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Der Orient · 1848-11-11 · 46 (11.11.1848) · p. Spalte 723-724

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
46 (11.11.1848)
Date
1848-11-11
Page
Spalte 723-724 (sequence 2)
Language
German
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723 724, Studien. Biographie Hillel's. gegen jegliche Reform ängstlich gemacht. Jesus hatte, nur von rein. mensch'ichem Standpunkte aus betrachtet, bei der Bekämpfung dieses im Volke allgemein verbreiteten Vorurteils, die Namen, wodurch dasselbe ihren Ursprung hatte, zu bezeichnen und zu nennen um so weniger nöthig, als dieselben jedem seiner Zuhörer sicherlich bekannt waren. Was thut auch der Name zur Sache? Nur das Prinzip suchte Er zu bekämpfen und giebt deutlich den Unterschied seines Auftretens von dem der Schule Hille ls an, durch die Worte: „Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen, oder wie Tholuck diese Worte umschreibt" mein Kommen hat nicht einen negativen Zweck, sondern einen positiven, nicht aufzuheben, sondern zu vollenden, bin ich gekommen. „In Erwägung von Vers 18—20 mir Rücksicht auf das Nachfolgende müssen wir daher, Christum aus seinen eignen Worten erklärend, sagen lassen: er verstehe unter den Vollmachen des vo{iog dies, daß durch ihn eine Liefere Einsicht in die Forderungen desselben, und wie denn eine solche Einsicht ohne die Ausübung fruchtlos wäre, auch zugleich eine vollkommenere höhere Erfüllung des Gesetzes eintreten solle, als bisher bekannt war". Daß'nun gerade dieser Spruch Christi die Anhänger Hillel's tief treffen mußte, bewerft unter andern auch der Umstand, daß sich später Gamaliel, der Enkel Hillels, desselben Spruches in der Polemik gegen einen christlichen Philosophen noch zu bedienen suchte. Derselbe machte Gamaliel darauf aufmerksam, daß die mosaischen Gesetze seit der Zerstörung des Tempels außer Kraft getreten und. an deren Stelle die Lehren des Evangeliums gesetzt worden wären. Gamaliel entgegnete ihm mit den Worten Christi: „ich bin gekommen weder etwas vom mosaischen Gesetze abzuschaffen, noch etwas hinzuzufügen".2i Mehr aber noch als alles Bisherige beweist der Inhalt der-Bergpredigt selbst, wen und welche damalige religiöse Richtung Jesus vor Augen hatte. Nachdem nun er selbst seinen Standpunkt in Vers 17 betrachtet hat, geht er so manche Gebote durch und zeigt, wie die wahre Erfüllung dieser Gebote aufgefaßt werden müsse. Nicht blos die sündhafte Handlung allein, sondern auch nur der blose Gedanke an dieselbe ist, als das Primäre und Agens der Lhat, sündhaft, und mit dem unreinen Gedanken ist schon das Gesetz übertreten. Allerdings konnte der natürliche Mensch-, der den todren und starren Buchstaben des Gesetzes umklammert, in der Meinung durch ihn das ewige Leben zu erlangen, diese Vergeistigung und eine solche Erfüllung des Gesetzes nicht begreifen; aber gerade das eben 24) Sabbat 116b: |0 . . . NDDl^D »76 nDN nwüi Nrpnw rpbtMrw jujdnd prr6.n .ndp . . . . pn »V? idn.NnnnN Nirnw p nm'üb ab njn rro nnm ioddi nw6b rr'raty rwtn NrpniN by . tö) wm wdi vma. ist es ja, was Jesus lehren wollte, und was der eigentliche Zweck seiner Mission war. Ein solcher pharisäischer Sauerteig hatte auch die edlere Gesinnung des ganzen jüdischen Volkes damals ergriffen, und die tiefere Bedeutung der Heiligkeit der Gedanken und der Gesinnung als den wesentlichsten Moment der wahren Frömmigkeit, auf dem alle „Erfüllung" und „Vollendung" basirt, hat Christus bei jeder Gelegenheit den Pharisäern gegenüber hecvorzuheben niemals unterlassen. Ebenso äußerte er sich ihnen gegenüber, bei einer andern Gelegenheit: „was aber zum Munde hcrausgeht, das kommt aus dem Herzen und das verunreinigt den Menschen. Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, falsche Zeugnisse, Lästerung — das sind die Stücke, die den Menschen verunreinigen".^ Auch in der ganzen B e r g p r e d i g t ist dieser Grundgedanke die Einleitung und der Inhalt derselben. Vers 21 und 22 lauten also: „Ihr habt gehört, daß zu-den Alten gesagt ist: Du sollst nicht tödten; wer aber tödtet, der soll des Gerichtes schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichtes schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Raths schuldig; wer aber (zu seinem Bruder) sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig". . Fragen wir nun, was lehrt der Pharisäismus und namentlich Hillel und dessen Schule in dieser sp ec rekle n Beziehung? Hierauf antwortet uns ein kasuistischer Fall, der in der Misch na erwähnt wird. Es heißt: Hegte Jemand den Gedanken an ein fremdes Depositum auf unrechtmäßige Art die Hand zu legen? so ist er nach der Schule Schammai's straffällig, nach der des Hillels aber nicht eher bis .er wirklich die Hand an dasselbe gelegt. n Dieses sind die Worte der Mi sch na. Der Talmud erklärt sich hierüber: nach der Schule Schammai's wird der Gedanke der Sünde gleich der Thar angesehen; nach der des Hillel aber ist es nur die Handlung, nicht aber der Gedanke.^ Und da nun die Aussprüche Hillels und dessen Schule damals, wie noch jetzt,27 im Judmthume Gesetzeskraft erlangt hatten, wegen der großen Nachgiebigkeit, die er und seine Schule gegen das Volk, eifrigst an den Tag bei Gesetzesbestimmungen zu legen bemühet war, so konnte Christo allerdings nichts näher liegen, als gerade diese herrschende Partei in ihren Principien sowohl, als in den aus ihnen sich folgernden Konsequenzen mit aller Macht zu bekämpfen, und 25) Mt. 15, 18—20. 26) Baba Mezia S. 43 6 und S. 44 a: n^&s6 DS5WliT D’IDIN bSn IV 31 3"N D’-ID1N ,|NDt£/.n’3 }np03 3' N'3 M2 333 bo . 3' 13 rbw'iit 3J) 3"N U'N y?n rra , wyi33 mstnrjn bj? 3"NL? 31Ä3 Ovvidl '131 3' 13 rb\ä'U) ly 3",3 ll'tt DVwlN. 27) Maimuni Kap. 111. Hilchot Gesela» Choschen ha- Mischpat Kap. 292. •§. 4.

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