Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1848)
- Date
- 1848-12-02
- Page
- Seite 383 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 383 Horden einsetzen, denen sie, nachdem diese Behörden der Regierung ihre Befähigung darbieten , auch wieder die Macht giebt, auf gutem besonnenem anbahn ende m Wege das Einzelne zu ordnen, dann zum Größern überzngchen, dann kanns werden, denn bei allem unbedingten Respekt vor der Freiheit des Einzelnen, den ich besitze, kann ich doch nicht umhin zu gestehen, daß diese Freiheit in eine Willkür zerfahre, wenn ihr die innere Befähigung mangelt, und diese mangelt der großen Menge der Juden durchaus, wodurch das Judenthum früher so groß dastand, durch die Wissenschaft, die Ln jedem Einzelnen repräsentirt ward, das geht ihm jetzt durchweg ab, und Gott bewahre uns vor der Reform, die von Unwissenden ausgeht, denn da fehlt Ausgang und Zielpunkt. — Oder es sind die Wortführer bei solchen Reformen Männer, deren zersetzender, ätzender, nivellirender Ultrarationalismus und Radikalismus uns mit eisiger Kälte anweht., uns das Warme im Religiösen erstarren macht. Möchten Sie ein solches kaltes Judenthum, bei dem, wie in einem Herbarium, sehr viel zu lernen und zu studireu wäre, aber schade, das warme, lebende Herz fehlt?l Am 3. Oktober. Jüngst bekam ich von Frankfurt a. M. ein gedrucktes Schreiben, worin ich zu einer v orberathend en V er s amm lung zum 23. Oktober d. I. Ungeladen werde und wozu also zu einer Synode augebahnt werden soll. Da haben Sie es! Sind wir Juden nicht die wahren Modeaffen der Zeit? Also auch ein vorberathendes Parlament, und es ist mir gar nicht leid, daß auch aus ihm ein Hecker und Struve hervorgehen werde, die da meinen, ihr Pu lösch lag sei der Puls schlag der Welt! — Ich werde nicht Hinreisen, denn Sie kennen ja das Sprichwort: Wenn die otid tanzen, wer zahlt die Musikanten? Vor Allem fehlt mir fca§: Geld zu einer so kostspieligen Reise; dann auch die Lust, weil ich mich nicht mit dem Gedanken befreunden kann, daß.bei der inuern Zerfahrenheit, die unter den Juden so vorwaltet, und die durch nichts äußeres gehemmt wird, ein ersprießliches Resultat erscheint. Es wird wieder schön und kühn gesprochen werden, — und was dann? Oder soll eine Rcichsvcrfassung für die deutsche Judenheit geschaffen werden? Wer sübrt sie aus? Jeder Vorsteher oder vielmehr jedes Mitglied ist u n v e r a n t w o r t H cher Souverain , nnt> die h t mm lisch e Miliz sympathisirt wahrscheinlich mit uns hienicden , wenigstens dürste ich nicht sehr aus ihre Gunst rechnen, seitdem ' ich sie nicht sehr honorire, denn ich habe alle Gebete an die ti'mbü abgeschafft, so nicht blos die njppn'D"!lp psn sondern auch die O'ON-, WX>, die nunn am Schluffe ber mr^D, die Gebete zwischen den 5MNp u. dergl. m., so daß ich mit den Herren auf gespanntem Fuße stehe, auch soll diesmal zum ersten Mal das seinen ehrenvollen Abschied erhalten, und statt seiner der 103. Psalm in derselben Melodie fast vorgetragm werden. Daß ich auch außer rfü bl die ü'xm by nicht bei min sagen laffej glaube ich Ihnen schon früher ein Mal geschrieben zu haben.— Dr. Klein. In meiner jüngsten Mittheilnng versprach ich auch Ihnen über die Verhältnisse der Gemeinden zu berichten. Es ist indessen jetzt gar nichts darüber zu sagen. Das Gesetz vom 23. Juli ward nicht zur Ausführung gebracht und es herrscht nun wieder btc ganze frühere Uns. ordnung. Jede Gemeinde bildet einen Staat für sich und hat ihre eigene Verfassung, ihren eigenen Minhag und ihre eigene Kultusordnung. Es ist wahrhaft kein Wunder, daß unter den Demokraten so viel Juden sind, da daS: Jeder thut was ihm recht, nun schon so lange bei uns gilt. Was dabei jedoch sehr leidet, ist die jüdische Schule. Hr. Wedell in Anklam hat jüngst treffliche Worte darüber geschrieben, doch wer hört jetzt darauf? Nun hoffen wir aus den der gesprochen: Und die Worte, die ich in deinen Mund gelegt, sollen weder von dir noch von deinen Nachkommen weichen; es ist vorläufig alles was wir thun können. Welmy. Berlin, im Nvbr. Naturhistorisches über die Juden. Als ein Kuriosum in unserer Zeit der Freiheit und Gleichheit verdient gelesen zu werden, was in dem so eben erschienenen Anderthalbmonatshest der Cottascheu „Vierteljahres-Schrist" ein Herr A. Escherich (allem Anschein nach ein Schwabe) ,,über die Juden-Emaneipationsftage von: u atnrh istorisch en Standpunkte" sagt. Herr Escherich deducirt nämlich sowohl aus der Naturgeschichte des gesummten ,,Judengeschlechts", als aus der anatomischen Beschaffenheit jedes einzelnen Juden, daß sich die Judenheit zu den übrigen Menschen, mit Einschluß der Neger und Tschuwaschen, wie das Unkraut zu dem übrigen Pflanzenreiche verhalte. Es ist . zu bedauern, daß diese wichtige Entdeckung nicht früh genug gemacht worden, 'um ihren Platz noch im ersten Bande von Hnmboldt's,,Kosmos" zu finden, wo alle großen, das Gebiet der Natur- und Menschenkunde erweiternden Beobachtungen verzeichnet sind. Herr Escherich beweist seinen Satz namentlich ans dem Umstande, daß, während alle Völker der altenWelt 'untergegangen, das jüdische allein alle Stürme und Drangsale der Jahrtausende übcrstanden habe und heutzutage noch in der Zerstreuung viel zahlreicher sei, als zur Zeit seiner größten Blüthe unter David und Salomon. Das hat natürlich keinen anderen Grund, als die allbekannte Erfahrung : ,,Unkraut vergeht nicht". Ferner haben unter Anderem die bekannten Messungen der verschiedenen Körperverhältmsse, die der Akademiker Schutz in St. Petersburg angestellt, ergeben, daß, während bei allen Völkerschaften und Raeen die Ktafterweite — d. h. die Entfernung der teibm Mittelfingerspitzen von einander, bei gerade ansgestreckten Armen — die Kör- 49 *