Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 51 (16.12.1848)
- Date
- 1848-12-16
- Page
- Spalte 789-790 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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789 Kritiken. Geschjchte und rechter Darstellung, sondern mehr gruppenweise- und bisweilen fast aphoristisch auseinander fallend. > Gleich im ersten Theile kommen einige bedeutende Streitfragen zur Sprache. Die über den Ursprung des Volkes der Samaritanern wird unten bei der Schrift Nr^ 3 in Betracht kommen. Die geographische Untersuchung über die Gegenden, wohin die eMirten zehn Stämme verpflanzt wurden, führt Hr. S. 25 ff. Er schließt sich der Meinung B och art'^ an, welche neuerlich auch Ewald (Gesch. des Volkes Israel Hl, 1. S. 318) mrd Graut in der Schrift Liber die Nestorianer angenommen haben, daß nämlich die 2 Kön. 17, 16 und 1 Chron. 5, 26 bezeichneten Wohnsitze der E.rilirten nicht in Mesopotamien an dem bei Circcssium in den Euphrat mündenden Chaboras, sondern an dem Chaboras, der weiter nördlich oberhalb Ninive von NO. her in den Tigris strömt, zu suchen seien. Die Meinung hat Manches für sich, ja die heut zu Tage dort wohnenden Jaden halten diese Gegend sogar für den Schauplatz der Thätigkeit des Ezechiel rmd beziehen daher auch den Namen -p2 auf diesen nördlicheren Chaboras. Mag letzteres auf irriger Tradition beruhen, so paßt dagegen Strabo'ö Kcdüxrivr] nur jtt einem nördlichen n^n, lst also von Gesenins u. A., die sich für den Chaboras Mesopotamiens entscheiden, mit Unrecht herbeigezegen, wogegen Hrn. J.'s Vergleichung von rav^avittg ebenso verkehrt ist, da es in Mesopotamien zu suchen ist und also zu seiner Ansicht nicht paßt. Einem nördlichen pij würde nur etwa die von B ocharst u. A. angezogcne medische Stadt rav^avlcc entsprechen, obwohl sie nicht an einem Flusse lag. Mißlich scheint mir es auch, wenn Hr. I. auf Grants Zozan soviel Gewicht legt, welches nach des Letztern Angabe bei den dortigen Nestorianern ,,Weidegegend^ bedeuten soll; denn Zozan (]m) ist nicht ohne weiteres — ^, und gar nicht als Nomen proprium nachgewiesen, sondern Appellativ. Wenn wir annehmen, daß Grant, der bei seiner Jagd ans die zehn Stämme etwas zu eifrig war, sich nicht getäuscht und nur etwa Zozan stattSozan gehört hat, so ließe sich dieses Wort mit dem pers. (sabz) Tiridis und herba, zusammen bringen, nach ähnlichen in den persischen Volksdialekten vorkommenden Kontraktionen, z. B. kurd. ziori (supra) von pers. zabar, koter (Taube) von kabuter; dieNestorianer sprechen das oiAaj noschch aus. Hr. I. giebt aber weiter auch der Behauptung Grants Raum, daß in den heutigen Nestorianern die wirklichen Ueberrcste der e.rilirten zehn Stämme zu erkennen seien. Ohne leugnen zu wollen, daß in dortigen Gegenden und vielleicht auch unter dm Nestorianern Nachkommen jener Israeliten sein mögen, können wir dochder Meinung Grant's in ihrer exklusiven Form Literatur der Samaritaner. nicht Raum geben Md Noch weniger seine Beweise-gelten lassenwelche Ht. I. sämmtlich bona fide acceptiet. Diese sind aber zum Theil ganz nichtig, zum Theil beweisen sie zu viel lind somit nicht gerade das, was sie beweisen sollen. So ist z. B. auf die Benennung Nazaräer, die sie unter sich bei ihren Nachbarn haben, weiter kein Gewicht zu legen, denn Nesrani ist bei den Arabern der allgemeine Name eines Christen. Daß sie oft alttestamentliche TtNlfnahmm führen, beweist ebenfalls nichts, denn einmal würde dann folgen, daß auch den abendländischen Christen ein starker Antheil an der Abkunft von den zehn Stämmen gebühre, und zweitens haben die Nestoriauer auch viele Namen anderer Act. Die strengen Fasten haben in ganz ähnlicher Weise die armenischen und andre Kirchen. Die sabbat-artige strenge Sonntagsfeier haben wir ebenso in manchen Abendländern und die habbessinische Kirche feiert gar den Sonnabend neben dem Sonntag als Sabbat. Gelübde kommen in der ganzen Christenheit vor und in andern Religionen nicht minder. Den Zehnten und eine Art Opfer (best Todtenopfer) hat auch die armenische Kirche. 1 Grant sagt: ,, doct habe dies einen ganz andern Ursprungs; aber hier soll ja eben der Ursprung aus dem Judenthum oder vielmehr aus dem Kultus der . zehn Stämme erst erwiesen werden. Die Nestoriauer sind in Stämme getheilt, die freilich andere Namen führen als die israelitischen, als wenn dies etwas anderes wäre, wenn sich ihre Nachbarn die Kurden, die Araber u.s. w. in Stämme theilen. Grant findet auch ihre socialen C'inrichtungeu patriarchalisch; aber ist das bei den Beduinen und bei den Tataren nicht auch der Fall? und müßten sich ihre Einrichtungen nicht vielmehr an die israelitischen, wie sie sich seit Salmanasar gestalteten, anschließen? Sie haben die Blutrache! aber darum könnten sie ebeuso gut ursprüngliche Kurden oder sonst was sein, zumal die Blutrache in der späteren Zeit des A. T.'s ganz zurücktritt. Dazu kommt, daß bei ihnen keine Spur der Beschneiduug ist, die doch bei den koptischen und habesinischeu Christen als Merkmal ihrer Abkunft geblieben ist» Ueber die Orte, woher die Kolonisten kamen, welche von den Ässyrern nach Samarien verpflanzt wurden, läßt sich der Vers, in keine ausführlichere Untersuchung ein. Desto vollständiger ist der Nachweis der zerstreuten Wohnplätze von Samaritanern in Syrien und Egypten und später in Rom und Koustantiuopel, sowie von den Ueberresten derselben in neuerer Zeit (S. 37—54). Der letzte §.7 des ersten Theits soll eigentlich noch Vorbereitung auf den zweiten Theil sein, indem er cmgiebt, „quid de relms suis ipsi Samaritani scripserint“; doch betrisst der §. nicht etwa nur die historischen Schriften, sondern die gesammte Literatur der Samaritaner von der sannu. Ueberfttzung des Pentateuchs cm, 51 *