Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1849)
- Date
- 1849-01-20
- Page
- Seite 14 (sequence 3)
- Language
- German
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— ' 14 — sich eines solchen, in die Einheit eines freien Staatslebcnö nicht anfgenommenen nnd durch seine ewig widcrkehrenden krampfhaften Zuckungen einer sich berechtigt, erachtenden Lebcnöregung bcdrohlicheti Elements möglichst bald zu entledigen unt» die Jlldcn auö einem Staatsgebiete zu verweisen, daß sie nicht als die Scinigen anerkennen kann. Der Himmel bewahre die Juden vor einer solchen Konsequenz, aber noch mehr'vor der Inkonsequenz einer Gesetzgebung, die im Namen des Rechts ein alteö Unrecht neu privilegirt. Die Verweigerung dessen, was den Juden der meisten übrigen- Staaten freiwillig bereits gewährleistet ist, wäre eine höchst bedauerliche Kalamität. Nicht die Furcht vor häufigen Auswanderungen, sondern der bittere Groll in den Hcr- . zen der Znrückbleibendcn ist es, der uns besorgt macht. 'Wie Sockend allch die Freiheit in den übersccischen Landen ist, der Jnd? wird sein Vaterland doch nie in Masse verlassen. Tiefer, als man glaubt, wurzelten ihm die Liebe zum heimathlichcn Heerde, die Anhänglichkeit an die Scholle., die sein Leben fristet, die Pietät für die Stätte, wo die Gebeille seiner Väter modern; er ist und bleibt ein treuer Sohn des Vaterlands.Aber bei dein setzt'in Jung und Alt geweckten Selbstbcwnßtseiil, bei dem allgemein erwachten Ehrgefühl würde er die Schmach seines Stanltneö zehnfach schwerer empfinden. Der Gedanke, des bloßen Glaubens wegen sich vom .. Gesetze geächtet zu sehen, würde in ihm einen giftigen, herzfressenden Ingrimm erzeugen, der an dem Bande der Menschheit, das ihn an stillen christlichen Bruder knüpft, Unaufhörlich nagen würde. , Aber wehe, wellll auch dieses Balld zerrissen würde; werlll der Jude, nachdem -er tu Oesterreich durch mehr als ein halbes Jahrhundert gerungen, um durch Bildung und Gesittung sich zur Höhe der Zeit enlporzuarbeitell, endlich sein Streben nach Sympathie, nach liebender Thcilnahme, nad) gemeinsamen harmonischen Wirken für die höchsten Interessen der Menschheit-aufgeben und als eine eitle T'horheit, als einen leeren Traum der Kindheit beweinen .müßte. Nur edle Gemüther würden eine solche Enttäuschung mit Resignatioll crtrageil, in dell gewöhnlichen Naturen aber müßte sie zu traurigen Extravaganzen führen; da -dem Unrecht von Allßen keine wirksame Macht -- entgcgellgesetzt werden könnte, so bliebe ihnen dann nichts, weiter übrig, als Bitterkeit, mit Bitterkeit zu vergelten. ,,Wo.man dem Menschen", sagt ein deutscher Schriftsteller, ,,still Menschenrecht nicht gönnen will, wird er sich entweder dern Engel nähern oder der Bestie." Kempen, 2. Jan. Wieder hat die hebräische .Muse den Verlust eines ihrer begabtesten'Jünger ju beklagen; ein Verlust, der in unfern Tagen nicht so leicht wieder ersetzt wird. Baruch Schwarz, Privatlehrer des Hebräischen ward am 20., December >v. I. nach zwölfstündigem Krankenlager von der hier gräßlich wüthcndcll Cholera hingerasst. Jlil Jahre 1798 zu Wi-' d a w a ill Rujsich-Polen geboren, genoß er ten Unters, richt seines Vaters', der ein namhafter Talinndgelehrter, aber auch schon Kenner nild Verehrer der hebräischen Sprache, gewesen und längere Zeit diese in Schlesien gelehrt. Er, der Sohn, mit vorzüglichen Alltagen begabt , kam frühzeitig ilach Kempen, um der'mit ihm beabsichtigten frühen Verheirathnug zu entgehen. Noch ganz jung ward er seiner gediegenen hebräischen nild talmudischen Kenntnisse wegen in einem der ersten hiesigen Häuser als Hauslehrer engagirt, hcirathetc spater, und lehrte Hebräisch init cbcrl so vielem Geschick als Glück, 1 fo daß fast alle seine Zöglinge darin eillige Fertigkeit erlangt haben. Er selbst war aber auch durch und dllrch Hebräer, schrieb diese Sprache aus dem Stegreif mit stillem Geschmack und zartem kritischen Gefühl. Heidenheim'ö nnd Wesstly'o grammatische und stylistischc Leistungen crsütltell ihll mit Bewunderung mit Entzücken; nicht minder aber auch war er für die kritischen Arbeiten Gestnins mit Fürsts empfänglich. — In späterer Zeit nach Krotoschin übergcsiedclt, wo er eine Verbesserung stiller finanziellen Verhältnisse zu erzielen gehofft , mußte er sich im Oktober^ 1845 einer Prüfung als Religionsichrer .bei der köiligl. Niegierung zu Posen unterwerfen, die er zwar glücklich bestanden, in der, ersehnten Verbesserung stiller Lage aber getäuscht, nur einigen Ersatz im Umgänge liüt Klulow mit Rosen stein gesunden, indeß bald wieder hierher zurückzog. Bescheiden wie er war, hatte er nie die Absicht, für die Ocffcntlichkeit zu schreiben, obzwar seine zahlreichen Schüler dies sehr gern gesehen hätten; nur gelegentlich und zur Selbstbeschästigung füllte er tie geringe Muse, eines jüdischen, von Privatunterricht dürftig lebenden Lehrers, mit hebräischen Arbeiten ans, von denen ein sehr interessanter Nachlaß in Briefen, Fabeln und Gedichten in echt hebräischem, dabei ungesnchtoin Styl zurückgeblieben. — Eine arme, kränkliche, mit sechs Waisen znn'lck'gclassene Witwe, beabsichtigt durch Veröffentlichung des Besten dieses literarischen Nachlasses, der von Sachkennern geordnet werden soll, den Freunden der hebe. Must und insbesondere des Verewigten ein Andenken von ihm znznwenden, und wo lnöglich für sich und ihre nackten Waisen einen kleinen Gewinn zu erzielen. Es werden zu diesem Behnfe alle diejenigen, die von dem Verstcrbenen Briefe oder' überhaupt Arbeiten besitzen , die sic gan^ gewiß anfbewahrt, dringend gebeten, diese, baldmöglichst per Post an den Sohn des Verstorbenen, den Elcmentarlchrer Schwarz in Rawicz gelangen lassen zu wollen: — Im Litcratnrblatte soll eine stilistische Probe des Verstorbenen gegeben werden. Sanft möge seine Asche ruhen. — Aus dem Netzdistrikt im Dcbr. 1848. Rundschau ih. der Provinz Posen. Vor dem Jahresschluss^ erlauben Sie mir, Ihnen von den Gemeinden nuferer