Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1848-11-11 · 46 (11.11.1848) · p. Spalte 721-722

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
46 (11.11.1848)
Date
1848-11-11
Page
Spalte 721-722 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9897534-9897584--5671-3534599
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Mteraturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. JTs 40. Leipzig, den 11. November 1848. Inhalt. Studien. Biographien der Talmudisten. Hillel der Aeltere. Von Dr. Biesenthal. (Schluß.) Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien. Eine Skizze von Dr. Julius Fürst. Zehntes Kapitel. — Sentenzen, Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten im Talmud. Von L. Dukes. Zweite und letzte Lese. — Hassagot von Rabb. Zipser. Hillel und seine Lehrer. — Ankündigungen. Biographien -er Talmudisterr. H. Hillel der Aeltere. Von Dr. I. H. L. Biesenthal. (Schluß.) Die Worte des gedachten Verses lauten nach der lutherischen Übersetzung: Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin rncht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Vers 18: Denn ich sage euch, wahrlich: Bis daß Himmel und. Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Mel vom Gesetze, bis daß es alles geschehe. V. 19: Wer nur Eins von diesen kleinsten Geboten auflöset, und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreichwer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich.^ Führen wir nun Lholucks eigene Worte zu dieser Stelle an: „Wie kommt Christus dazu, das nachfolgende Thema zu behandeln? Gab es wirklich, wie das (itj vo[ii67]zr} anzudeuten scheint, Solche im Volke, welche bei seinem Auftreten meinten und hofften, daß er mit einem Umstürze der ganzen alten Verfassung umgehe? Wohl wäre es nach der menschlichen Natur und nach dem, was uns die Geschichte lehrt, denkbar. Dieser und jener tiefer Denkende, konnte auch aus der Verheißung eines neuen Bundes, verschieden von dem mit den Vätern (Jerem. 31, 32), auf den Gedanken an eine gänzliche Umänderung des Gesetzes geleitet werden. Andererseits sehen wir aber aus der evangelischen Geschichte, daß wenn auch das Volk selbst nicht auf diesen Gedanken gekommen wäre, doch die böswilligen Feinde Christi ihn zu verbreiten und durch mancherlei Anschläge es dahin zu bringen suchten, Christum als Verächter des mosaischen Gesetzes darzustellen. — Ein unmittelbarer Zusammenhang mit den vorhergehenden Worten läßt sich füglich nicht Nachweisen. C h r lifo stomus giebt als Absicht an, der Erlöser habe dem Verdacht Vorbeugen wollen, welchen die Erhabenheit der weiterhin gegebenen Vorschriften hätte erregen können, als sei es damit auf den Umsturz der alten Verfassung angelegt. Der äuct. operis impert*., dem sich Wlalbcnat anschließt, meint sinnreich, aber eben so wenig wahrscheinlich, es knüpfe sich die Rede an die vorhergegangene Erwähnung der ncda sgycc (guten Werke) und Christus wolle eßeri sagen, daß er in sofern nala sgya fordere, als er das alttestamentliche Gesetz noch mehr zu schärfen beabsichtige". So weit Thol u ck." Indessen lassen wir von unserem Standpunkte aus den tiefern dogmatischen Gehalt dieses erwähnten Verses , worauf schon die älteste Kirche zur Bekämpfung der antijudaistischen Gnostiker so großen Werth legte, auf sich beruhen und fassen nur den historisch-objektiven Inhalt ins Auge. Es leidet keinen Augenblick einen Zweifel, daß Jesus s p e ci e 11 die durch die Reformen H i l l e l s bei den meisten und bei den besseren und edlern des Volkes entstandene Furcht gegen jede Neuerung im Auge hatte, um sie mit Nachdruck zu bekämpfen. Dieses war auch allerdings unbedingt nöthig, um sich nur Eingang bei dem Volke zu verschaffen. Die theils leichtsinnige, theils verkehrte Art der reformatorischen Bestrebungen der Jünger Hillels, hat, trotz der Gunst des großen Haufens, trotz der Entscheidung der sogenannten „Tochterstimme" des ro, die Bessern eingeschüchtert und 23)Tholuck: philosophisch-theologische Auslegung der Bergpredigt Christi. Hamburg, 1833. S. 130 scq. 46

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.