Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 1 (6.1.1849)
- Date
- 1849-01-06
- Page
- Spalte 1-2 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. JV§ 3L Leipzig, den 6, Jcmuar 184b« Inha lt. Studien. Die Opfer im mosaischen Kultus. Von Dr. L. Levysohn. — K r i tit en. Literarische Uebersichten. Porti ns, über den Ursprung der Begriffe. Ängezeigt von Fürst. — Hermann Iellinek. Nekrolog von Epstein. Threnodie von Ree.— Das französische Bibelwerk von S. Sähen. Kritisch betrachtet von L. Dukes. — Ankündigungen. Di Opfer . im mo sa i s ch e n K u l t u s. . Won Dr. L. Levysohn. ^Bruchstück aus einem noch ungedrucktem Werke.') §. i. Bchandlungsweise in^der Untersuchung der Opfer. Man kann, und dies geschah bis jetzt gewöhnlich, unfern Gegenstand von vier Gesichtspunkten aus betrachten. Die Mystik, die Typik, die Symbolik und die Philosophie dienten bis.jetzt' zum Leitfaden seiner Behandlung. Wir müssen daher hier den Gesichtspunkt angeben,' den wir bei unserer Untersuchung gewählt, und die Gründe, welche uns hierin bestimmt haben. Was die Mystik betrifft, so kann sie kein genügendes Organ für wissenschaftliche Forschung sein, denn in dieser ist vor Allem das. Gesetz, d. h. das von logisch - philosophischen Motiven begründete Denkgesetz, erforderlich, welches bei"d^r subjektiven WiUkühr mystischer Grübelei nicht der Fall ist und sein kann. Aaber auch die Typik kann nicht objektiv wissenschaftlicher Gegenstand sein, gleichviel wie sie m der jüdischen und in der christlichen Theologie sich ausgebildet hat; denn sie negiert.zwar nicht immer jenes Denkgesetz, aber sie geht nur zu oft über dasselbe hinaus, sie ist nicht weniger als die Mystik— unbeschränkt, will nur noch dieWorte *)*Hr. Dr. L. hat ein großes und umfassendes Werk über diesen sehr wichtigen. Gegenstand der hebräischen Alterthumskunde geschrieben^ das mir so eben vorliegt, und da dieses Werk vorläufig noch nicht. gedruckt wird, so erlaube ich mir die ersten 5 Paragraphen daraus als Probe mitzu-. theilen. ' Red. einiger christlichen. Gelehrten anführen , welche in folgender Weise die Typik verwerfen. Scholl bezeichnet sie als: eine alle historische Wahrheit unbeachtet lassende Znterpretationsmerhode"(Stud. d. Würtemb. Geistl. IV. i. S. 8) und Baehr drückt sich aus: Es ist kein Wunder, wenn bei einer solchen Deutungsweise die Typik überhaupt den Kredit verlor" — (Symbolik des mos. Kultus 11. S. 368). Es bleibt daher nur die Symbolik und die Philosophie übrig, und Beide vereinigt scheinen uns das Mittel gewähren zu können, die Opfer zu erklären und deren Natur zu verstehen. Eine vernünftige Symbolik kann nicht ohne Philosophie handeln, eine Wahrheit, die bei der Mystik niemals, bei der Typik nur dann anwendbar ist, wenn sie in gemessenen Schranken sich 'bewegt, was aber gerade bei den Opfern nicht der Fall ist. Wir werden später Gelegenheit haben, ihre Extravaganzen kennen zu lernen. Die Symbolik also sei das Kriterium unserer Untersuchung und die Philosophie der Leitfaden in ihrer Behandlung. §. 2. -; : Vom Ursprung der Opfer. Deutliche Nachrichten von den ersten Opfern wird uns Gen. 4, 3 ff. gegeben. Es war das erste Brüderpaar, von welchem ein Jeder nach seinem Stande das Beste, Köstlichste dargrbracht hatte. Nach den Nabbinen soll Adam schon geopfert Haben, denn die das. 3, 21 erwähnten Kleider von Häuten läßt vermuthen, daß jene Häute von geschlachteten und wie die Rabbinen meinen, von geopferten Thieren waren. (Vergl. den Komment. J'de Mosche zum Midrasch Rabba Gen. XX. 24.) Ob die ersten Menschen bei den Opfern sich des Feuers bedienten, kann nur vermuthet, nicht bestimmt werden; denn die Meinung'der meisten Ausleger, nach welcher Gott dadurch sein Wohlgefallen an dem Opfer Abels zu er-