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Der Orient · 1849-01-06 · 1 (6.1.1849) · p. Spalte 3-4

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
1 (6.1.1849)
Date
1849-01-06
Page
Spalte 3-4 (sequence 2)
Language
German
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3 4 Studien. Die Opfer im mosaischen Kultus. kennen gab, daß ein Feuer vom Himmel herabstieg und das Opfer verzehrte, setzt voraus , daß jenes von den Opfernden nicht hinzugebracht war. So deutlich aber auch das erste Opfer geschildert wird, so glaubte man doch, Ln der frühesten wie in der neuern. Zeit jenem Faktum den historischen Charakter'abzusprechen, und ihm yielmehv bald eine didaktischallegorische, bald ßm 'mystisch-kabbalistische Tendenz, zu vindiciren. Von bcn Aelteren ist der Verfasser des Midrasch ha- Ne^elam zu erwähnen,1 2 3 von den spa'tern Phil o (De victimis Kaini et Ab'eli p. 206 ff.) und aus neuerer Zeit B u t Lma nn (Berliner Monatsschrift Ma'rzheft 1811). Allein mögen wir auch dieses erste Opfer, wenn wir ihm dm blos rnyflffchen Charakter beilegen, als Ausgangspunkt unserer Untersuchung aufgeben und hierfür ein anderes, etwa das nächste Opfer Noah's annehmen, so wird doch nichts desto weniger hiermit sogleich der Ausgangspunkt für die Controverse gegeben. CH r y so st o m 6 s (Comnient. ad Gen. I V), Iustin us M arty r (ttespons. ad quaest. 83), Rub b i Le w i ben Ger so n (zu Gen. 4), Abrav anel (Vorrede zum Lev.)und namentlich Sp encer (De legibus ritual, bebr. p. 767 ff.) halten die Opfer als Produkt der menschlichen Natur, als irothwendlge Manifestation des durch die menschliche Natürlichkeit bedingten Bedürfnisses.^ Dieser Meinung entgegengesetzt behaupten. C le ricus (zu Gen. 4), Zorn (Opuseula saera Tom. I. p. 4L1) und nach Vorgang bcs Eusebius (Demonstr. b)vaiig. Lib. I. c. 10) auch I urieü, daß Gott die, ersten Opfer 'anbefohlen, deren Gebrauch gelehrt habe. Diese Meinung bedarf keiner weitern Widerlegung: mit Recht bemerkt Wi n er (Real-Wb. U. unter Opfer): diese Meinung ist des höchsten Wesens unwürdig, und nicht einmal in den mosaischen Urkunden begründet^ — B äh r pflichtet j allerdings dieser supcrnaturalistischen Behauptung bei, nur denkt er hierbei nicht an ein Aeußeres, an eine blose Belehrung und Instruktion von Seiten Gottes, daß und wie man opfern soll, sondern hält den Ursprung der Opfer gleichzeitig mit dem .der Religion überhaupt und Beide als Emanation des göttlichen Willens in die Natur des menschlichen Wesens.4 Allein folgen wir der biblischen Chronolo¬ 1) Er drückt sich aus: riNinhN^ N^N l'H ]'p 'Dl N”lp1. Nllil HN'b’J? NI’DI. Kain et Abel mmnisi fuerunt, ut signifiearetur nutus excelsus visisque subliinis etc. 2) Spencer sagt: Nempc primi mundi patres non lege aut rerelatioue divina muti , sed ex tnero suo arbitiiu el > raliouis duetu virtimas obtulcrunt, quiljus yrilieet lionorrm et ulifo rem .siium erga Deuni rebus, quus hubebant, optinuy ei -dieatis indiearent. — 3) Je pu.se. coiimu! ime etiuse eertaine, que les Premiers dummes saerid ereilt, parre qne Dieu le leur euminumbq seit qu’il.leur eu ait dünne ie ecmimuiuietuefit, par unc voix intelligible, seit qu’ii l’ait inspirc a Adam par Pesprit de proplietie, dont on ne peut pas dualer, <p«'r! n’ait ete