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Der Orient · 1848-11-04 · 45 (4.11.1848) · p. Spalte 717-718

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
45 (4.11.1848)
Date
1848-11-04
Page
Spalte 717-718 (sequence 7)
Language
German
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Studien. Sprichwörter im Talmud, 718 717 nie d'un eompagnie de nul; eompagnie de deux cumpagnie de dieux. Coiripapnie de trois eompagnie de rois. Compagnie de quatre eompagnie de diables“ (//Gesellschaft von einem ist nullvon zwei Gesellschaft der Götter; von dreien Gesellschaft der Könige; von vieren Gesellschaft der Teufel"). Ebenso spanisch. Hierzu finden wir im Talmud (Jalkut Kohetet S. 184b) einen Ausspruch, welcher in gewisser Beziehung das Entgegengesetzte ausdrückt. rpb nm Nmi^ p'DJ in prn -d Nn — .ndIw N"id Nnbn * nDLop nD nn * NfflD „Wenn Raba einen Einzelnen auf die Reise sich begeben sah, nannte er ihn Herr des Todes (d. h. es kann ihn leicht ein Unglück zuftoßen). Wenn zwei zusammengingen, nannte er sie Herren des Zankes. Wenn drei zusammengingen, nannte er sie Herren des Friedens" (d. h. wenn zwei in Zank gerathen sollten, so kann der dritte denselben vermitteln). Die eigentlich reflexiven Sprichwörter, die sich auf das Leben beziehen, finden sich ebenfalls in allen Sprachen gleich. Und es ist nicht uninteressant zu sehen, wie gewisse Sätze, die sich in finden von La Bruyere und Rochefoucauld ausgedrückt sind t ,,On doit — sagt Rochefoucauld (Maximes Nr. 397) — se consoler de ses fautes quancl on a la force de les avouer“ („Man muß sich über seine Fehler trösten, wenn man den Muth hat, sie einzugestehen"). Wir sehen in diesem Spruche nur eine Parallele von rniD'l DDTT DDJJl (Pröv. 28, 13). Der Unterschied beider Sätze springt in die Augen. Der Franzose, der frivole Zeitgenosse von Louis XiV., betrachtet die Sache von Seiten der Klugheit in Bezug auf den Eingestehenden, die biblische Stelle betrachtet die Sache von der rein ethischen Seite und in Bezug auf die Umgebung. „C'est une grand misere — sagt L a Bruyere — que de n'avoir pas assez d’esprit pour bien parier, ni assez de jugement pour se taire, voiia le Principe de fcout impertinence“ („Es ist ein großes Unglück nicht soviel Geist zu besitzen um gut zu sprechen, und nicht so viel Urtheil um zu schweigen. Hierin liegt das Princip aller Frechheit"). Dieser Ausspruch des französischen Denkers ist nur eine geistreiche Umschreibung von bw DJ) 3GWT DDH WnnD (Prov. 17, 28). Eine Stelle, die sich übrigens wörtlich bei Publius Syrus findet: Taciturnitas stulto homini pro sapientia est" („Schweigsamkeit gereicht dem Dummen zur Klugheit"). Die Anschauugen der Völker begegnen sich oft, in Bezug auf symbolische Bezeichnungen. So z. B. das französische Sprichwort: „Mail Le a maille se fait rHaubergon“. Die Talmudisten (Jalkut Jesaja §. 338) brauchen diese Anschauung als Gleichniß firniß n^bp) TlB'hp bs HD 'bl) p'HLS'b — „So wie beim Panzer sich Schuppe zu Schuppe im Panzer vereinigt u. s. f."9 9) Im Hebräischen heißt diese Art D'ApAp „Schuppenpanzer". Manche Anschauung bei verschiedenen Völkern in Bezug auf einen Ausdruck gewährt ebenfalls Interesse. So z. B. wenn Publius Syrus sagt: ,>Gravior est inimicus qui Jätet in pectore“ („Schwerer ist der Feind szu besiegen^, welcher sich in der Brust verbirgt"). Die talmudische Auslegung des Wortes (Joel 2, 20) stimmt mit dem lateinischen überein. Wir lesen im Midrasch (Jalkut Joel §. 535) folgende Worte: t^p) pTDN ^ISSifnNl fflN hw nbn JIDSty JHH *15P nr (’2 '2 — „Unter dem Worte i|t der Iezerhara (böse Leidenschaft) verstanden, welcher verborgen ist im menschlichen Herzen".10 So wie die Reflexionen im Ganzen sich gleich bleiben, so auch gewisse Anschauungen, die in der Natur keine Begründung habm, sondern in einer sabulösen Auffassung derselben wurzeln. Die Vergleichung solcher Anschauungen hat ebenfalls kulturhistorisches Interesse, und ist der Betrachtung nicht unwerth. Wenn wir z. B. im Talmud (Joma S. 63) lesen ND&G TND ,m) ,/R. Meir sah auf die Namen" d. h. er betrachtete dieselben, um eine gewisse Vorbedeutung herauszusi'nden, so ist -cs nicht uninteressant zu wissen, daß auch die Griechen und Römer viel auf das Omen Nominis (Vorbedeutung des Namens) hielten. Diese Superstition hat auch lange in der christlichen Welt hineingedauert. Es hat sich unter andern auch in dem französischen Sprichworte erhallen. iVattendez rien de bon d’un homme mal baptise*4 („Erwartet nichts Gutes von einem Menschen, der einen schlimmen Laufnamen hat"). Der Glaube an Ne ste l k n ü p fe n, welcher sich im jer. Sanh. K. 4 and im Largum Joncrtan zu den Worten ^b 3D17 D'Hil taCT (5 M. 24, 6) findet," ist sehr alt und findet fick auch bei Griechen und Römern und hat auch in der christlichen Welt nicht aufzehört. Im Französischen heißts 5,nouer l’aigui!ette‘c, und (3 u 111 a v b12 t)at in seinem Werke S. 24 einige sehr lehrreiche Notizen darüber gegeben. Vergl. auch Thiers (I. B.) Ti-aite des 10) Ebenso Jalkut Ezechiel S. 73 d. ib W rVW ijiD'Mfnp <<r 'mi jnn na’i?. So auch Sabbat S. 105. ni 11 k "p rPH1 üb DiN 121» Ninty jnn. — 11) Pur Philologen mag hier bemerkt sein, daß dTH hier euphemistisch (ipj) pj£/b) für Mann und Weib genommen ist. Q'>rp'"\ bedeutet den untern und den obern Mühlstein, wodurch das Sinnbild klar wird. Es existirt ein ähnliches französisches Sprichwort, welches dieselbe Anschauung enthalt: „l'en clurne de femme rompt tons marteanx“ (der Ambos der Frau zerbricht alle Hämmer). Diese Phrase findet sich in den Adages des Le Bon 12) Dirtinnaire etyniologique historique et aneedotiqne des Proverbes. Paris^ 1842, 8. Ein sehr lehrreiches Werk, für die deutschen Sprichwörter wäre ein ähnliches Werk fahr wünschenswerth.

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