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Der Orient · 1848-12-02 · Heft 49 (2.12.1848) · p. Seite 382

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 49 (2.12.1848)
Date
1848-12-02
Page
Seite 382 (sequence 3)
Language
German
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- 382 — sich auch hier der Satz : Die Freiheit der Juden hangt mit der allgemeinen Freiheit auf's innigste zusammen. Strauß scheint sich übrigens überlebt zu Haben. Aus Pommern, im Nvbr. Wenn ich fast in einem vollen Jahre Ihrem, geschätzten. Blatte keine Mittheilung gemacht, so mögen Sie nischt in Mangel an Theilnahme für den Orient. die Veranlassung suchen, sondern in dem stürmischen Drange der Zeiten, welcher unfern ganzen Geist beschäftigt und die sonst so wichtigen Fragen in bcn Hintergrund drängt. Zudem ist ja jetzt der Emaneipationskampf beendet und es bleibt nur noch das Vorurlheil des hohem und niedern Pöbels zu besiegen, was indessen wohl nur der Zeit gelingen wird. — Doch es ist allerdings noch eine der wichtigsten Fragen ungelöset, und zwar die über das Sein oder Nichtsein des Judenthums. Wird das Judenthum, welches sich in der Zeit der Bedrohung und Abschließung konsolidirt, fallen in der Zeit der Freiheit und Verbindung mit den Bekennern anderer Religionen? Die Antwort hierauf liegt sehr nahe, das Judenthum des kann sich nicht halten, wir sehen ja auch täglich sich die Reihen seiner Anhänger lichten, wo aber finden wir das Judenthum der Freiheit? Ist es der Nihilismus der Berliner Reformgcnossenschast mit ihrem langweiligen Gottesdienst? oder sollen wir das Judenthum der Freiheit in der projektirten deutschen Nationalkirche suchen? Eine jüdische Nationalsynode wird es uns gründen, höre ich Ihre Leser rufen! Auch ich träumte von einer Synode, wenn auch nicht National-Synode, mein Freund Dr. Klein in Stolpe schrieb mir darüber jedoch so vieles treffende, daß ich von dieser Erwartung zurückgek'ommen. Ich glaube den Lesern des Orient einen'Gefallen zu erzeigen , wenn ich das Schreiben hier mittheile, hoffend, daß der geehrte Schreiber mir nicht zürnen werde, daß ich seine trefflichen Worte veröffentliche. Stolpe , 1. Oktober. Das neue Jahr ist mit Gottes Hilfe glücklich eingetreten, und ich hoffe von Gottes allwaltcnder und gütiger Fürsehnng immer nur das Beste,, da§ tröstet, stärkt und erhebt mich jederzeit, die jetzige Zeit ist eine schwere und schwüle, aber Gott wird alles zum Guten lenken. — Die Ereignisse des Tages stürmen und drängen jetzt so auf das Gemüth ein, daß man kaum die Geduld behält darüber — zu schreiben, ich möchte sehr gern mit Ihnen darüber sprechen. — Ihr vorletzter Brief hat so manche Ideen in mir angeregt, aber ich gestehe es mit Bedauern, durch die Zwischenzeit ist wieder manches in mir verwischt. Daß die Weltgeschichte in ein neues Stadium getreten, erkennt jeder; daß eine Krisis uns allen bevorstehe, sehen wir, gebe Gott, daß )vir sie glücklich überstehen, es gefällt mir nicht alles, was geschieht, glauben Sie nicht,' daß ich eine falsche Färbung von der Sache habe, aber als ein Freund der Geschichte, da ich sie mit Liebe betreibe, finde ich so viel schon vorgekommmes und vernnglücktes in den neueren Bestrebungen , daß ich weniger von der Reaktion fürchte (denn diese würde sich nie siegreich mehr hatten können) als von dem Ueberstürzen der Vorwärtsschreitenden.. Nie fand ich das Wort Göthes so wahr, als jetzt r Alle Theorie ist. grau, nur .grün des; Lebens golduer Baum; dies wird sich besonders praktisch zeigen bei dem Widerstreite der Praxis und der so schon klingender Theorie der Trennung der Kirche vom Staate, und der Schule von der Kirche. —- Wenn wir Juden speeiell bei der Feststellung des Prinzips nur gewinnen können, so glaube ich doch sehr schwer an einen in der jetztzeit heilsamen Erfolg dieser Maßregel, vielmehr dürfte das Zerwürfniß und das theilweise Auseinandergehen des bisher ohnedies so lockern Bandes nur noch greller und schreiender hervortreten. Daß es spater, wenn erst wieder die ruhige Besinnung und Besonnenheit znrückkehrt, besser wird, dessen bin ich gewiß, denn es mußte einmal die rohe ä u ß er e Gewalt, die allein uns zusammen halten wollte, der Macht des freien Geistes weichen, aber die Wehen der Zeit werden auch uns ergreifen. — Die politischen Errungenschaften . für uns Juden in Preußen wenigstens scheinen mir. gesichert zu sein, was aber mit den geistigen wird, das weiß Gott, doch bange wird mir doch nicht, weil ich eben die Geschichte des Judenthums (nicht der Jndenheit) an meinem Geiste vorübersühre und finde, wie all die Stürme von Außen ihm nichts anhaben konnten. Allein in den Synoden, Nationalsynagogen und wie die Schlagwörtcr des Tages heißen mögen, erkenne ich einzig und allein nur.den Wind, der jeden Sturm begleitet, ich muß lachen, wenn ich an eine Nationalsynagoge denke, mir kommt nichts lächerlicher vor, als wenn mau das Himmlische imt> ®ungs freie, das dem Geiste der ganzen M e u seh heit angehört, an ein irdisch nationales politisches bannen will, aber es ist eben das Kinderspiel, das nur nach Namen für ein Namenloses hascht, ich möchte einer Nationatsynagoge gegenüber gerade sagen nrh '»nynJ n*? 'il W). Sie fragen mich etwa, wie es denn werden soll? Aber ich frage Sie, denken Sie sich eine Synode, wie sie unser sich Judenpabst dünkender N. N. und Compagnie aufs Tapet bringt (nachdem Nabbinerversammlungen u. dergl. nicht mehr ziehen wollen), wobei Krethi und Plethi das Wort nimmt (und gewiß bleiben die besten Kräfte aus, weil ste den Wind fühlen) — ein polnischer Reichstag ist dann ein griechisches Aeropag dagegen! Was wird da schablvnirt, was würden da für Jndenthinner zur Welt kommen! Eine jede Gemeinde ein Krähwinkel von kaum pjD werden Reformen Vorbringen Erp Dü])1? "VrGijn nn Und es fehlt daun nichts als ein theologischer Reichs Verweser und die Nationaljudenheit ist fertig.? — Aber wie das? fragen Sie, und ich sage, Lasset erst die Negierungen zur Besinnung und Einsicht konunen, daß sie Be-

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