Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1848)
- Date
- 1848-12-23
- Page
- Seite 408 (sequence 7)
- Language
- German
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408 der letzten Zeit dahin gestaltet, daß ein Verband derGesammtgemeinde lediglich für die Wohlthätigkeitsanstalten bestehen bleibt; die Kuttusangelegenheiten sind a u s de m \ elbe n a u s g e sch l o s s e n. Wir ehren den Sinn der hiesigen Gemeinde, der auch in der schwersten Zeit immer für die Armen bedacht ist; wir dürfen aber eben so wenig daran-zweifeln-, daß Viele mit uns die Nothwendigkeit fühlen, auch in dieser Zeit dafür zu sorgen, daß die in den letzten Jahren erworbenen Güter eines veredelten Kultus nicht verloren gehen. Wir rechnen dahin namentlich folgende bestehende Anstalten: 1) das dermalige zeitgemäße Rabbinat, 2) den Gottesdienst der großen Synagoge, Z) die Religionsunterrichts-Anstalt und 4) den Bcerdigungsverein vom Jahre 1614. Für die Erhaltung dieser Institute muß Sorge getragen werden. Nur ein enges Zusammentreten der Gleichgesinnten, d i e G r ü n d u n g e i n e r K u l t u sgemeinde, kann die Erhaltung derselben sichern. Diese Institute müssen der zu gründenden Kultusgemeinde in der Art untergeordnet worden, daß nur Derjenige von denselben Gebrauch machen kann,- welcher Mitglied der Kultusgelneinde von einem dieser Institute ist. Nur so kann einer gänzlichen Auflösung unserer religiösen Verhältnisse, mit einem verhältnißmäßig sehr geringen ^Kostenaufwand, der für notorisch Unbemittelte gänzlich wegfällt, vorgebeugt werden, lind zwar werden die Beiträge um so geringer sein, da drei der genannten Institute auch ferner, wie bisher, keines Zuschusses aus der Kultus-Gemeindekasse, höchstens eines sehr geringen, bedürfen werden. Es wäre überflüssig unfern geehrten Glaubensbrüdern die Dringlichkeit des Unternehmens, vor Augen zu führen, es wird ein Jeder das Bedürfniß fühlen, unsere Kultuseinrichtungcnxnicht der Regellosigkeit und der Willkür preisgegeben zu sehen. v Das Unterzeichnete provisorische Konnte von mehren Gleichgesinnten beauftragt, die nöthigen einleitenden Schritte zu beschließen, hat einen Statuten-Entwurf berathen und denselben dem Drucke übergeben. Dieser Entwurf kann bei Herrn Buchdrucker Leopold Freund unentgeldlich abgeholt werden. Wir laden daher sämmtliche Gleichgesinnte der hiesigen Gemeinde ein, namentlich alle Diejenigen, welche ihre Gesinnung bereits thatsächlich dokumentirt haben, und zwar alle Diejenigen, welche Stellen in der großen Synagoge haben, sämmtliche Eltern , deren Kinder die Religionö-Unterrichtsanstalt besucht haben oder noch besuchen, alle Mitglieder des Beerdigungs-Vereins vom Jahre 1844, ferner alle Andern, die sich in gleicher Gesinnung mit uns vereinigen, zu einer Besprechung dieser Angelegenheit in einer General-Versammlung am 17. d. M. Vormittags 9 Uhr im Saale des Cafe restauraiit zu erscheinen. .Das provisorische Konnte für Bildung einer hiesigen jüdischen Kultus-Gemeinde. Im Aufträge: Günsburg. Zn diesem Aufrufe und zu dem dadurch zu erstrebenden Kultus sind mir noch einige Worte hinzuzufügen. Der Kultus, es sei der Geiger'sche oder Tiktin'sche, d, h. die Kosten des doppelten Rabbiuats, der doppelten Synagogen mit allen Dienern bleibe Sache der freien Vereinigung und dürfe nie zur Gemeinde-Verwaltung gehören. Die große Synagoge und alle religiösen Institute, wenn sie nicht Eigcnthum der Gesannutgemeinde sind, müssen von jeder Kultus-Gemeinde aequirirt werden können. Freilich wenn der hiesige Gemeinde-Vorstand sich zu einem solchen Standpunkte erheben könnte, wo, wie beim Staate, beide religiöse Parteien ihre Befriedigung finden, so wäre es gewiß besser, allein dazu ist jetzt keine Aussicht. Wien, 28. Nov. Was Niemand ahnte, ist geschehen! Hermann Jellinek, der gute Denker, in dessen kritischem Geiste eine Masse von großen Ideen sich abspiegelte, ist erfet;offen! Was ihm den Tod zugezogen? Nicht das Schwert, fonbern t»te Feder; nicht die rohe That, sondern der freie Gedanke. Und die Macht der Idee dies möge Sie trösten — verlieh ihm einen staunenöwerthen Muth bis zum lctzteu Hauche seines jungen Lebens. Er konnte fliehen, that es aber nicht, da er sich keines andern Vergehens bewußt war, als seine Ueberzeuguug.uiedergeschriebeu zu haben. Die Begeisterung des Jünglings brachte er in sein Gefängnis', der Ernst des Mannes begleitete ihn zu. feiner Richtstätte. Fm Verhör sprach er kühn, wie er war, seine Ideen aus, und die Aussprüche der Wahrheit im Munde des blaffen Jünglings mit den feurigen Augen erschreckten seilte Richter so sehr, daß ihm mit S t o ckstrc ich en gedroht wurde, wenn er seine Sprache nicht mildere. Das Todesurtheil brachte ihn nicht aus der Fassung. Die dreizehn Stunden, die zwischen seinem Urtel und seinem Tode liegen, sind noch reicher an großen Momenten, als die 25 Jahre seines Lebens. Ja ein tragischer Humor waltete in seinen letzten Worten', die von der Unbeugsamkeit seines Wollens zeugten. Eines schmerzte ihn tief, daß er nämlich seine philosophischen Ideen mit in das kalte Grab nehmen mußte! Sein in der Hegclscheu Schule gebildeter Geist und seine scharfe Kritik wußte noch eine Kategorie für seinen Tod anfzufi'ndcn. Als H — r ihm seine Theiluahme bezeigen wollte, antwortete er ihm:' ,, Lieber Freund, mein Geist'ist heiter. Ich hoffe, mein Körper wird mir keinen Streich spielen. Meine Sache, ist besiegt. Es ist daher ganz in der Ordnung, daß ich falle/' — Aigner, der in einem anstoßenden Gesang-