Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 47 (18.11.1848)
- Date
- 1848-11-18
- Page
- Spalte 749-750 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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749 Studien. Hassagot von M. Zipsec. HI. Kulturhistorisches zu den Leichenreden ('ison). Wir haben versucht einige kulturhistorische Bemerkungen dem Kapitel „über Leichenreden" voranzuschicken (Blumenlese S. 247 f. f.). Wir lassen einige Zusätze zu demselben hier folgen. Die Sitte, daß Trauerweiber der Todtenbahre Vorgehen oder Nachfolgen, war auch bei den Griechen und Römern üblich, und ist es heute noch in einigen Gegenden Frankreichs (vergl. das Ausland 1840 S. 168). Daselbst gehen die Trauerweiber'hinter der Bahre her. Daß die Tcauerfarbe weiß zuweilen war (Blumenlese S. 252 Note 3), finden wir auch bei den Römern. So lesen wir bei Herodian (Geschichte des Kaiserthums Buch IV. 2) wo von den Gebräuchen der Römer bei der Apotheose die Rede ist, unter andern: die Frauen in einfachen weißen Kleidern erschienen sie im Aufzuge von Leidtragenden. Auch in der neuern Zeit hat sich dieser Gebrauch zuweilen bei Hofe erneuert. Einige historische Notizen über diesen Gegenstand findet der Leser bei Quittard (Dictionaire historique et etymulogique des proverbs S. 626)* ZU demGedichtchen des Alcharisi, welches wir in unserer Blumenlese (S. 253 Note) mitgetheilt haben, kann der Leser auch ein anderes ähnlichen Inhalts von Ibn Esra hinzufügen, welches Hr. S. Deutsch im LB. des Orients (1i846 S. 565) mitgetheilt hat.* In Bezug auf die Segenssprüche, die man im Hause des Leidtragenden vorgetragen hat (Blumenlese S. 250), dürfte auch folgende Stelle noch mitgetheilt werden (MasseschetSimchot Abschnitt 14). jn 'ui. nya-r nro idin u*n bxn rra *p:ion üdu£/ Vb/jäsj cbw noNn!""! jo'ni n’imro 3wn "idin P3"ii UN nNi toi mDynDj? pisa nnnn'kn T — id-oPi V? nninb /,Wenn einer den Segen spricht in dem Hause des Leidtragenden sagt, er nicht den vierten Segensspruch." R. A k i b a sagt ser spricht die Gebetformel^ /,der Gute.' und der Gutes erzeigt". Die Weisen sagen ser spricht folgende Gebet formet: Wahrer Richter, der vollLommen in seinen Handlungen ist, Richter in allen Zeitaltern mit Gerechtigkeit, wir sind alle sein Volk und seine Diener und wir müssen ihm daher danken und ihn lobpreisen". Hassagot von M. Zipser. Hassaga IV. Der nich tgri cchische Hund vro^. Sabbat 63 a wird das hebräische Wort \xh- (Hiob 6,14) für Hund erklärt und daraus die moralische Lehre gezogen, *) In Konstantinopel ist es üblich, bei sinem Leichenzug schwarz gefärbte Konditoreien zu vertheilen (Lcmado in TD b>0 zu Jesaja 24, 8). K. 750 daß man keinen bösen Hund zur Verscheuchung der Armen im Hause halte, dann setzt der Talmud hinzu , im Griechischen nennt man Hund Landau (Aruch s. r. giebt diese Stelle ohne jede weitere Erklärung, als verstehe es sich von selbst, daß der Hund , griechisch nvcov, wovon das Lateinische canis, auch dö1? heißt, und findet sich dies in keinem unserer griechischen Wörterbücher. Meine Ansicht ist hierüber wie folgt: Der Hund wird gewöhnlich als ein sehr gefressiges Thier bez-nchnet, das keine Sättigung kennt, so heißt es schon in Jesaja (56, 11) „Die Hunde starken Muthes, sie wissen nie satt zu werden". Auch der Talmud spricht sich in diesem Sinne aus und erklärt hiermit den Namen yn&y {O^D (Gittin 56), daß wer hungrig in dessen Haus wie ein Hund kann, gesättigt wieder hinausging. Ebenso überseht auch die Septuaginta die zweimal vorkommende Stelle nte iDiT* Iw&i-oveiv cos und die Vulgata: 6t kamen» patientur ait canes als ob im Texte stünde. Der sogenannte Heißhunger ßovXifiog mtb auch im Griechischen nvvadrjs 6qs£is Hundsucht genannt. Das griechische Xcafiosi als Adjektiv, verschlingend, gierig, kann daher mit Recht als Bezeichnung des Hundes in der ihm hier beigelegten Eigenschaft eines angreifenden Lhieres dienen unv der Talmud gebraucht hier bloß baß Epitheton mir Weglassung des Namens. Daß übrigens auch der Name %vcov füc Hund den Talmudisten bekannt war, erfolgt aus mehrern Stellen. So werden schon (Ketubot 61,6) die kleinen Hunde ND)p oder njdIs ein Ciniker oipO'p> bcr Hundssüchtige DloVlftOp nvvccv&QcoTtog (j. Gittin 6 Absch.) genannt. Wir erhalten ferner Aufschluß über eine im j. Sab. 9 Absch. vorkommende dunkle Stelle; es heißt nämlich daselbst, daß man die Götzen mittelst Worlveränderung mit einem ihrer Benennung sich ä'hnlenden Spottnamen belegen; so z. B. ob iniN ]n?p -\bü ob pipw m. Wie aber mit ^3 vertauscht werden kann ist unklar, ganz gezwungen aber ist die Erklärung, daß wenn "das ß mit'dem ihm verwandten Appenbuchstaben 2 vertauscht wird, es dann zurück 3^0 macht. Allein wer hier unter 2hl das griechische xvcov zu verstehen ist, so kann es leicht eine Anspielung auf den im Morgenlande gebräuchlichen Namen Ehan für König sein. (Siehe übrigens .Orient 1845 Nr. '9 eine ähnliche Erklärung von Dr. Fürst aus Abulfeda und Farissol.) Sollte jedoch diese Erklärung nicht genügen, so folgt hier eine andere. Unter den vielen Idolen der alten Völker war auch eins, das sie unter der Gestalt eines,Hundes anbeteten. So erklärt schon der Talmud (Sanh. 63) den Götzen trD3 (2 K. 17) von bellen. Bei den Egyptern führte dieses Götzenbild den Namen Anubis, so Ovid. Metann 1. 9; Virg. Aen. lib. 8 latrator Anubis* Propertius im dritten Buche stellet wieder eine Vergleichung zwischen diesem HundsgorLe der «rgyptischen Königin Kleopatra und dem großen Jupiter der Römer mit folgenden Worten an: Ausa ') 4,. c. 59, V. 7, 17.