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Der Orient · 1849-01-20 · Heft 3 (20.1.1849) · p. Seite 16

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 3 (20.1.1849)
Date
1849-01-20
Page
Seite 16 (sequence 7)
Language
German
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16 kowökcc (heilt ticS mit folgenden Worte» mit: Wir übergeben hiermit den Lesern die Worte unseres verehrte» Mitbürgers, dcS Rnbbiner Mcisclö, des zinn Ncichötagc in Krcmsicr erweihltcn Dcpntirtcn. Der bekannte edle und energische Charakter dieses unseres Mitbürgers, so ivic sein eifriges Verlangen, dem Heile des Vaterlandes zn dienen, wovon er schon vielfache Beweise gcgelicscrt, geben n»S die Bürgschaft, daß unsere Wahl' von dem besten Erfolg gekrönt >cin wird. Es folgt nun die Ansprache dcS Herrn Meifclö an die Bürger, welche folgcndcrmaaßcn schließt: ,,Dcr heutige Tag wird für mich ein cwig thcucrö Angedenken behalten, da ich vor Euch stand, der Sohn ciücs neck) vor Kurzem verstoßenen Geschlechtes, als Bewerber ui» die höchste Würde, welche einem freien Bürger in einem freien Staate zu Thcil werden kann. Theater-Jude». (Fortsetzung.) Abraham bringt Gott seinen Sohn zmn Opfer; daS ist schauderhaft, hat aber in der Idee einen Anstrich von Erhabenheit: dem Geist soll Alles hingegcben werden. Wenn es aber in'ö Praktische geht, wird der Bursche pfiffig. Er reist mit seiner hübschen Frau nach Egypten; der König, ein nobler Charakter, erkundigt sich thcitnchlnend nach ihr, da denkt der alte Patriarch in seinem Sinn: er könnte Begehren nad) ihr haben, konnte, wenn er hört, sie ist meine Frau, mir an den Hals wollen, also: Herr, sie ist nur meine Schwester! Ein solcher Zng findet sich nur in der jüdischen Sage. Der Lieblmgöcharaktcr des alten Judenthums ist Jakob; er ist gottesfürchtlg und hat Gnade gefunden vor den Augen des Herrn, so daß dieser ihm einmal die Ehre eines persönlichen Zweikampfes zu Thcil werden läßtim praktischen Leben, - im Detail ist er aber eben so schlau als gottessürchtig, er betrügt den Efau, Laban u. s. w., und — was das Wesentliche ist — er betrügt sie mit dem Schein des Rechts; dein einen kauft rr seine Erstgeburt für ein Gericht Linsen ab, den anderen überlistet er mit den gesprenkelten Schafen durch ein erlaubtes — wenigstens im Kontrakt nicht verbotenes — Hirtcnkunststück. Ich will auf die bekannte Geschichte mit der egyptischen Anleihe bei dem Mosaischen Auszug nicht verweilen; man mag in jeucü Büchern eine beliebige Seite ausschlagcn, überall begegnet man dem nämlichen Zug. Ich gehe gleich ailf. Christus über» In dem Bilde, welches uns die Evangelisten von dem Sohne Gottes gegeben haben, finden wir die Romantik der jüdischen Aufklärung; das Hinauöstreben über die willkürlichen Schranken des Gesetzes und das ständige Zurückfallen in die alten Voraussetzungen, km; den alten Dualismus zwischen der Unendlichkeit deö Gastes und der Endlichkeit des.Wirklichen in einer trank cendentalen Form; mit Schiller £ii sprechen, ans bcii, Naiven in'ö Sentimentale, d. h. in'ö Nesicktirte übersetzt. - Christus appellirt in Beziehung auf seine göttlich, Mission beständig an den Glauben, d. h. das unmittelbare Wissen: der Idee nach ein großer Fortschritt gegen das argwöhnische Verhalten der frühern Juden zu Gott; aber in der Wirklichkeit steht er sich doch beständig dm anlaßt, theils Zeichen uttb Wunder zu thun, thcils Aussprüche der Propheten über den erwarteten Messias bi! auf die kleinsten Details, z. B. Eselöritt, Loosen' m die Kleider u. dcrgl. in feinem Schicksal zu realisircn. Er ist sodann, als Gott, die Macht, über die Natm, aber er gebraucht doch meist elementare Mittel, er schmier! den Blinden etwas auf die Augen u. s. w., wenn « auch in einzelnen Geschichten die Konsequenz hat, cm weder durch Vermittelung des. subjektiven Glaubens (wi, bei. Petri Mccrfahrt) oder durch sein bloßes Wort (iui, bei Lazarus) Wunder zu thun. In andern Geschichten macht sich die 'jüdische Detail-Gewissenhaftigkeit ans ein, wahrhaft burleske Weise geltend. Er treibt einen: Besessenen, den Teufel ans; nun fragt der gewissenhaft Jude: wo bleibt dieser Teufel? in's 23lanc hinein, wi in der modernen Romantik, wäre zu unbestimmt, als eine Heerde Schweine geht vorüber und der Teufel ntuf hinein. Durch ähnliche Züge kommt in Christnö den Anlagen nach'erhabenen Charakter, eine' gewisse irouischr Bonhommie hinein, die in den späteren Legenden öftns recht poetisch wieder gegeben ist. So sind feine Aift Worten an die Sophisten und Doktrinärs seiner Zeit zuweilen von unbezahlbarem Humor; gegen diese hohli Existenzen wendet er die Ironie ihres eigenen Wesens. (Fortsetzung folgt.) Personalchronik und Miscellen. London. Die Königin Victoria hat Herrn Philips Salomons zum Mitgliede ihres unmittelbaren höhernHorstaats ernannt. Dieser Vorgang wird sicherlich dazu beitragen, die israelitischen Briten von der lebten Schranke zu bk> freien, welche ihnen noch den Zutritt zur Gesetzgebung wehrt Lübeck. Das hiesige Math- und Bürger-Kollegium ha! dem Drange der neuen Zeit nachgebend, die Gleichstellung du Luden ausgesprochen. Da man jedoch nach den Frriheitskrft gen die Juden da ausgeschafft hat, so muß man jetzt ch Juden haben, um sie glekchzustcllen. Druck von J.H. Nagel. Verlag von C. L. Fritzscht.

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