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Der Orient · 1848-11-26 · Außerordentliche Beilage zu Nr. 48 (26.11.1848) · p. Spalte 5-6

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
Außerordentliche Beilage zu Nr. 48 (26.11.1848)
Date
1848-11-26
Page
Spalte 5-6 (sequence 3)
Language
German
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6 5 Studien« Ueber gefunden, so will ich seine Worte hier anführen: „Der letzte Grund der Benennungen in allen Sprachen ist dunkel; die Brücke, welche die ursprüngliche Anschauung des Menschen mit dem Worte verbindet, welches dieselben dafür bestimmt haben, ist für uns abgebrochen. Die Urbedeutung eines Wortes war nicht immer diejenige, die heute das Wort hat; man darf hierin aber nicht zu.weit gehen, man muß sich in einer gewissen Grenze halten". In allen Sprachen giebt es Wörter, deren Urbedeutung nach den Ansichten der verschiedenen Zeitalter attmälig Veränderungen erlitten, so daß man jene kaum wieder erkennt. Um ans der deutschen Sprache nur ein Beispiel anznführen, so ist ein Schimpfwort jetzt eine Injurie; ursprünglich war eS nichts anders, als ein Scherzwort, welches -Niemanden beleidigte, sondern vielmehr erheiterte. Im Lateinischen war Yirtus ursprünglich Tapferkeit, Männlichkeit, später bezeichnete man eine ' jede Tugend damit. Und so könnte man unzählige Beweise für diese Thatsache anführen. Um nun bei den Wörtern stehen zu bleiben, welche Macht bedeuten, seist es ganz natürlich, wenn deren Bedeutung im Laufe der Zeiten eine solche'Modifikation erlitten, daß mau sich etwas Böses, Verwerfliches u. dttgl. dabei denkt; die Menschen sind gar zu sehr geneigt, ihre Macht zu mißbrauchen, der Schwächere ist gar zu sehr geneigt, dem Gewaltigen einen Mißbrauch seiner Macht vorzuwerfen, als daß beide Begriffe lange von einander getrennt fein könnten. Wörter, die ursprünglich, nur einen Gewaltigen, einen Machthaber bedeuteten, bekamen gar zu bald aus den angeführten Gründen einen Übeln Geruch. Die Wörter Tyrann, Despot re. sind schlagende Beweise hierfür. Der weise Periander, der-edle Gclon, der feingebildete Pisistratus waren Tyrannen d. h. Alleinherrscher, und dabei die besten Fürsten; jetzt ist ein Tyrann etwas ganz anderes. Vor einem Jahrtausende, oder auch nur vor mehreren Jahrhunderten durfte man sagen, das höchste Wesen sei der Despot deS Weltalls, jetzt wäre es eine Lästerung. Und so ging es auch mit dem Stammwort ev'; ursprünglich bedeutete es nichts anderes als Macht besitzen, Macht üben, mächtig, übermächtig sein; später, als man die trcrurige Erfahrung machte, daß der Gebrauch der Macht auch den Mißbrauch derselben mit sich führe, bekam es die Bedeutung des Unterdrückers u. s. w.^) Dasjenige Wesen, das man vor allen Andern als das Uebermächtige, das Allmächtige erkannte oder auch vielleicht nur annahm,-konnte man in der Kindheit der Sprache mit feinem, andern Ramel: be- 3) In Piel: dem Schwächere oder dem Armen die Macht fühlen lassen: -MN für MN denom. von Vgl. npin für M. st Schlußbemerk. Lit a." Znrn. von H. Ph. R6e das Tetragramm. zeichnen, als gerade mi,t einem, der eben von dem Worte rU' gebildet war, und so entstand das Wort Iah'! Beiläufig will ich noch einige Beweise von dieser Jdeeassociatwn anführen, die mir eben beigefallen. Im 34. K. des Propheten Ezechiel, wo der Herr davon spricht, daß Er selbst seine Schafe weiden will, heißt es im 16. V.: 7'üm nptnn nw ruoOT nw; warum sollen nun die Starken vertilgt werden? nicht weil sie stark sind, sondern weil man mit dem Begriffe der Stärke auch den des Mißbrauchs derselben verband. Im 1 B. Samuel 14, 17 heißt es vom König.Saul: te? JWP; der Verfasser will offenbar nichts Böses von ihm sagen, und doch bedient er sich des Wortes JW)1’, eben weil diese beiden Begriffe so nähe aneinder Liegen. Unbegreiflich bleibt es mir übrigens, wie Hr. Skr. sich so sehr über Ihre Etymologie ereifern konnte, da er doch wissen muß, daß die berühmtesten Weg eien, und darunter ein Kimchi, Jbn-Esra und Nachmani, den Ramm nsy von dem Starnmworte "NL7 herleiten, das in der ganzen Bibel nur in einem Übeln Sinne gebraucht wird, als verheeren, zerstören, Gewaltthätigkeit auöüben, rauben u. s. w. Ich glaube nicht, daß er eine einzige Stelle im alten Testamente Nachweisen kann, wo dieses Wort nicht eineu höchst verwerflichen Begriff ausdrück't. Er kann nicht sagen, daß Schaddai nicht ein Eigenname des einzigen, wahren Gottes sei, denn man findet ihn einzig und allein in dieser Bedeutung, und kann nach der gewöhnlichen Erklärung nur für diesen Gott gelten. (1 M. 17, 1.) Freilich erklärt der erwähnte diesen Rantm: -HTO Ninry, allein hier ist ja nur die Rede von den: Wurzelworte, und dieses kommt nur im Übeln Sinne vor. Bei dieser Gelegenheit muß ich Ihnen glückwünffchen, daß, indem das Tetragramm als der Eigenname Gottes gebraucht wird, insofern er der Allmächtige ist, Sie die hebräische Sprache mit einem Eigennamen bereichert haben, der Gott als den Allgütigen bezeichnet, eine Aequisition, die wirklich vom höchsten Werthe Lst.^) Was nun das Grammatikalische betrifft, wonach Hr. Skr. beweisen will, daß das Tetrogramm mit den ihm von Ihnen vindicirten ursprünglichen Punkten von Radix »TH gebildet sei, so will ich mich hierauf gar nicht cinlassen, denn hier tritt er nicht gegen Sie allein , auf, sondern auch gegen die größten hebräischen Sprach- 4) M. s. meine Etymologie des Wortes v^; im LBl. des Orients oder in meinen „Forschungen über die Üeberschriften der Psalmen. Dazu Erläuterungen über die Gottesnamen u. st w. (mit einem Vorworte von Dp. Julius Fürst)." Leipzig, C. L« Fritzsche. M. s. aber auch daselbst S. 165: Anmerkungen zu den Aeußerungen des Hrn. Dr. Hochstädter." und daselbst S. 172: „Nachträgliche Bemerkung." Endlich das. S. 110 erste Zeile: Siehe 2 M. 6, 1—9. Anm. von H. Ph. Ree.

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