Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 51 (16.12.1848)
- Date
- 1848-12-16
- Page
- Spalte 791-792 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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791 Kritiken. Geschichte und Literatur der Samaritaner. ' 792 deren Abfassung um .die Zeit Christi gesetzt wird. Vorläufig wird hier S. 58 f. aus eine Sammlung von zehn kleinen , aber sehr interessanten arabischen Schriften aufmerksam gemacht, welche eine Hdschr. des Königl. Instituts zu Amsterd. enthält (s. Weijers, calal. codd. Orient, qui in Mblioth. Insliluti Regii Amslelod servantur S. 48 ff.), und die Hr. I. demnächst zu ediren denkt. Die Handschrift befaßt zwei Schriften über Grammatik der samarlt. Sprache, masoretische Regeln für das Lesen des Pentateuch, einige exegetische Traktate (Midrasch-artig, wie es scheint), ein dogmatisches und ein ethisches Merkchen. Wir.sehen der Herausgabe dieser Stücke mit Verlangen entgegen, und fügen den Wunsch hinzu, daß auch die Übersetzung des Abu Said mit den Scholien und die Chronik des Abulfatch ihren Herausgeber finden mögen. Das S. 62 Anm. 1 Gesagte, beruht lediglich auf einem Dtißvecständniß. Benjamin Tudela will in seiner witzelnden Bemerkung über d.ie Samaritaner gar nicht behaupten, daß dieselben die Buchstaben n, N und y in ihrem Alphabete nicht hätten, sondern nur, daß-sie diese Gutturallaute nicht (richtig) aussprechen, was ja seine Wahrheit hat und wodurch die maßlose Verwechselung derselben in ihrer Sprache bedingt wird. Dasselbe Mißverständniß findet sich in Winer's rabb. Ehrest. S. 26. Den Rest des Buches von S. 68 —168 nimmt der zweite Theil ein, die eigentliche Geschichte der Samaritaner enthaltend, wie wir sie nirgends so vollständig und mit so sorgfältiger und erschöpfender Benutzung der Quellen zusammengestellt gefunden haben. Es ist zuvörderst alles benutzt, was die jüngeren Bücher des A. T.'s, namentlich Efta und Nehemia für den Zweck hergeben , wozu dann bald auch Josefus als wichtigere Quelle kommt. Scholl hier gab es einige schwierige Fragen zu erörtern, vor allem die über den samaritanischen Kultus und die Erbauung des Tempels auf dem Garizim. , Hr. I. entscheidet sich schließlich dafür, daß die Nachricht des Josefus von dem vertriebenen jüdischen Priester Manasse auf der einen Seite und die des Nehemia 13, 38 auf der andern Seite auseinander zu halten seien. Zu Nehemia's Zeit seien einige Priester nach Sichem ausgewandert und in Folge dessen sei dort allerdings sm den jüdischen Kultus etwas geschehen, auch wohl bald ein kleineres Heiligthum gebaut; die feierliche Einrichtung des Kultus auf dem Garizim und der Bau eines glänzenden Tempels sei dagegen erst beinahe ein Jahrhundert später durch Manasse veranlaßt worden. Obwohl dies Resultat gewiß nicht für unzweifelhaft erklärt werden kann, so müssen wir doch hinzufügen daß Hr. I. die Schwierigkeiten nicht übersehen, und daß er sich Mühe gegeben hat, sie zu entfernen. — Was den Krieg unter Hadrian betrifft, so findet es der Vers. wohl mit Recht wahrscheinlich, daß die Samaritaner damals mit den Juden gemeinschaftliche Sache machten (S.1Z4). Für die Zeit unter den späteren Kaisern werden die Chronik des Abulfatch und das Buch Josua wichtige Quellen, die aber freilich mit vorsichtiger Kritik -gebraucht werden miiffen. Der Vers. geht hier in seinen Kombinationen bisweilen etwas weit, , obwohl wir ihm im Allgemeinen den richtigen kritischen Takt für die Ausbeutung dieser trüben Quellen nicht absprechen mögen. Schließlich verfolgt er die immer dürftiger werdenden Nachrichten über die immer mehr zur Unbedeutsamkeit herab sinkende Sekte der Samaritaner bis auf die neueste Zeit. Nr. 3. Auf diese Abhandlung sott hier bei Anlaß der angezeigten beiden größeren Arbeiten über samaritanische Geschichte nur kurz, aber geflissentlich Angewiesen werden, weit sie sich, unter einen ganz allgemeinen Titel gestellt und mit ganz ungleichartigen Aufsätzen zusammengcceiht (denn das Heft enthält noch einen übrigens interessanten Aufsatz von H. Ko pp über den Verfall der Alchemie und die hermetische Gesellschaft und einen andern über Herkunft der gemalten griechischen Vasen von Dr. Osann), der Aufmerksamkeit der Betheitlgten leicht entziehen kann. Hr. Dr. Knobel behandelt darin die Frage über den Ursprung des samaritanischcn Volkes, ob dieses nämlich, wie man in neuerer Zeit fast allgemein angenommen (vgl. jetzt auch Ewald Gcsch. Jsr. III, 1 S. 318), aus einer Mischung der von Salmcmaffar im Lande zurück'gelasfenen Einwohner und der nenangesiedelten Kolonisten entstanden sei, oder nur von solchen heidnischen Kolonisten abstamme, wobei eine Wegführung aller israelitischen Einwohner anzunehmen. wäre. Diese letztere Meinung ist bekanntlich von H e n g stc n b erg in den Beiträgen zur Einleitung wieder ansgcfnschworden, mid gegen seine Beweisstellung ist Hrn. K.'s Abhandlung gerichtet, wie auch der betreffende §. inJuy.nb.'s Commentarii in bist. Samar. S. 23 f. ausdrücklich auf die Widerlegung Hengsten b erg s bedacht ist. Für imö ist kein Zweifel auf welcher Seite der Streitenden das Recht sei. Schon der Umstand allein spricht fast entscheidend für die erstere Ansicht, daß nicht lange nach der durch Salmanasser herbeigeführten Katastrophe ein assyrischer König sich bewogen findet, Jchovapriester in das Land zu schicken (2 Kön. 17, 26. 17). Es ist mcht wohl denkbar, daß Esarbaddon dabei im Sinne hatte, die nach Samarien eingeführten Heidm zur Jehova-Religion zu bekehren, sondern cs setzt dieser Akt nnzweifcthast ein Bedürfniß und zwar ein drängendes Bedürfniß dieser Art und folglich das Vorhandensein von Israeliten im Lande Samarien voraus. Vgl. auch die angef. Stelle V. 35 ff. Daß sich solches Bedürfniß nach Jehova-Verehrung bei den heidnischen Kolonisten fühlbar gemacht haben sollte, zumal wenn sie allein das Land bewohnten, ist eine Voraussetzung Hcngstenberg's (Beitr. I, 179), die ganz und gar in der Lust schwebt.