Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1848)
- Date
- 1848-11-26
- Page
- Seite 375 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 379 — weis, .fcajr Schalem Ce hu und Mcndelscn's in Hamburg Bestrebttug dafür , nicht nach Verdienst gewürdigt wurde. Ihre Klage hat aber schon die gehörige Wirkung gethan. Herr Monasch in Krotoschin, dessen billige und schöne Bnchdrnckerei bekannt äst, hat die Herausgabe des Schn schau Cdut, alle fünf Bücher in einem Band, übernommen. Hiermit wäre nun der Wunsch so Vieler, die Hrn. M. -dazu aufgefordert--beseitigt, und dies schon muß für den Verleger Ermunterung genug sein, so wie überhaupt der wirkliche Werth dieses Werkes, wovon wir noch kein ähnliches haben, auf einen großen Absatz schließen läßt. -— N. N. Rhenre, 11. Novbr. In der großen Kehilla Neukirchen, hat, wie die A. Z. d. I. berichtet, ein Herr Sehn... eine Crsindung gemacht, die gewiß zur Emaneipatiou führt; und wofür er die höchste Anerkennung von Seiten der Religiösen verdient. Er sch.lägt nämlich, aus sehr gelehrten und religiösen Gründen^ vor, statt deS Eoog's —- jede beliebige Landesfrncht zu nehmen. Hort! hört! Hiermit schwinden nun alle religiöse Wirren. — Sehr der Andacht fördernd ist es allerdings, wenn in der Zukunft , Einer einen Apfel, der Andere eine Birne, der Dritte sogar eine schöne, jetzt leider so seltene Kartoffel nüü in die Synagoge bringt! Wie verlautet, will der geniale Erfinder, sammtliche religiöse Gebräuche und Gesetze ganz eiugänglich und zusagend für Jeden ntachen. So soll z. B. statt am Versöhnungstag einen ganzen Tag zu fasten, welches.doch wirklich s.hr beschwerlich ist, 24 Tage hintereinander .jeden Tag Eine Stunde gefastet wecken, und statt der Beschneidung, jeder jüdische Knabe, einen gelinden Brand-Mark ans den Rücken erhalten. M. Aus dem Netz-Di strikt , 11. Novbr. Wer von den geehrten Lesern des Orients sich noch der in Nr. 7 d. I. von uns begonnenen und in Nr. 14 fortgesetzten ,,Revue über die Gemeinden der Provinz^ erinnern fami1, wird wohl auch noch nicht vergessen haben, daß wir am Schlüsse unseres Berichtes tu letztgenannter Nummer das Versprechen gaben, so bald wie möglich auch ein 'Referat über die Gemeinden de§ Vromberger Departements folgen zu lassen. Diesem unfern Versprechen nachzukommcn ist uns aber erst heute gestattet, und so wollen wir denn keinen Augenblick zögern, den abgerissenen Fadeil wieder anszilnehmen, und die ,,a l lg ein cin e P r ov in zial-Rev u c" fortsetzend, wollen wir mit Bromberg selbst den Wiederanfaug machen. : Brom b erg, als die zweite Stadt in der Provinz, hat nur eine sehr mittelmäßige (kaum 80 Familien zählende) jüdische Gemeinde (?) aufzuweisen. Die Mitglieder dieser Gemeinde sind großenteils reich begüterte 1) Beide Artikel sind von Posen, wo. damals noch unser Aufenthalt-war, datirt. Leute und fast alle dasjenige, was man in der modernen Spracheunseres Jahrhunderts ,,aufgeklärt" zu nennen pflegt. Seit mehreren Moiwen schon gehen diese aufg e kl ä r te n Bromberger damit um, einen Kantor und einen Rabbiner zu engagiren. Der erstere soll ein Mittelding zwischen Alt und Ren * sein, der letztere hingegen ganz m odern 2 3. Die Vakanz des Kautorats '-haben . sie im vorigeit Sommer in ihrem Anttsblatte angezeigt, und wie man hört, sollen sich bereits'über ein Dutzend Kandidaten um diese Stelle beworben haben, ohne daß bis jetzt noch Einer von ihnen den geringsten Bescheid erhalten hätte \ — Was daS Rabbinat anlangt, so ist darüber vorerst keine Konkurrenz eröffnet worden , sondern es haben die Brornberger ihrem Lcmdsmanne, dem Dr. Hirschfeld in Wollstein das Anerbieten gemacht, ihm die Seelsorge zu übertragen.. Hr. Dr. H. soll sich auch nicht abgeneigt gezeigt haben, dieses freundliche Anerbieten auzunehmcu und, seinen bisherigen Rabbinerposten mit dem in seiner Vaterstadt zu vertauschen. Ob aber dies in der Wirklichkeit geschehen wird und wann, können wir Ihnen heute noch nicht mittheilen. Sie wissen ja, bester Herr Doktor, wie das bei uns zugeht, wenn ein Rabbi, oder ein Prediger, oder ein Chasan gewählt werden soll. Der Eine zerrt hierher, der Andere dorthin— und darüber vergehen oft Monden und Jahre. Ein Glück ist es, wirklich ein wahres Glück, daß bei der Aufnahme eines Lehrers in unserer Proviltz die Gemeindemitglieder Nichts darein zu reden haben3 5; denn sonst würde cs wohl nicht selten Vorkommen, daß die Schuljugend eitler Gemeinde, deren Lehrer abgegangcn, mcnden- oder gar jahrelang ohne allen Unterricht herunilaufen müßte. So was würde unfern Kindern ge- , rade noch gefehlt haben. ■— Weil hier mm einmal das II n t c x x \ ch ts w e f e n6 berührt worden , so möge noch gesagt werden, daß die jüdische Gemeinde von Bromberg eitler öffentlichen Elementarschule bis zu diesem Augenblicke noch immer, entbehrt. Gleiches Schicksal mit Posen. — In Fo rd o n, eine Meile von Bremberg, wohnen beinahe drei Mal so viel Juden als Christen. Als 2) D. h. er soll kein sog. poln. Chasan, aber auch gerade kein Sänger ü 1a Sulzer oder ü tu Deutsch sein. 3) So heißtbei uns jeder akademisch gebildete und deutsch predigende Rabbiner, wenn er auch gerade nicht der seligen RB. angehört. 4) Die Meldungen mußten persönlich geschehen, und haben viele von den Herren Kandidaten deswegen eine Reise von 25—30 Meilen machen müssen. — Wenn doch Einer berechnen könnte, was alle die kleinlichen Vakanzen von Rabbiner-, Prediger-, Kantor-, Schächter- und Lehrerstellen in unserem Lande so ein Jahr über an Briefportos und Reisegeldern der General-Post-Amtskaffe einbringen! — 5) Der Schulvorstand wählt den Lehrer und die Regierung hat dann blos die Wahl zu genehmigen. 6) Diesem interessanten Gegenstände werden wir mit Nächstem einen ganz besonder» Artikel widmen. 48 *