Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 2 (13.1.1849)
- Date
- 1849-01-13
- Page
- Spalte 19-20 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Kritiken. The Anglo-Jewish Magazine, 19 haben könne, die im Oktober forttagende Nationalversammlung ' zu Wien, die soviel Männer von würdevollem Charakter, Talent und Heroismus aufgewiesen hat, „eben so unwissend wie das gemeine Volk zu nennen, (tbe viert. equally as ignorant n8 the people^ S. 106), eine solche Arwganz haben wir nicht im Entferntesten bei einem bis nun „verfolgt, ausgeschlossenen und gedemüthigt" gewesenen Juden anzutreffen geglaubt, und.wir wollen hoffen daß der Skribler der „Geschichte des Monats" (S. 104) selbst unter den reaktionären Engländern mit diesem seinem arroganten Ausspruch isolirt dasteht, welches dann auch als Seltenheit unter den Seltenheiten -es seltsamen Jahres 1848 mit aufzunehmeri ist. Das Gedichtchen „Altes Jahr" athmet den Geist des besprochenen Aufsatzes; das darauf folgende „Vergangenheit Gegenwart und Zukunft" skizzirt die politischen Begebenheiten der Neuzeit, schildert die politische und religiöse Stellung der Juden in England, und giebt manche Aufschlüsse über das feindselige Verhältniß und die religiöse Spaltung zwischen den polnischen und portugiesischen Juden in London, wo wir aber ausführlichere, tiefer in lokale Details eingehende Notizen, zu vermissen bedauern. Die Novellen „Heirathsgesetz" u.. „Liebe und Religion" liest man mit Vergnügen. Die U Form von „Episteln an den dortigen Rab. Adler gerichtet, ein gekleideten Bemerkungen", „Studien über jüd. Literatur", wie die andern aphoristischen Aufsätze und Abhandlungen, „Aesthetische Philosophie", „Originatkorrespondenz", „Geographische Vorlesung von Dr. Raphal ", geben uns den Beweis an die Hand, wie sehr in England das Feld historisch-literarischer Studiert brach liege, und wie vieles dort noch gepflegt und bearbeitet werden muß, um eine gute Ernte in Zukunft erwarten zu können. Die „Trauerrede auf den frühzeitigen Tod des Fräulein Abigail Lindo von H. deS-o la" scheint uns werth ins Deutsche übertragen zu werden.' Der Aufsatz „Italien" und das Gedicht „Polen" sind die einzigen Piecen, die man, weil in anmuthigem Style und frei von Schwarzgelbthum abgefaßt, mit wahrer Befriedigung liest. In den. „Religiösen Rechten und Riten" werden die Grrindprincipien von vier religiösen Parteien im Judenthüme entwickelt, und er nennt sie Orthodoxe, Spiritualisten, Jndifferentisten und Saduzaer, mit welchem Rechte lassen wir dahin gestellt sein; nur daß der Schreiber dieses Aufsatzes von den strengen Maßregeln der englischen Regierung gegen das irische Repeal und dgl. den juridischen Beweis folgern will, daß der jüdische Rabbiner und Religionslehrer auch dieselben Befugnisse ausübt, wenn er die Uebertreter des jüd.-rituellen. Gesetzes aus Ueberzeugung und System, verdammt und ausschließt, scheint uns wehr als ein Fehlschluß, sondern vielmehr eme Absurdität zu sein, , und über den Unterschied zwischen religiösem und politischem Recht könnte er sich.heutzutage selbst von einem Kinde belehren lassen. lieber „Judenthum rc." müssen wir erst die Fortsetzung abwarten, um ein Billigungs- oder Mißbilligurigsvotum aussprechen zu können. Als ein Kuriosum, beben wir zum Schluffe „ ein Schreiben an den Herausgeber von einem getauften Juden" hervor, welches wörtlich 'wie folgt lautet: „Mein Herr! Ich hoffe und vertraue, Sie werden die Güte haben und mittelst Ihres geschätzten Blattes dem Rufe meines Gewissens zu folgen, welches wie Josua (1, 19) in mir laut ruft: ' nh TOD UW 'JDD -ran bx nwy no'b ‘w um min jm, ich erkläre und bekenne es hier öffentlich vor ganz- Israel, daß ich geirrt habe, indem ich mich durch einen Missionar in London zur Taufe verleiten liest, und obzwar ich jederzeit die Religion meines Vaters nicht vergaß, so fuhr ich doch fort mit ihnen (den sogenannten Missionären) Umgang z-u pflegen, weil ich so bedürftig gewesen, daß ich zufrieden sein mußte von ihnen Obdach und Nahrung zu erhalten. Allein ich warne meine bedrängten und unglücklichen Brüder, sich immer vor diesen doppelzüngigen Hypokriten in Acht zu nehmen, welche ihre eigene Religion für eine Mahlzeit verkaufen , und ich erkläre hier wiederholt bxiW'1 VI^N ’ nb 'HNDn raJN , lUDN, «nb nehme es mir vor, immer den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs anzubeten “iriK 'iT 'n J/Ottf. Ich bin rc." Rüben Robinsohn, Manchester, 10. Sept. 1848. Wir wünschten, die HH. Herausgeber möchten sich mehr angelegen fein lassen, tüchtigere Mitarbeiter für den Sammler zu gewinnen, und auch manches Treffliche aus den Arbeiten der jüd-- deutschen Gelehrten in den kritischen und historischliterarischen Gebieten mit aufzunehmen, um so auch in England bei den Juden den Weg zum wahren Fortschritt in Literatur und Wissenschaft anzubahnen. Druck und Ausstattung ziemlich gut. Fabrus Mises. 3) Ueber Demokratie und ihr Verhältniß. zur Polen- und Judenfrage, vorgltragen als politisches Glaubensbekeautniß im polnischen Vereine zur Förderung des moralischen und materiellen Wohles der israelitischen Mitbürger am 11. December 1848 von Dr. I o se f O e t t i n g er. Krakau, 1848, 8. Der Arzt Dr. Oettinger wurde von dem im Titel dieser Broschüre erwähntem Vereine als Kandidat für Kremsier aufgefordert, sein politisches Glaubensbekenntniß abzulegen, und dieser Vortrag ist der Gegenstand vorliegender Schrift. So sehr aber auch der Verein, aus den gebildesten Israeliten Krakaus bestehend, es gewünscht, und ungeachtet der Vortrag des Hrn. Oettinger nach Inhalt und Form einen guten Eindruck gemacht, so konnte doch Hrn. Dr. Oett. der Sieg nicht verschafft werden, da der größere Lheil der Wähler, aus Orthodoxen bestehend, die Wahl ihres Rabbiners Meisels durchgesetzt. Diese Niederlage des Hrn. Oet. war vorauszusehen, da die jetzige Zeit von der als Dr. Jakobowsky gewählt war, vielfach verschieden ist, und die Alten seitdem von ihrer Entmuthigung sich erholt. Was nun diesen Vortrag anlangt, so würde cs hinreichen, wenn ich folgende die Juden betreffende Stelle hersetze: „Nur die Religionsfrage will ich noch jetzt, da ich die Interessen der Judenzu vertreten habe, mit einigen Worten