Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1848)
- Date
- 1848-11-18
- Page
- Seite 372 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 372 - werde, und daß der Ausgang des..Kampfes uu§ wenn nicht gar. eine österreichische Republik, jedoch einen verdienten Sieg der Freiheit über Despotismus, der Volkssouveräuität über die Kamarilla bringen wird, allein die Ungarn kamen spät und mit wenigen ungeregelten schwachen Kräften und sie wurden geschlagen; die Hrn. Moste und Welcker unterhandeln bis -zur Stunde über — das Ansehen der Centratgewalt, und die Depeschen des Windisch - Grätz haben leider unterdessen nicht gelogen! Wir möchten aber den Siegern anrathcn, nicht durch rachsüchtige Schritte ihren Triumph zu feiern und den Besiegten ein yae yiotis zuznrusen; die Könige und Fürsten müssen einmal bei dm Völkern in die Schule gehen und von ihnen lernen, beiin Siegen gemäßigte nicht trotzige Forderungen zu stellen, und die Milde und Amnestie mit der Strenge zu paaren, h'uu yice yersa, d. h. wenn das Volk für Munition gesorgt und frohlockend den Gegner entwaffnet haben wird, weiß Gott nvelche Repressalien es dann und' mit Recht nehmen werde. Wir freuen uns. daher einer! Anfang in der Gesinnungsändcrung des österreichischen Kaisers ähnlicher Gestalt wahrzunehmen, wir meinen die von Olmntz 20. Oktober datirte und 2. d. veröffentlichte k. k. Sanktionirung des Reichstagsbeschlusseö in der Nacht zum 6. Oktober, worunter derjenige über völlige Aufhebung der schmachvollen Jndensteuern, welche Kundmachung hier die Herzen aller Freiheitsliebenden besonders der wiener Vorgänge halber besorgt wurden, wahrhaft erheiterte, und daher ein günstigeres Omen für die spätere Reorganisation der jetzt verwickelten staatlichen und bürgerlichen Verhältnisse gelten könne. Dixi. Italien. Nom, 24. Oktbr. Im G hellto der Juden, deren viele die vor Monaten niedergerissencn eisernen Schließthore ihres Viertels anstatt der bisher wenig fruchtbar gewesenen Emaucipatiou zurück'wünscheu, kanr cs zu blutigen Ereessen zwischen, den dortigen Einwohnern und dem gegen sie anfgewiegelten Volk. Ein auf der Piazza nuova handelnder jüdischer Fleischer ward mit-Unrecht der Gaunerei verdächtigt:, die. christlichen Römer im Verein mit der Civiea plünderten seinen Fleischladen sofort rein aus und stürzten sich in ihrem Raubgelüste auch auf die Juden des Ghetto, die sich indessen mit Knütteln, geworfenen Flaschen, Dachziegeln und andern dergleichen improvistrten Waffen wacker ihrer Haut wehrten. (D. A. Z.) Rom, 26. Oktbr. Der Tumult im Ghetto hat sich in eine leidenschaftliche Erbitterung der römischen Christen gegen die Inden aufgelöst; doch hat das Vertag von E. K. Fritzsche. zum ^Schutz der Israeliten, entbotene .Militär mit Ausnahme weniger in Piazza Giudia ausgestellten Piquets schon gestern Abend wieder in die Kasernen konsignirt j werden können. Drei Civici wurden im Handgemenge I von einen: Juden schwer verwundet. Den im Solde fanatischer Priester stehenden Obskuranten war^ dies hin-; reichender Anlaß, das Volk durch ein Flugblatt, ja sogar in einer Pfaffenzeitung gestern aufzuforderu, da§ Arsenal 1= und die Waffendcpots zu öffnen, um den Hebräern mit )\ kleinem und großem Gewehr auf den Leib zu rücken, ‘j Leider war die Einladung für Tausende den wohlhaben-! dern Häusern des Ghetto schwer verschuldeter Römer, '! die nicht gerade den untern Volksschichten augehören, ■] aber doch unter einer allgemeinen Verwirrung ihre ausgestellten Schuldscheine zu ..verbrennen hofften, eben so /- willkommen als dem durch religiösen Fanatismus erhitzten beutegierigen Pöbel. Doch scheiterten die geheimen Machinationen wie die andringende Roheit an den energischen Maßregeln der Polizei. Heute schreit die Menge, j die Juden sollen sich den Schnurrbart abschneiden, und |n die mit ihr sympathisireude Clique der Eiviea wollte mit qemietheten Barbieren den Ghetto gewaltsam nehmen. Doch reichten die zurückgetasseuen Piquetö von Dragonern und Gendarmen zur Aufrechthaltuug der Ruhe aus. (D. A. Z.) Rom, 27. Oktbr. Gerichtliche Uutcrsnchung hat seit gestern ergeben, daß der Tumult gegen die im Ghetto wohnenden Israeliten von der schwarzen geistlichen Kamarilla augezettelt war und mit einem allgemeinen Angriff auf das Eigenthum und Leben der kaum Emancipirten enden sollte. Frankreich. Paris, 3. Nvbr. Nach mehren. Zeitschriften würde iin Falle Ludwig Napoleon zum Präsidenten der französischen Republik gewählt, wird, was mehr als wahrscheinlich ist, Achillc Foutd der Finanzminister des zweiten Napoleoniden werden. — Daß Goudchanr znrnckgetreten, wird Ihnen wohl bekannt sein. Pcrsonalchronik und Miscellen. Paris. Goudchaur hat der Staatskasse sein Gehalt von 16,000 Fr. geschenkt. Stuttgart. Hier erscheint eine allgemeine Kirchcnzeitung für alle Konfessionen. Druck von I. H. Nagel.