Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 2 (13.1.1849)
- Date
- 1849-01-13
- Page
- Spalte 27-28 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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27 28 Studien. Die Opfer im mosaischen Kultus tiefere, eine in dem Wesen der menschlichen Seele begründete sein, wenn sieMoses zu seinem große Zwecke benutzte; denn er würde kein Mittel unversucht gelassen haben , einen Gedanken aus den Gemüthern seiner Zeitgenossen zu verlöschen, der dem Aberglauben allein seine Entstehung verdankt. Es ist eine, arge Frivolität, wenn neuere jüdische Gelehrte Opfer und Philakterien als Produkt des Aberglaubens bezeichnen, und deren Dasein im mosaischen Gesetze als Einimpfung fremder Entartung darstellen. Vergl. Landau im Aruch unter nDtm — Winer sagt: Aber.daß die Gottheit wenigstens den angenehmen Duft der Opfer einathme war Darstellung des sinnlichen Alterthums, die sich auch noch in der hebr. Sprache 'ausdrückt Lev. 1, 4z Rum. 15, 7, — vergl. auch Bauer (Theologie des A. T. p, 319) und v. Bohlen (die Genesis 8, 21). Allein es hieße das Wesen der hebr. Sprache verkennen, wolle man einen tropischen Ausdruck als Anthropomorphysm nehmen. Ueber die bessere Würdigung der hebr. Sprache in dieser Beziehung vergl. Clericus (Visse» t. de lingua hebraeica p. VII!., welche feinem Kommentar zum Pentateuch vcrgedruckt ist). Uebrigens wurde jener tropische Ausdruck mn\J rrn schon m sehr früher Zeit richtig aufgefaßt. Der angenehme Duft für Jehova hieß nicht anders als „zum Wohlgefallen Jehovas" und so übersetzt der samaritanische Uebersetzer Lev. 26, 41 das Wort 13h* durch: Wir wollen nur noch jenen bekannten, vom dem Weinstock gebrauchten tropischen Ausdruck:, ^nT) D^JNV nQ^DH ,->niustum meum delecfcans deum liominesque“ (Nicht. 9, 13) erwähnen, dem man doch sicherlich keine anthropomorphistische Vorstellung zu Grunde legen kann. — §. 4> Fortsetzung. Andere legen den erstern Opfern eine dogmatische Beziehung zu Grunde, so Rosenkranz, " Tholuck," Scholl;^ allein man übersah bei diesen Auffassungen den Unterschied zwischen einer Naturreligion, wie die der ersten 9) Er sagt: Die Opfer dienten, die Freiheit des religiösen Lebens durch die Befreiung von dem Endlichen mit der That zu erweisen. (Hallische Encyklop. 3. Sekt. IV. 74) 10) Er drückt sich aus: Das Opfer (öftere) ist eine Gabe an die Gottheit, wodurch der Mensch die immer noch unvollständige Hingebung seiner selbst an Gott zu vervollkommnen strebt. (Beilage 11. zum Hebr. Brief S. 72.) 11) Er sagt: Diese Negation ist in der Andacht und erhalt auch äußerliche Gestaltung um sich zu beweisen, daß es dem Subjekt Ernst sei; es vollbringt diese Negation theils auf intensive Weise, nur daß Etwas geopfert, verbrannt sei — auch Menschenopfer — theils ist der sinnlicheGenuß, Essen und Trinken, selbst diese Negation von äußlichen Dingen. Diese Negation selbst ist, daß der Mensch sich seiner Subjektivität abthur, nicht nur in äußerlichen Dingen, imEkgenthum, sondern daß er seinen Herd Gott opfert, sein Innerstes (Religionsphil. 1. S. 169). Menschen, und einer geoffenbartcn Religion, wie die der spä-- tern Menschen. Die Religion der Letztern kann nicht ohne Dogmen bestehen, während die der Erstern Naturreligion zu bleiben aufhört, sobald an die Stelle der individuellen subjektiven Freiheit die Gesetzlichkeit des Dogmas tritt. Man geht durchaus zu weit, wolle man den ersten Opfern schon dogmalische Natur vindiciren. Endlich erwähnen wir der Hegel'schen Ansicht, nach welcher die Opfer die Negation der individuellen Subjektivität (?). Allein einmal ist diese Auffassung nicht auf alle Völker anwendbar. Nach der Meinung der Inder opferten nicht bloö Menschen, sondern auch Götter und Halbgötter (vergl. Bo pp: Konjugationssystem der Sanskritsprache S. 267 und v.Hammer: Fundgruben des Orients S. 306);" wie aber sollen Götter ihre Subjektivität negiren, wem gegenüber sollen sie diese negiren? Ferner wären nach jener Idee die Menschenopfer nicht begründet. Diese schließen ja nicht blos die Selbstaufopferung, als vielmehr die von andern vollzogene Menschenopferung in sich; was negirt aber derjenige, der einen andern Menschen opfert? Bei den Römern stand es den Feldherrn frei, in Kriegsgefahren irgend einen Soldaten dem Zorn der Götter zu opfern.15 Der Zweck war, den Zorn der Götter von Andern abzuwälzen und auf sich hinzuwenden." Auch im hebräischen Kultus konnte für andere Personen geopfert werden (vergl. §. 22) z nach der Hegel'schen Ansicht aber bleibt es unerklärlich, wie die Sühne, oder das Wohlgefallen der Gottheit für einen andern bewirkt würde, der nicht selbst den Willen nach demselben durch die That bezeugt hat. §. 5. Fortsetzung. Suchen wir daher eine andere Auffassung der Opfer zu geben, welche umsomehr auf Wahrheit Anspruch zu machen scheinen dürfte, da sie von der psychologischen Natürlichkeit der menschlichen Seele ausgehend, den Kulturzustand der ersten Menschen als wesentliches Moment hervorhebt. Mag immerhin die Geistesentwickelung der ersten Menschen eine noch so geringfügige gewesen sein, so ist dennoch unzweifelhaft, daß sie sich des Unterschieds zwischen der übrigen Schöpfung und sich dem bevorzugten Geschöpfe bewußt wurden, vergl. Gen. 1, 28. Der Mensch fühlte durch die erhaltene Herrschaft eine physische, wenn nicht gerade eine geistige Ueber- 12) Ihm — den Weltgeist dargestellt in dem heiligsten Opfer, dem Pferde — opferten die Götter und Halbgötter und die heiligen Weifen als ein Schlachtopfer auf heiligem Grase und vollzogen so eine heilige Handlung der Religion — wird von den Indern berichtet. 13) Licet consuli di ctatorique et praetori non uti« que 86, sed quem velit ex legione roinana exscripturn civem devovere (Li!)« X. e. 28). 14) (Dedus) omnes minas periculaque ab diis 8»- peris inferisque in se unum yertit (ib. VIII. c. 10).