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Der Orient · 1848-11-11 · 46 (11.11.1848) · p. Spalte 725-726

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
46 (11.11.1848)
Date
1848-11-11
Page
Spalte 725-726 (sequence 3)
Language
German
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726 Stildien. Biographie Hillel's. 723 zwar gegen diese Richtung um so mehr, weil sie durch ihre erleichternden Reformen den Ueberreft des Volkes vielfach irre geleitet hat. Daher fährt Christus in seiner Anrede an das Volk und in der Bekämpfung dieser Hitlelschen Schule also fort. Vers 31. Es ist euch gesagt worden: Wer sich vom Weibe scheidet, der soll ihr geben einen Scheidebrief. Vers 32: Ich aber sage euch: Wer sich von seinem Weibe scheidet (es sei denn um Ehebruch), der machet, daß sie die Ehe bricht; und - wer eine Abgeschiedene freiet, der bricht die Ehe. Derselbe Ausspruch findet sich noch bestimmter und ausführlicher bei Matth. 19, 3—9. Da traten zu ihm die Pharisäer, versuchten ihn und sprachen zu ihm: Ist es auch recht, daß sich ein Mann scheide von seinem Weibe, um irgend einer Ursache? Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, daß, der im Anfang den Menschen gemacht hat, der machte, daß ein Mann und ein Weib sein sollte; und sprach: Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen, sind an seinem Weibe hangen und werden die zwei Ein Fleisch sein? So sind sie nun nicht zwei; sondern Ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefüget hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Da sprachen sie: Warum hat denn Moses geboten, einen Scheidebrief zu geben und sich von ihr zu scheiden? Er sprach zu ihnen: Moses hat euch erlaubt zu scheiden von euren Weibern, um eures Herzens Hurtigkeit wegen, von Anbeginn aber ist es nicht also gewesen. Ich aber sage euch: Wer sich von seinem Weibe scheidet (es sei denn um Hurerei willen) und freiet eine Andere, der bricht die Ehe. Und wer die Abgeschiedene freiet, der bricht auch die Ehe". — Eine genauere Auseinandersetzung des Liefern dogmatischen Inhalts dieses Verses würde uns zu weit von unserm Zwecke abführen. Nur den allgemeinen Gesichtspunkt, von dem aus wir diesen Vers betrachten, und namentlich dessen historische Beziehung, wollen wir berühren. Schon im Alten Testamente ist das Verhältniß Jehovas zu seinem Bundesvolke in dem Bilde des Bräutigams und der Braut, des Mannes zur Frau von den Propheten vielfach dargestellt worden. (Ps. 45. Ies. 53, 5. Hesek. 16, 1. Hes. 2, 16.) Das von seinem Gotte abgefallene Israel wird als Ehebrecherin dargestellt, welche die Liebe ihres Mannes mit Untreue belohnt. ' Und in der That konnte der Begriff -er innigsten und höchsten Verbindung durch nichts so klar dargestellt werden, als durch das Gleichniß der Ehe; und auf ihrer Heilighaltung beruhen überdies auch alle staatlichen und bürgerlichen Familienverhältniffe; denn wo diese Heiligkeit geschwunden, da ist auch die tiefste und unheilbarste Entsittlichung eingetretm und keine Reform zum Bessern ist denkbar, bevor die Heilighaltung der Ehe allgemein geworden ist. Auch Jesus stellt sein Verhältniß zu der Kirche und zu den Semigen, als das Verhältniß des Bräutigams zur Braut und des Mannes zur Frau dar (Mt. 9, 15. Mark. 2, 19. Luk. 5, 34. Ioh. 3, 29. 2 Cor. 11, 2. Offenb. 22, 17 und ganz vorzüglich Ephes. 5, .31.) Indessen war aber das rein sittliche und ursprünglich heilige Verhältniß in Bezug auf vie Heilighaltung des Ehc- . bündnisses, um die Zeit Christi, fast ans dem Bewußtsein der \ Menge des Volkes geschwunden« Und wie konnte Christus sein innigstes Verhältniß zu seiner Gemeinde unter dem Bilde der Ehe versinnlichen, wenn dieselbe in ihrer ursprünglichen Idee selbst getrübt war? Daher war es nölhig, speciell diesen Punkt der Ehe und ihren göttlichen Ursprung vor allen zu berühren. Wohl steht die Innigkeit des Ehebündniffes, als von Gott selbst eingesetzt, gleich nach der Schöpfungsgeschichte; allein da Moses selbst die Auflösung der Ehe gestattete, so hat sie dadurch vieles von ihrem ursprünglichen Ansehen verloren. Und schon der Prophet Malachi fand sich genothigt, das Volk deshalb zu ermahnen. „Der Herr ist zwischen dir und dem Weibe deiner Jugend, die du verachtest, Zeuge, so sie deine Gesellin und ein Weib deines Bundes ist".28 Dieser Verfall der Sitten steigerte sich aber in Palästina besonders, seitdem heidnische Truppen, die da.s Land eroberten. Ln das-. selbe gedrungen waren. Dazu kam noch die durch die Schule Hillels um die Zeit Christi herbeigeführte laxe Moral, die gerade auch in dieser Beziehung um so nachtheiliger wirken mußte, als man sie durch Verdrehung der Worte der Schrift, als in der Schrift felbst begründet, nachzuweisen bemüht war. Das mosaische Gesetz gestattet unter der Bedingung von -»2"! rvny die Ehescheidung. Was aber “Di nnj; bedeutet und ob es wirklich Hurerei bezeichnet, das nämlich wurde der Streit der Hillel'schon und G ch arnm a i' s ch en Schule. Hören wir hierüber auch die Worte der Mischna.^ Die Schule Schammai's lehrte Niemand darf seiner Frau den Scheidebrief geben, es sei denn, daß er an ihr eine schändliche Handlung (Hurerei) entdeckt habe; weil es heißt (5 t, 24, 11: „Wenn ein Mann ein Weib nimmt und ehelicht sie, so soll geschehen, wenn sie keine Gunst in seinen Augen findet, weiter an ihr etwas Schändliches gefunden, so soll er ihr einen Scheidebrief schreiben und ihr in die Hand geben und sie aus seinem Hause entlassen". Die Schule Hillels lehrte hingegen, als Grund der Ehescheidung genügt, wenn die Frau die Speisen anbrennen läßt, weil auch ein solches Vergehen von Seiten der Frau als „etwas Schändliches" betrachtet werden kann. Rabbi Akiba fügt hinzu: auch wenn er eine andere schönere findet (kann er die erste entlassen), weil es heißt: „Wenn sie keine 28) Malachi 2, 14. 29) Gtttin S. 90 a: DIN Vlü' Np DIDIN 'KM HO ’D idnjb' nny im ro KL2 p dn nPn to nt* innpn iP’dn didin PPn not im nny rp nsd A'qn ’m im nnj? ro nso ’d nvrM iWün jn Nson nP dn \u nviM wn nt*i mnx. nsso vj’ja 46

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