschick eines solchen Sohnes dem Vater- Herzen schlügt! — Und dennoch, mein sehr verehrter Freund — ich nenne Sie so, weil .ich den letzten Bruderkuß Ihrem Sohne auf den Mund gedrückt — und dennoch muß es Ihrem Herzen auch wohl thun, wenn Sie erfahren, daß dieses Geschick, uns so furchtbar, Ihren geistesstarken Sohn nicht beugte, seinen Muty nicht brach und seine Gcdankenklarheit nicht einen Augenblick trübte. — Ich war die letzten Stunden bei ihm; er sprach von seinem Zustande mit der Ruhe eines greisen Philosophen; kein Wort der Klage kam aus seinem Munde, kein Seufzer drängte sich aus seiner Brust, und wo ich seine Gedanken abzuziehen und auf ein allgemeines höhe- . res Gebiet des Geistes zu lenken suchte, da sprach er sich mit einer Ruhe und Klarheit über die höchsten Fragen des Lebens aus, das, ich mich überzeugte: In diesem Herzen finden die Schrecken des Todes keinen- Raum.. Diesen Muth, diese unbeugsame Konsequenz im Angesichte der drohenstcn Gefahren haben allerdings seinen frühzeitigen Tod herbeigesührt, allein, ungewöhnliche Geister dürfen nicht mit dem gewöhnlichen Maßstabe gemessen werden. Nehmen Sie, verehrter Herr,.die Versicherung meiner wärmsten und innigsten Thcilnahme an. Möge Gott Ihnen, in dem Glücke Ihrer übrigen Kinder Trost und Linderung und Ersatz für den Verlust'verleihen,^dc-n Sie in dem einen würdigen Sohne erlitten haben! — Mit aufrichtiger re. Leopold Breuer, Religionslehrer." - . Die Geschichte der Völker und die Geschichte Israels insbesondere wird seinen Namen fernen Zeiten aufbewahren und sein Angedenken wird gesegnet sein unter den Völkern-, wie der Nameseines Schicksalsgefährten Dr. Becher, der leichter in den Tod gegangen als er; die ersten Schüsie, die Iellinek trafen, tödttlen ihn nicht ganz und er mußte noch einen Gnadenschuß bekommen., Unsere Alten sagten: 'mn pyD Dpnst DiVD und wahrlich wenn die Volkspartei aus Unmuth und Verzweiflung in den letzten Tagen manches Unrecht begangen, ein solches Leben sühnt es. Leipzig, 16. Jan. Man hat dem „Orient" es oft . zum Vorwurfe gemacht, daß er gegen so viele bestehende Zustände „Opposition" mache, und daß er diese Opposition oft mit so scharfen Waffen führe. Wir freuen uns, aus einer politischen Zeitung über das Wesen der Opposition eine genaue Vorstellung geben zu können. „Opposition! Du bist ein herrliches Wort, das wir den alten Römern entwendet haben,, weil unsere deutschen Worte: Verlag von C. L. Fritzsche./ „Widerstand, Einwendung" lange nicht so vollwichtig sind, als gerade dieses lateinische: „Opposition". Der arme gute Geist aber mußte furchtsam und recht ärmlich in diesem Sumpflebcn herumschlüpfen, und wenn wirklich einmal ein guter Geist den andern zu Gesichte bekam und sich mit ihm geiftverwandt unterhielt, so warf ihm der Teufel sofort ein« Ladung Koth über die Ohren, das, verarme gute Geist Jahr und Tag zu arbeiten hatte, bis er sich wieder an's Licht' gearbeitet. Es war eine dunkle gewirterschwerc Nacht vom 18. auf 19. März und als der Tag anbrach nach der langen Teufelsnacht, da schaarten sich die Kinder des Lichts erst recht zusammen in maßlosen Haufen und gingen, nach der heiligen Taufe als Demokraten im Lande umher. Die Teufel sahen, daß es Licht ward und wie gar manches. Thier sich selbst ein Glied vom Leibe beißt und in der Falle, in der cs gefangen, zurückla'ßt, um sich das Leben zu retten, so ahmten das auch die Teufel nach, sie rissen sich beinahe alle das Erkennungszeichen — ihren Schweif aus, und spielten gute Geister mit uns.. Schmeichelnd traten sie unter uns, stellten sich sogar an die Spitze unserer freien Bewegung, so, daß wir lange nicht mehr wußten/ wer guter Geist oder Teufel, das heißt, wer Demokrat oder Reaktionär war. Die Zeichen der Natur jedoch, diese abgebisicnen Schweife der Finsterniß, wachsen — wie das bei Schlangen - Naturen in der Welt vorkommt — allmälig wieder nach, und Purpur und TalareKutten und Schlafmützen sind nicht mehr groß genug, um das nachgewachsene Satanszeichen der Reaktion, diesen Kindern des Lichtes — den Demokraten — zu verbergen. - , So stehen nun heut zu Tage die Gegensätze in Opposition sich gegenüber. Das Licht kämpft mit der Nacht, das heilige Prinzip mit dem höllischen, die Kutte mit dem Bauern rock, die Cattiacilla mit den National- Versa mm lu ngen, die Helme mit den brcitkrä'mpigen Filzh üten, die Spieße der guten Bürger mit den Hirschfängern der Freikorps, die S t a at.szei t ungen mit den O pp osit io ns blättern, die Reaktion mit der Demokra tie. " Personalchronik und Miscellcn. Paris. Goudchaux ist von den reinen Republikanern zum Vicepräsidcnten der National-Versammlrmg gewählt worden. — Cwemieux sprach für..die Rückkehr aller verbannten Dynastien nach Frankreich. Californien. Der Leutnant Löser, der einen Bericht über das neu entdeckte Goldland ertheilte, ist ein Jude., ' Druck von I. H. Nagel.

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