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Der Orient · 1849-01-27 · Heft 4 (27.1.1849) · p. Seite 17

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 4 (27.1.1849)
Date
1849-01-27
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
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Zehnter Abonnement auf ist 5 Tblr. rTI^n aboi\*nirt bei allen t'M. Toft Ämtern und allen sclid. Buchbandtunken auf ein Jahr. für eschichte und Literatur. Herausgegeben von Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Vogen, und. zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. Leipzig, dcn 27. Januar D, Inhalt. Die Juden in Mahren. Eine Stimme der Wahrheit. N. D e u t sch l a n d's vereinigte Staaten. N , rlin-, Kreuzzeitung. Gemeindewesen. Deputirte. Olmütz. Rabbiner Meise ls. Dresden. Dr. Hirschel. Jüdische Gesch,vorne. Wien. Der Jude mit dem Barte. Lei p z i g. Fortschritt. Leipzig. Aktenstück aus Wien. Leipzig. Das Wesen der Opposition. — Personalchronik und Miöcellen. Paris. Californien.— LB. d. Or. Die Juden in Mähren. Eine (Stimme der Wahrheit. II* In meinem ersten Artikel habe ich es versucht, Ihnen in aphoristischer Form ein Bild von den Misständen der mährischen Juden zu entwerfen. Sie haben die Quelle in den jungpolnischen Rabbinen gesehen, die gegen die Vernunft, den gesunden Verstand, die aufrichtige Aufklärung eine An von polska liga bilden. Ge starren Sie mir nun, genauer in's Einzelne einzugehen, um Ihnen zu zeigen, daß alle Zustände veraltet und verderbt sind. — Der jungpolnische Rabbiner bleibt >e i n Thema, aber mit verschiedenen Variationen in im>ll und üur. Was heißt aber „jungpolnisch"? Denken Sie hier nicht etwa an ein junges Polen oder junges Deutschland, sondern an ein geschwächtes, mattes, fast- und kraftloses Potenthum. Die „Peot" sind um einige mathematische Punkte kleiner geworden, das „Arba Kaufst", diese Quadratur des Zirkels, ruht mehr im Allcrheiligsten der Garderobe, die langen Stiefelröhren berectcn das Sankülottenthum, und die breiten Hutkrämpcn beichatlen das Gesicht des „Gadol". Eher versteht sich ein deutscher Fürst dazu, auf sein „Gottes Gnaden" zu verzichten, als ein jungpolnischer Rabbiner seine Leibwache, die aus lauter „Gadol", „Gaon", „Charif" u. s. w. besteht, aufgebkü möchte. Er selbst unLerzeichnet ßch-zwar „der: Kieine" (Ha-Katan), ,wehe aber allen Denen, die >an seine Leibgarde Hand anlegen wollen. Er ist und dl>eibt ein „Wunder des Zeitalters", der' „Lehrer aller Söhne der Gefangenschaft", der „Einzige seiner Zeit". Die Sprache des jungpolnischen Rabbiners ist ein Deutsch, das jüdisch, und ein Jüdisch, das deutsch klingt. Nun gestehe ich Ihnen, daß ich lieber den alten Juden seinen Jargon reden höre, als das Deutsch — bei G r i m m nicht zu finden — des jungpolnischen Rabbi. Dieser Accent, diese Tortur der Casus, diese Folter der Conjugatwnen, diese Verrenkung der Satztheile ist so widerlich, dast der ehrliche, gerade jüdische Jargon noch zierlich erscheint. Das Deutsche des jungpolnischen Rabbi ist im gothischen Style ausgeführt. ' Er verschmäht das Einfache, und liebt die Verzierungen und die Feftons aus alten Rilterromancn, verfallenen Burgen, romantischen Schlossern und einsamen Ruinen. Ukberall, selbst in der Küche, wo er unter seinen Leibeigenen, den Gänsen, Enten und Hühnern sich bewegt, hört er er den Quell „murmeln, rieseln, rauschen, schlängelnd plätschern", sicht er „Luna, idie Schäferin, einsam in ihrer Burg wandeln", „Mars, den himmlischen Raubritter, in!das Revier seines Waldes reiten", athmet er „ätherische Wohlgerüche wie tanzende Luftgebilde ein". In der „Schul"- fühlt und hört er das „Schaurige, Rasselnde, Rollende, Klappernde, Traurige, Prasselnde, Schmollende, Happernde", cc vernimmt „den Flöten ton himmlischer Sphären, die zitternde, knitternde, witternde Stimme luftiger Sirenen, die Trommelschläge schmachtender, beobachtender, lachender Engel, den Trompetenschall eilender, weilender, schreiender, sich freuender Ritter". Er steht „Vlümlein fein tänb klein in den Gärtlein . des Himmlein umgeben von Engelem" wachsen und '„schaurige, traurige Tröpflein von der Region de's himmlischen 4

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