Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1848)
- Date
- 1848-11-26
- Page
- Seite 376 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 380 - Rabbiner fungirt (seit 2 Jahren) Hr. M. M. Qaffe7, ein Mann aus' der alten Schule / aber nicht ganz intolerant. Es muß zu seinem Ruhme gesagt werden, daß er sich den Rittern für Nacht und Finsterniß im Norden unserer Provinz nicht angeschtossen hat. Die Emissäre des Attonaer Ordens haben bei ihm kein.Gehör gesunden, was sie gewiß nicht wenig verdrossen hat.. Hr.Z. ist in seiner . Gemeinde allgemein geliebt und geachtet. Anfangs/hatte er zwar einige Gegner; aber es dauerte nicht lange, so waren auch diese seine Freunde gewor-.. den. Wollte er, so könnte er in Fr so Manches — auörichten. Doch vielleicht später. — Links von Bromberg finden Sie die jüngst durch ihre Adresse an Pius IX. berühmt. gewordene Gemeinde vor: Nakel. Die Mitglieder dieser (wohl all. 180 Familien zählenden) Gemeinde 'sind ebenfalls wie in Bromberg großentheils reich begüterte Leute Und giebt es,-wie man hört, nicht wenige unter ihnen, die da Sinn haben für das Edlere rmd Bessere und gegen den alten Schlendrian eingenommen sind. Unter solchen Umständen würde sich wohl in N. so manches Gute und Nützliche schaffen lassen, wenn nicht die dortige Gemeinde chas Unglück hätte , einen Rabbiner zu besitzen, der mit seinen (an Geld, Zahl, und Einfluß leider schon reichen) Verwandten gegen Alles opponirte, was nicht aussieht wie egyptische Nacht, was nicht riecht nach mittelalterlichem Moder,' was nicht dm Stempel trägt wenigstens des fünfzehnten Jahrhunderts 8 9 ** Der Rabbiner von N. ist ein Glied der Nordischen Sieben b, und wenn Du das weißt, lieber Leser, so wirst Du Dich ob seilles verkehrten und finstern Treibens nicht mehr so sehr w u n d e r n Wirst Du aber die Na- 7) Vorher Rabbinerin Schmieget, wo jetzt Herr Lehrer Feldblum aus Fllehne paskent und predigt. 8) Selbst gegen die ^Bildung eines Kranken-Verpflegungs- Vereins, die seir lange schon in N. beabsichtigt wurde, hat der Rabbi mit seinem ganzen Hofe gewaltig öpponirt. Des-; sen ungeachtet ist ein solcher Verein (natürlich erst nach langen und heftigen Kämpfen) vor einiger Zeit ins Leben gerufen worden, und mag Ihnen der dortige Lehrer Herr B. aus den bereits gedruckten Statuten desselben das Wichtigste mitzutheilen nicht unterlassen. 9) Fleißige und aufmerksame Leser des Orients werden sich diesen Ausdruck selber zu.kommenliren wissen. -10) Du wirst Dich nicht mehr so sehr wundern, wenn wir Dir erzählen/ daß der R. von N. die Gründer des in Anm. 8 erwähnten Kr.V.Vereins DtyfifiH zu nennen beliebt, oder wenn wir Dir erzählen, daß der R. von N. vor einigen Jahren bei der Einweihung eines neuerbauten Bet ha - Midrasch auf diejenigen ein herabschteuderte, welche sich unterfangen sollten, ein mit dem DlJnn HtyoS mit in dieses Haus zu bringen; oder wenn wir Dir erzählen, daß der R. von N. (sammt seinem Gefolge) gegen die seit 5 Jahren orgcrnlsirte Gemeindeschute zu opponiren, zu protestiren (und deren Lehrer zu chikaniren) heute noch nicht aufhört; oder wenn wir Dir — doch genug für heute, theurer Leser. Du weißt vorläufig genug. — kelenser bedauern? O ja. Doch Du wirst sie, des sind wir gewißeben so sehr tadeln und ihnen (so wie allen Gemeinden des Netzdistrikts, die cm demselben Uebel leiden) mit uns zurnfen: „Wie lange werdet ihr euch noch einhüllen lassen in den dichten Nebel längstverflosscner Jahrhunderte? Werfet von euch das Joch., das euch drücket und werdet freie, freie Männer, wie es euch zukommt". Etwas nördlicher hinauf liegt die Gemeinde Lobsens, deren Rabbiner seit einiger Zeit sich Mühe giebt, seine Deraschot zu germanisiren, wähnend, mit dem Idiom sei Alles gewonnen. 'Herr Kn t t n er11, erster Lehrer an der dortigen Schule, hat schon mehrere Mal mit Beifall gepredigt. Das Gemeindewcsen ist durch Dr. Litt au er (pr. Arzt), der mehrere Jahre hindurch .. am Ruder stand, sehr gehoben worden. Aber Undank äst der Welt Lohn. Schade daß der wackere Dr. L. nun auch diese Erfahrung machen muß l 12 — Wir werden nächstens diese Mittheilungen fortsetzen. W. Königsberg, 7. Novbr. So eben ist der ,,J ohann Jacoby" vom Stapel gelaufen. Der berühmte Publiclst hatte den Wunsch der Rheder, ihrem Schiffe seinen Namen zu geben, gern gewährt, rmd auch eine Einladung zu. einem ihm gestern Abend von denselben gegebenen Festmahle angenommen. Es' ist dies das dritte hier erbaute Schiff in diesem Jahre, welches den^Namen eines berühmten Königsbergcrs erhielt. Die beiden früherenheißen I m a n u e l K a n t und B'r a n d t, Name eines hier einst hochgefeierten Rechtsgelehrten. Während so ein Schiff den Namen eines berühmten Juden erhält und die sociale Gleichstellung der Juden und Christen so vollendet ist, wie wohl in keiner andern Stadt, erregen Plakate, welche -neulich die Polizei von Speichern und Zäunen hier abriß, mehr Verwunderung als Indignation; sie drohen den Inden mit» ihrem Verfechter auf dem Landtage, Bürgermeister Sperling in sehr unorth.ographischer Schreibart den Tod an; letzterer wird in ihnen der Jndenkönig genannt. Dies die letzten thörichten Reste des einst so verbreiteten ganz und gar albernen Judenhasses. (G. A.) Schwerin/ im Novbr. Auf eine Vorstellung von Seiten des israelitischen Vorstandes in Schwerin an den Magistrat um die Verwendung-des Letztem für die bürgerli ch e Em a neip a t i o n der Mek.lenburger mosaischen Glaubens auf dem bevorstehenden Landtage ist nachstehende-Antwort erfolgt : „Auf. Ihre Vorstellung vom 2. d., betreffend die N) Vom Rheine dorthin werpflanzt. 12) Uebrigens kann er sich mit den ebm so wackern Herren Lion Levy in Lissa und Raph. Rosenthal in Posen trösten , welche ebenfalls ihre Gemeinden (als sie deren Vorsteher waren) sehr gehoben haben, ohne dafür mit demjenigen Danke belohnt worden zu sein, deren sie sich durchihreMühen und Opfer verdient gemacht hatten.