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Der Orient · 1848-12-16 · Heft 51 (16.12.1848) · p. Seite 402

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 51 (16.12.1848)
Date
1848-12-16
Page
Seite 402 (sequence 11)
Language
German
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— 402 vermögend bin, noch über alte, Reflexionen anzustellen gedenke." Sein Aussehen verrieth viel Aufgeregtheit des Geistes, seine Bewegungen im Zimmer waren rasch, als wollte er. die kurze Zeit seines Lebens noch mit ernstlicheren Dingen benutzen und forderte von seinen Vorgesetzten die baldige Gegenwart von N. N. und die Erlaubniß einige Briefe zu schreiben. Nach kurzer wehmüthiger Betrachtung verließ ich den Deliqucnten. Am 23. des Morgens halb 6 Uhr fand ich mich bei ihm ein, da ihm eben das Frühstück vorgesetzt ward. Heute nahm er mich' viel freundlicher und liebevoller auf. Er erzählte mir ganz flüchtig, daß er in Prag studirt habe und gab mir überhaupt einen kurzen Umriß seiner literarischen Thätigkeit. Seine weiche Stimmung bei der größten Heiterkeit des Geistes veranlaßt mich mehrere Fragen über die Angelegenheiten seiner Familie zu stellen, die er mit Bereitwilligkeit beantwortete < und ertheilte mir noch mehrere Liebesaufträge für dieselben. Er schweifte gerne von einer Idee zur andern ohne konsequente Richtung, sah dabei oft unwillkürlich nach dem Fenster, um dem anbrechcndcn Morgen — dem Verkünder seiner letzten Lebensminute gleichsam nachzuspähen und gestand mir hierbei, daß er seinen Geist stärker als seinen Körper fühle; indem, ersterer die vollkommenste Ruhe genieße, während den letztern eine gewisse Mattigkeit zu überfallen schien, die er mit Kraft zu überwältigen suchte. — Er vermochte nicht etwas Nahrung zu sich zu nehmen und trank in Tropfen in dreivkevtel Stunden kaum einen halben Becher Kaffee's. Von Spin o z a war er ganz begeistert und stine Philosophie Hatte7 er mit Wärme absorbirt. Die Welt schien ihm die Gottheit, so wie jene 'düse zu sein. Sein besonderer Trost lag ganz in der Idee, für die W a h rh e i t überhaupt zu sterben und als ein Zoll der Freiheit für seine Nation entrichtet zu werden. Luther'-s Anschauungen eines Jenseits wünschte er wohl noch zu lesen, weil sie ihm eine reichliche, erhabene Phantasie darbot. Seine Reden folgten unter ungleichen Pausen, doch fließend, seine Stimme war weich und schmiegend.; er war fähig über jeden Gegenstand ruhig nachzudenken; er schied merklich seinen politischen Akt von jedem religiösen Einflüsse. Man sah deutlich,. wie die Seele aus ihrer irdischen Hülle hinauszuarbeiten sich bestrebte, und daß die Kraft belebter als die Maschine war. — Brand eis. 2. Herrn I. L. Jellinek in Ungarischbrod. Werthestcr Herr! Ich habe die traurige Pflicht übernommen, mit Ihrem Sohne die letzten Stunden seines Lebens zu theilen und ich kann Ihnen die beruhigende Versicherung, geben, daß er als ein wahrer Philosoph sich benommen und ohne Furcht dem.Tode entgegen sah. Er hat mir aufgetragen, Sie in seinem Namen herzlich zu grüßen und Ihnen alles das zu sagen, worüber wir in dem scheidenden Moment so ernst und angelegentlich gesprochen, um Ihnen wahrscheinlich hierdurch den Beweis zu geben, wie hell und rein sein Geist blieb. , Ich erwarte bald, daß Sie alles dies in den öffentlichen Blättern werden lesen können. Mit Achtung ergebenster A. Branders. Wien am 27. Nov. 1848. Zum Schlüsse die Notiz, daß Hermann Jel limrek, Mittwoch 10. Schebat 5583 a. m. geboren ist. Soll dre Emancipation der Juden Überhaupt blos theilweise vor stch gehen? Soll die Emancipation zwar vollständig, aber in Rücksicht auf die Verhältnisse nur schrittweise geschehen? d (Fortsetzung.) Noch weniger glücklich ist die preußische Negierung in Auffindung der Gründe, welche die Unfähigkeit der Juden zum Abtassen vom Handel erklären sollen. Sie nennt die Sabbatfeier mit» die Speiseverbote. Es wird erlaubt sem^ sich hiergegen.aus das Zeuguiß der preußischen Militärverwaltung zu berufen. Dabei ist zu bemerken, daß es stch hier vorzugsweise um die niedere Schicht der jüdischen Bevölkerung handelt, indem bisher in Preußen (mit Ausnahme der Zeit der Freiheitskriege) den Juden Offiziers stellen nicht eiugeräumt wurden. ,,Was die Erfahrungen" , heißt es in dem Berichte, „über den Einfluß der Religionsgebräuche der Juden auf den Militärdienst, also das Halten der Sabbate und Festtage-, ihre Ritualgesetze und Ceremonialvorschriften betrifft, so gehen die Urtheile der Generalkommandos hierüber ganz übereinstimmend dahin, daß hieraus kein Nachtheil für den Dienst entstanden sei." Nirgend ist religiöser Reibung gedacht. Beim zweiten, vierten und siebenten Armeekorps ist vielmehr noch insbesondere bemerkt, daß die jüdischen Festtage, Gebrauche und Religiousbegriffe den Anforderungen des Dienstes stets willig nachgesetzt sind. Das Generalkommando des fünften Armeekorps hebt hervor, wie die jüdischen Soldaten sich ganz der Lebensweise ihrer christlichen Kameraden . hmgegeben, und beim sechsten Armeekorps wird speciell erwähnt, wie die jüdischen Gebräuche selbst beim

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