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Der Orient · 1849-01-20 · Heft 3 (20.1.1849) · p. Seite 15

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 3 (20.1.1849)
Date
1849-01-20
Page
Seite 15 (sequence 5)
Language
German
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— 15 noch einige ,,vermischte Nachrichten" znkom-' ,ncu \n lassen. Zticrst veil Posen. Unter fccn Vcrftc('crn des jüngst daselbst gegründeten „Deutschen VcrbfüdmmgS-Vereins" sind wiederum 3 Israeliten zu bnncrfntf nänilich: die H.H. Kaatz, Jas6 jnn. nnd £r. Lecwen tha l. Erstgenaniltcr hot auch Mitglied (nunmehr aufgelösten) Deutschen (Zentral-Conüto'ö nnd alö solches für die Allsrechthaltnug des deutschen l5lcnicn!e' im Großherzogthnm äußerst wirksam. Was r,>g'n letzten Punkt betrifft, so ist den Juden in der Preemz, und besonders in den Städten L i ssa , P oscii, S ch n e i d e m ü h l und K e m p e n , recht viel Verdienstliches zuzuschreiben. -— Der genannte Dr. L. ist Mitarbeiter der Posencr Deutschen Zeitung, und verdankt ihm dieselbe ihre kräftigsten und schönsten Artikel. Noch ist von Dr. L. zn rcferiren, daß derselbe seiteinem halben Jahre aiu Friedrich-Wilhelm Gymnasium zu P. öle provisorischer. Lehrer der mathematischen und Naturloissenschastcn angestcllt ist. Er vertritt Löw, der für Samt er nach Frankfurt a. M. gewählt ist. — An der Posencr Gemeinde, als solche, ist die letzte Zeit mit ihren wclterschütternden Ereignissen ganz spurlos vorübergegangen. DaS alte System ist noch nicht gestürzt, und Po.scus Metterrnch heißt: .,JndifferentiömuS. — Im Tenipel deö Brüdcr-Vcreinö ist Dr. Goldstein aus B r e S l a u alö Prediger cngagirt. Herr P l e ffn cx ist mit der Herausgabe von ,,Religiösen Vorträgen" beschäftigt. Der ON. bezieht ein schweres Gehalt für das, was er wirken konnte. Das jüd. Schulwesen liegt ganz darnieder. —- In Lissa haben sich im vergangenen Sommer über 200 Gcmeindeglieder von dem Synagogen- Verbande loSgesagt. ..Wahrscheinlich, um die Abgaben zu ersparen. — An das dortige Gymnasium ist Dr. Teplitz (ein gcborncr Lissaer) zur Abhaltung seines Probejahrs zngclaffen. Derselbe Dr. T. und der Lithograph Tau Sk (ebenfalls ein Israelit) sind im Lissaer ,,Verein zur Wahrung der Velksrechte" als Schriftführer gewählt werden. Ueberhaupt spielen die Juden Lissa's in dem politischen Drama. der neuern Zeit eine nicht unbedeutende Nolle. Der Nruth und die Entschlossenheit, mit welcher sie der ,,reaetinärcu Partei" cntgegeutreteu, ist wirklich zu bewundern. Ein andermal mehr über liefen Gegenstand. —In grau (labt wird ein politisches Zeitblatt von einem Jöraclitcu, (Dr. Eisner) redigirt. Eö nimmt die Rechte des Volkes in Schutz mit) liefert oft sehr gute Aufsätze. — In Kesten ist Dr. A. Wiener (vormals in Grüneberg) als Pred. und R. L. angestcllt. Die Gemeind. ist mit leinen Leistungen sehr zufrieden. — In Schmirgel sind die Gemeindeznstände durchaus nicht so arg, als sic neulich von einem dortigen (Jmv in. diesen Blättern sind geschildert worden. — Gractz hat durch eie letzte Polen-Jnsnrrcction viel gelitten, und Buk noch mehr. In letzterm Orte ist sogar die Synagoge durch die Polen- Horden schrecklich dcmolirt worden. Auch die Gemeinden W r e sch c n , % i o n ei, Trzc mesno, Br i l o s l a w re. bluten noch an den Wunden, welche ihnert durch die unglückselige Insurrektion geschlagen worden. — Wöllstein hat durch den Abgang Dr. Hirschfeld's nach Gleiwitz (als Nabb. und Pred.) einen nicht so leicht zu ersetzenden Verlust erlitten. Auch Rackwitz zur Wollsteincr Diözöse gehörig hat auf diese Weise seinen Seelsorger cingebüßt. — Nun nur noch Einiges aus dem Netzdistrikt. — Was in Lissa über 200, das haben in S chncidemühl mir 11 gethau« Aber die Schneidcnlühlcr Elf hat sich sogleich zu einer ^sog. Resormgenossenschast konstituirt, einen besondern (modernen) Gottesdienst eingerichtet nnd in neuester Zeit auch einen Prediger cngagirt. —Ähnliches soll in Exin, Wcngrowitz und Nogascn beabsichtigt werden. In Lobsens und Mroczen hat die Cholera unter den Inden furchtbar gcwüthet. Für die zurückgebliebenen armen Wittweu und Waisen in letztgenannter Gemeinde ist durch die Herren Henoch nud Kalman n in Nakel eine großartige Kollekte veranstaltet worden. . Dank den edlen Männern! L. W. Oesterreichische Nebenländer. Krakcnr, 12. Deecnlbr. 1848. Der vom Klub ,,znr Fördermig" re. ausgestellte Candidat hielt gestern Abends eine Vorlesung über Denrokratie und ihr Verhältniß zur Polen- und Judenfrage, alö politisches Glaubensbekemttniß," welches ’ von der Versammlung mit rauschendem Beifall ausgenommen, und beschlossen ward, dieses Glanbensbekenntiiiß in polnischer und deutscher Sprache nufKosten des Vereins abdrucken und frei vcrthcilen zu lassen. Wir zweifeln jedoch sehr an dem Erfolg des Hrn. Oettinger, und glauben die Befürchtung gegründet zu sehen, daß eö den Jntriguen nnd Machinationen der Hclscrö-Helser der orthodoxen Partei doch gelingen könne, Hrn. Oet. so zu sagen, aus dem Sattel zu heben und ihren Candida t M. drlrchzujetzcn. Ich nberschicke Ihnen ein gedrucktes „Glaubcnsbekenntniß" des Hm. Oet., damit Sie beim Bttßliilgcn des empfohlenen Cmldidaten über die Fortschritte und Bildungsstufen (!) der hiesigen Gemeinde sich selbst ein Urtheil bilden kouilen. — Krakau, 23 Debr. (Ein Sieg der Zeit.) Wer hätte wohl V0L einem Jahre daran gedacht, daß ein Mitglied jenes verachteten Namens, mit dem man hier nicht eine Luft athmen wollte, und den man in einem Ghetto absperrte, aus freier Wahl der Bürger zum Volksdeputirtcri hervorgehen lvürde! Darum verdient es gewiß als cm Ereigniß gemeldet zu werden, daß die hiesige zum größten Theite doch katholische Einwohnerschaft den Rabbiner der jüdischen Gemeinde zum Deputaten nach Kränsier gewählt hat. Die Gazeta Kra-^

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