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Der Orient · 1848-11-11 · Heft 46 (11.11.1848) · p. Seite 366

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 46 (11.11.1848)
Date
1848-11-11
Page
Seite 366 (sequence 11)
Language
German
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- 366 - Leipzig, 1; Nvbr. Altch in unserem jndenfeindlichen Sachsenlande läßt sich ättmälig ein Lichtschimmer der jüdischen Freiheit erblicken, und so winzig und unansehnlich 'er auch ist/'so' haltest wir ihn doch der Erwähnung werth , da er in einem Lande der tiefsten judenseindlichen Finsterniß erscheint. In dem neuen Wahlgesetze für'den sächsischen Landtag sind Juden als Wähler und wählbar zugelassen, so daß sie nun an Staatsämtern oder vielmehr an den höchsten politischen Rechten theilnehmen können. Der bizarre Gedanke also, mit welchem lange Zeit unsere sächsischen Spießbürger sich getröstet,' daß sie wohl für das einige deutsche Reich, aber nicht für jeden Bruchtheil des Reiches emancipirt sein werden , ist in Nebel zerflossen und die sächsischen Juden haben, vorzüglich durch die Bemühung des Ministeriums, die höhern politischen Rechte erlangt. In diesen Tagen hat aber diese Freiheit noch einen weiteren Sieg erfochten. In Dresden und hier traten die Wahlen zu den Stadtverordneten ein und nach der Zähigkeit dieser Städte waren jüdische Bürger ausgeschlossen, durften weder, wählen noch waren sie wählbar. In Folge einer Demonstration in Dresden, was nachher auch hier geschehen^ hat das Ministerium diese Wahlen flstirt und ein neues Gesetz für die Wahlen zu Gemeindeämtern, im Geiste des Wahlgesetzes, ausgearbeitet und in diesem Gesetze, dessen Emanirung man 'täglich erwartet, sind auch Juden zugetassen. Wien, 26. Oktbr. „Das Judenvolk ist republikanisch" ruft die Kamarilla in Olmütz aus; ,,wir müssen es ganz zu unterdrücken suchen". Thoren! Ihr habt die Revolution gemacht durch Euren Verrath an der Freiheit, Ihr habt den Juden Unterricht über die Vorzüge der Republik durch Euren Druck gegeben. 'Ja, die Juden sind die Barometer der Freiheit, sie fühlen, wenn sie im Sinken oder im Steigen ist, ob die Kälte Eures frostigen Herzens ruhig bei dem schändlichsten Verrath bleibt, oder ob die Wärme der Begeisterung die Brust des Volkes ausdehut, erweitert. Dlmütz, 1. Nvbr. In unseren Mauern, wo jetzt der gütige Ferdinand thront, darf kein Jude wohnen; in Kremfier, wo die Reichsversammlung tagen sott, sind sehr viel Inden. Dieser Widerspruch beschäftigt jetzt die thätigftcn Geister in Mähren. Doch behauptet man, die Kamarilla selbst wäre jüdisch, da sie sich so gut auf's Schachern und Betrügen versteht. Die Olmützer sollen einen panischen Schreck über dieses entdeckte Judenthum bekommen haben. Kremfrev, 1. Nvbr. Wir Juden hier fragten uns, wodurch wir es denn verdient,haben, daß die Rekchsversammlung in unserer Mitte einziehen werde? Diese Frage beunruhigte uns so sehr, daß die Gemeinde eine Deputation nach Olmütz an Wessenberg schickte, um sich die Aufklärung darüber zu erbitten. Der greise Minister Wessenberg sott der jüd. Deputation erwidert haben: „Meine Herren! Bereits die Pharaonischen Kamarillen waren Ihren Vätern Abraham und Jakob günstig; die Kamarillen sind überall gleich, ob am Nil oder in Olmütz." Leipzig, 2. Nov. Die Juden kn Oesterreich sind Deutsche: der Kampf der Deutschen in Wien gegen die Slawen ist auch ein Kampf der Juden. Die Leser werden es daher in der Ordnung finden, wenn wir folgende energische Adresse für die deutsche Sache auch in diesem Blatte mittheilen. Der Ausschuß des Deutschen Vaterlandsvereins veröffentlicht im ausdrücklichen Aufträge die folgende vom Vereine gestern einstimmig beschlossene Zuschrift: Ein hohes Reichsministenum kann cs als die Stimme des besten und gesündesten Theiles der deutschen Nation ansehen, wenn der Unterzeichnete Verein ihm hiermit versichert, daß die Maßregeln, welche unter dm schweren und furchtbaren Verhältnissen Oesterreichs und Wiens vom Reiche ergriffen worden, nicht allein als ungenügend, sondern mich als unmännlich und schwach allgemein betrachtet werden. Männer, deren deutsche und reine Gesinnung mehr als zweifelhaft ist, Zeitungen und Flugschriften, die im Solde der Reaktion stehen, haben sich freilich alle Mühe gegeben, das heldenmüthige Wien mit dem Gisse ihrer Verdrehungen, Verleumdungen und Lügen zu begeifern. Aber das deutsche Volk ist mündig geworden und durchschaut die Truggebilde der Lüge mit Leichtigkeit. Klar und bestimmt weiß Deutschland, weshalb Wien aufgeftanden, weshalb fast alle Deutsche in Oesterreich, Steiermark, Mähren und Böhmen die Sache Wiens als die ihrige betrachten. Wim ist aufgestanden, weil die Aristokratie und die Slawen den Kaiser moralisch gefangen genommen, weil mit Misbrauch des kaiserlichen Namens, bald unter dem trügerischen Scheine der Ordnung und des Rechts, bald aber auch mit -offener Verhöhnung der bestehenden Gesetze, Anstalten getroffen wurden, alle Deutsche in Oesterreich zu überwältigen, ihnen die kaum gewonnene Freiheit zu entreißen und das Kaiserreich zur tiefsten und schimpflichsten Entwürdigung des deutschen Namens, zu einem Slawenstaate zu machen, in dem die Aristokratie sich wieder breit und gewaltig erheben wollte. Nicht auf dasGcbot des Geistes und der Anarchie, nicht auf das Geheiß unreiner Gedanken und Leidenschaften, nur um deutsch, nur um frei zu bleiben, ist das heldenmüthige Wien aufgeftanden. Mit einem'kühnen Schlage zerriß Wien das grobe Netz, welches um das deutsche Oesterreich geschlungen werden sollte. Die kroatischen Horden, Räubern ähnlicher als ehrlichen Soldaten , kamen zwar, wie die Reaktion es bestellt, vor Wien, aber sie fanden die Stadt nicht, wie sie gedacht, im Schlummer, sie fanden sie waffmzerüstet und todesmttchig.

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