lüumiiac. — 4) Bähr sagt: Die gewöhnliche supernaturalistische Begie, und dies nimmt auch Bst h r für stich in Anspruch (vgl. ebendas. S. 197), so sehen wir, daß die Opfer keines weges unmittelbar mit dem Eintritt des Menschen ias Leben, sondern, erst dann zum Vorschein kommen, nachdem der Mensch die erste Stufe her Entwickelung hinter sich hatte, nachdem^ er des Unterschiedes zwischen sich dem bevorzugten Geschöpfe und der übrigen Schöpfung sich bewußt wurde, nach B ä hr jedoch mußten die Opfer, als Form jener Aeuserung der göttlichen Idee, aller Entwickelung vorangegangen sein (vcrgl. ' Gern 1, 28; 3, 10. 22). Es ist. ferner unerklärlich, wie Opfer, die nach Bähr so eng mit dem religiösen Gefühl verbunden, gewisser Maßen ein incegrirendes Moment desselben sind, aufhören konnten, ja sogar unfern Begriffen und Vorstellungen als'etwas Unnatürliches erscheinen? Bähr unterscheidet den'Standpunkt unseres >reflektirenden Bewußtseins von dem der ersten Menschen.5 Allein wie geschah es, daß die gebildesten Völker des Alterthums, die Griechen und Egypter,stricht am wenigsten, sondern gerade am meisten geopfert, den aus gebildesten Kultus gehabt haben? Sollen wir etwa die Reflexion eines Sokrates, Plato, Aristoteles u. A. m. mit der der ersten Menschen identisiciren wollen? Endlich aber bleibt es unerklärlich,-wie nach der Bähr'scheir Theorie, nach welcher die Opfer der äußere Akt der Hingabe des ganzen Sem's des Opfernden an die Gottheit sind, diejenigen Völkern opfern konnten, welche Götter entgegengesetzter Natur anbeteten, wie die Perser dem Ormuzd und Ahriman, die Griechen und Römer dem Jupiter und dem Pluto, da sie ja nicht in entgegengesetzter Weise ihre Individualität aufgeben und zu gleicher Zeit in dieverschiedenartigsten Naturen, eingeh en können? Wir können. daher mit jener supernaturalistischen Auffassung uns nicht befreunden. t Eine dritte Meinung ist die des Grotius (De verit. relig. Christ. Lib. V.), welcher die Opfer als etwas Aeußeres, als ein konventionelles Institut betrachtet: die Menschen hauptting, die. Opfer seien von Gott selbst vorgcschrieben und ungeordnet, ist nur insofern schief und hölzern, als dabei an eine äußerliche Belehrung und Instruktion, daß und wie zu opfern sei, gedacht wird u. fl'w., und fügt hinzu: Wie die Idee Gottes und ihre nothwendige Aeußerung nicht etwas von Außen ber an die Menschheit Gekommenes, nichts ihr Angeborenes/ sondern etwas Unmittelbares, eine ursprüngliche Tdcnsache ist, so auch die Opfer, die Form jener Aeußerung - (a. a. O. D. S. 272). — .5) Er sagt: Auf dem Standpunkt unseres reflektirenden Bewußtseins, wo wir gewohnt sind, Göttliches und Natürliches, Geistiges und Natürliches zu trennen, mag diese Form immerhin auffallend erscheinen; denken wir uns aber in jene Akischauungsweise hinein, welcher das Göttliche und Geistige unzertrennbar vom Natürlichen und Leiblichen ist, so liegt es in der Tbat nicht so ferm, daß der Mensch den inniA-lichsten! Akk der Hingabe seines ganzen Seins und Lebens an die Gottheit — und darin besteht und bewegt sich ja alle Religion — durch den äußerlichen Akt der Hingabe irgend eines^ Lebendigen, das er liebte wie sich selbst, darzustellen sich-gedrungen fühlte. —

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