Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 2 (13.1.1849)
- Date
- 1849-01-13
- Page
- Spalte 29-30 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Studien. Miscellen. 30 29 legenheit, und dies mag vielleicht der erste Gedanke ferner Reflexion gewesen feil». Mag ferner der ethische Standpunkt dieser Menschen, wenn überhaupt ein, solcher schon angenommen werden kann, ein noch so niedriger gewesen sein, so j brachte, doch, nachdem die unmittelbare Anschauung der Natur! das Dasein Gottes lehrte, die Strafe des ersten Sündenj falls die Idee, wenn auch noch nicht den Gedanken einer be- I lohnenden .Gottheit hervor. Die Idee mußte aber bald Eigen- | Lhum der Menschen werden, da die Reflexion in dem Maaße zunahm als jene Anschauung mehr und mehr der Entwickelung | des Bewußtseins zur Hilfe kaln. Der Gottheit zu danken i; und ihren Zorn zu versöhnen, war die erste Nothwendigßeit,! die sich den Menschen aufdrängen mußte. Die tägliche Nahrung lehrte die Dankbarkeit und der Fluch diese Nahrung < fortan in dem Schweiße des Angesichts zu besorgen ließ die j Gottheit fürchten, 5)ie: sich so strafend gezeigt hatte. Allein wie kannten die ersten Menschen, ohne höhere Erkennitniß des göttlichen Wesens diese Gefühle durch irgend eine Handlung bestätigen? Durch welchen äußerlichen Akt vermochten ’’ sie ihren Willen gegen das höhere Wesen ihrer innern An- . schauung zu manifestiren? Es blieb nur ein Mittel, welches auch dem Sklaven siatürlich ist, wenn er für die erhaltene Freiheit sich dankbar zeigen will, nämlich: des erhaltenen? Geschenks sich würdig zu machen. — Indem der Mensch das 1 Theuerste ungenoffen dahin opfert, und das Theuerste mußte : dem Hirten sein bestes Schaf," dem Landmann die Früchte;; -des Landes sein, so bezeugte er, daß er die erhaltene Freiheit nicht mißbrauche, nud was diesem Gedanken sehr nahe liegt, j daß er dieser Freiheit auch würdig sei. Opfer sind demnach Manifestation des Bewußtseins der i men schlichen Wiicde und das Opferthier dem Tode be- 1 stimmt sollte den Opfernden an die höhere Ausgabe seines --- Daseüls erinnern, das vergossene Blut die höhere Bestimm- J ung des menschlichen Lebens zurückrufen. . Allerdings prägte i sich dieser Gedanke in seiner vollsten Bedeutung erst später aus und namentlich ist dieser Gedanke im mosaischen \\ Kultus der eigentliche Nerv der ganzen Opferidee z aber schon f bei den ersten Menschen können wir ihn zu Grunde legen, da ’j ec dem menschlichen Bewußtsein natürlich, der Anschauung J der ersten Menschen nochwendig war. I 15) Die Allegorisirung Philos (k)e vita Kain, et 1 Abeli) bei den Namen des ersten Brüderpaars, nach welcher j „Nichtigkeit" das Prinzip der Entsagung, pp PDp, l straofica“ das der Macht und des Eigennutzes darstellen sollte, wodurch er das göttliche Gefallen an dem abel'schen Opfer 'j erklären will, ist zu künstlich um wahr zu sein. Man ist \ übrigens bei diesem Schriftsteller solcher philologischen Etyi rnologien gewohnt. — i ■' '■ ■"l _ ••_ I Kulturgeschichtliche Parallelen. Gesa mm e l t v o n Leo p old Dukes. Auf verschiedenen Seiten dieser Blätter haben wir bereits über den Werth der Parallelen in der Literaturgeschichte gesprochen. Wir lassen jetzt einige kulturhistorische Parallelen hier folgen. Wir haben uns für den Augenblick an keine bestimmte Ordnung gebunden, es ist uns jetzt nur darum zu thun, daß der Leser ersehe, was auf diesem Gebiete noch zu thun wäre. In einer eigenen Abhandlung hoffen wir später gewisse innere Zusammenhänge der Kulturgeschichte darzuthun, eine Abhandlung, woraus sowohl der Philolog im engern Sinne des Wortes als der Philosoph, Manches für seine Zwecke wird entnehmen können. Daselbst werden wir auch versuchen darzuthun , wie es kommt, daß Wenige unter so viel neuen Rabbinen, welche das Haus Israel jetzt zu besitzen das Glück hat, und die besser bezahlt sind als die früheren, nicht etwas Aehnliches geliefert haben. I. Hagestolz. Athen aus (Buch XIII) belehrt uns, daß in Sparta tzle Hagestolzen sehr verachtet waren und bestraft wurden, weil sie die Republik vermindern. Dieselbe Ansicht liegt der talnuidlschen Stelle zu Grunde „Wer nicht heurathet u. s. f. ist so viel als verminderte er das Gebilde der Welt". ’ Man könnte sagen, daß die spartanische Ansicht dasParrikularische der Idee, die talmudische aber das Universelle derselben ausdrüci't. Die Spartaner wollten ihre Republik nicht vermindert sehen, die Tatmudisten wollten die Welt überhaupt nicht vermindert sehen. Diese Stelle steht in Verbindung mit andern, wo das Heurathen dringend empfohlen wird, und welche wir anderwärts zusammenhängend betrachten werden. Literarische Analekten. Einige Randbemerkungen. Zu dem in Frankfurt a. M. 1847 herausgekommenen 2. Theile des Schem Ha-Gedolinr, Waad le-Chechamim, gibt der gelehrte Herr Carmoly eine sorgfältig gesammelte, klar und deutlich abgesaßte Lebensbeschreibung des Asulai in hebräischer Sprache. In derselben finde ich jedoch außer einem *) Jebaniot 63 §. 42. Dydd 'ui rpmi nnsD poij) uw ’D b ,'ui MDI>7 ns Für Hagestolz hat die hebräische Sprache kein eigenes Wort.