Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1848)
- Date
- 1848-11-18
- Page
- Seite 371 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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371 triaftmt, und kann sie auch endlich nicht auf einmal alle jene unzählbare Vorurtheitc vernichten, welche der crwcckte und stets genährte Ncligionshaß gegen das Judcnthum erzeugte, welche Vorurthcile mit der Zeit auch vom Bekenntnisse auf die Bekenner übergingen.— Wenn auch eben diese traurigen Vermächtnisse einer noch nicht . gänzlich verflossenen Zeit nicht gerade die Unmöglichkeit des allgemeinen Gebrauches der beglückenden Früchte der! jungen Freiheit Herausstellen, so sind sie doch leider dai ran hinderlich, und deshalb ist die Wegräumung aller; jener Hindernisse die allererste und dringlichste Forderung ' der Jetztzeit, deren Erfüllung eine um so.größere Wichtigkeit erhält, wenn wir erwägen, daß dadurch ein gar .! nicht geringer Theil der polnischen Bevölkerung zum! Besten des Vaterlandes nicht Mitwirken könnte, eines! Theiles, welcher "ähnlich einem lange brach liegenden \ Felde,, das beraubt der belebenden Einwirkung des Lich-! tes, der segensvollen Wanne der Liebe, aber stets den i vergiftenden und mörderischen Einflüssen des Hasses, der; Verfolgung und der Verachtung ausgesetzt ist, mit wils dem und zuweilen sogar abscheulichem Unkraute verwachsen ward.. — Sich also mit der Bearbeitung dieses so lange vernachlässigten Feldes gewissenhaft zu beschäftigen,; es zu pflegen und zur Hervorbringung für das Vater- Unnb nützlicher Früchte urbar zu machen, ist die heilige l Pflicht eines jeden rechtlichen Polen, und insbesondere? eines israelitischen. — Zu dem Ende hat sich in Kraß kau „eine polnische Gesellschaft zur Beförderung des ma- £ tarierten und moralischen Wohles der israelitischen Mitbrüder" gebildet, deren Ziel, Streben und Thätigkeit in den folgenden Umrissen bezeichnet ist. — Die Thätigkeit der Gesellschaft besteht: ' 1) In d er Jnfluiru ng; um in den laufenden politischen Ereignissen und Fragen insbesondere aber die der Inden betreffenden, richtige und gesunde Ansichten; zu verbreiten. 2) In Bezug auf dg ö materielle Wohl:! 8.) Die Aufsuchung und Beseitigung der Quellen der Armuth, besonders aber ist cs Aufgabe der Gesellschaft, die Inden zum Ackerbau, zur Industrie, zu den Wissenschaften und freien Künsten anzueiftrn, in dem die S, Gesellschaft durch entsprechende Unterbringung der Schüler, Unterstützung fähiger Individuen, die irgend ein nützj liches Fach erwählen, den Weg anbahnt; die Einwirkung 1 auf Entfernung aller Hindernisse und Beschränkungen, * welche die Juden bei Erwählung verschiedener Gewerbs- |j zweige, sowohl während der Lehrzeit als auch bei Ansj Übung derselben unterworfen sind, so z. D. der Gebrauch der Nichtaufnahme der jüdischen Zöglinge in Lehre, die f Verwilligung frei in allen Straßen die Gewerbe ausj üben zu dürfen. d) In Anbetracht der bereits für die j hiesigen Juden existirenden Institute, wird die Gesellf schast in Erwägung ziehen, in wie weit zweckentsprej chende Reorganisationen derselben nöthig sind und vorgenommen werden können, und die Nothwcndigkeit der Errichtung neuer verschiedenen Zwecken entsprechenden Wohlthätigkeitsanstalten darstellen, und endlich die Mtitel zur Anöfnhnmg dieser angeben. — 3) In H in sicht d es moralischen W oh les: ans die Erziehung der jüngern Generationen zu influiren, zum Besuche der öffentlichen Lehranstalten und zur Pflege der polnischen sowohl als auch der nationalen Sprache anzueifern, und zu unterstützen; Vorurtheile und schädliche Gewohnheiten auszurotten.; nützliche Werke zu verbreiten und die Annäherung zwischen Jude und Christ durch Beseitigung des gegenseitigen Mistrauens herbeizuführcn. —- 4) Bezüglich der politischen Existenz der Gesellschaft hat sie die Aufgabe, das politische Leben bei den Juden zu erwecken, die FreiheitS- und Vaterlandsliebe zu nähren, die Israeliten über politische Pflichten und Rechte anfzuklären und so zu bürgerlichen Tugenden anzueifern. — Die innere Organisation der Gesellschaft umfassen die Statuten. — Die genannte Gesellschaft fordert hiermit alle andern nationalen Vereine wie auch, einzelne Bürger, welche die Bestrebungen der Gesellschaft zu unterstützen geneigt wären, «Ulf, um ihr mit Rath und That beizustchen, und dadurch die unheilbringende Spaltung zwischen Andersgläubigen zu verwischen, die Verstärkung der brüderlichen Bande hingegen zu veranlassen, durch welche alle Pelm ohne Unterschied des Bekenntnisses mit gemeinsamen Kräften dem theuren Vaterlande leichter und folgcreichcr stch widmen zu können, befähigt sein werden. Die Gesellschaft hält sich noch verpflichtet schließlich zu erwähnen, daß in Felge der traurigen zwangweise veranlaßten Absonderung, in welcher die Juden bis jetzt verblieben sind, ein großer Theil der Versammlung stch nicht der polnischen Sprache bedienen kann, aus Nothwendigkei'l also und in Rücksicht, daß einer, wenn eben auch gar nicht glcichgiltigen Form wegen, die Sache selbst nicht zu opfern sei, macht die Gesellschaft vorläufig von der deutschen Sprache bei der Debatte Gebrauch, die Protokolle aber wie auch die Korrespondenzen werden in beiden, nämlich der polnischen und deutschen Sprache gleitet. Wird doch das Unangenehme der Empfindung in einer fremden (!) Sprache sich verständigen zu müssen, neben den so eben angedeuteten Tendenzen der Gesellschaft zur Wahrung und Pflege der polnischen Nationalität, sicherlich in kürzester Zeit,die aus Nothwendigkeit hcrvorgegangene Unbequemlichkeit auch beseitigt werden können. Krmkmr, 3. Nvbr. Die Würfel sind gefallen und das Schicksal der hcldenmüthigen Brnderstadt Wien ist entschieden; freilich haben wir uns einen Augenblick in der zuversichtlichen Erwartung eingetullt, daß den bedrängten Wienern von allen Seiten Hilfe zugeschickt