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Der Orient · 1848-11-04 · 45 (4.11.1848) · p. Spalte 709-710

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
45 (4.11.1848)
Date
1848-11-04
Page
Spalte 709-710 (sequence 3)
Language
German
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709 Kritiken. Endliche JesnitenLüchlein. 710 entgegenzusetzen, indem derlei Machwerke hinlänglich durch die öffentliche Stimme und durch die den Kern der Völker bildenden^Nationalversamnilungen gerichtet sind, welchen letztern es ausschließlich heilige und dringende Pflicht ist, unsere Menschen- und Bürgerrechte, unsere Sicherbeit und Wohlfahrt kräftig zu wahren, und durch moralische sowohl als materielle Macht die wühlerischen und menschenfeindlichen Umtriebe der Judenfresser zu Schanden zu machen.') Aus diesem Grunde könnte es uns am Rathsamsten scheinen, daß wir unsererseits in der Emancipationsaffaire das größte Stillschweigen gegenüber den marktschreierischen Pamphletisten beobachten und das rpy n&yn .tW festhalten, weil wir hier im Rechte sind und auch unser Recht allgemein als solches anerkannt und vermuthlich in Bälde auch gewährleistet sein wird. Jedoch ist es von der andern Seite nicht ganz rathsam und zu billigen, daß wir unthätig und muffig die Hand in den Schoos legen und geduldig die Gewährung unseres Rechtes abwarten sollen, zu einer Zeit, in der mehr auf das lärmende Loben und Schreien und weniger auf stille und ehrliche Forderung gesehen und gehört wird. Und hieße es nicht einen Selbstmord an uns begehen, sollten wir bei den Schmähworten unserer Feinde gleichgültig bleiben, oder, nach einer hier passenden Metapher, uns beim Betten von Hunden passiv halten und der Gefahr aussetzen, von denselben in ihrer tollen Wuth tödtlich gebissen zu werden? Und wenn man auch das Unglück hat, eine ähnliche uns ungerechterweise mit Geifer und Straßenkoth besudelnde Schmähschrift, wie die vorliegende des Hrn. Endlich, in die Hände zu bekommen, so kann man unmöglich eines Gefühls dcr Indignation und Entrüstung Meister werden, und dann hascht man gierig .nach einer schicklichen Gelegenheit, um durch die Presse dieses Gefühl auch Gleichgesinnten mittheilen zu können. Jedoch revenons a nos moutons, lassen wir diese Raisonements und beschäftigen wir uns ein wenig mit unserem frommen Herrn Jesuitlein Endlich und seinem judenfresserischen Pamphlet. Dieses zerfällt in eine Einleitung und zwei Abschnitte; in der Einleitung sagt der Vers, einiges über Zweck und Tendenz seiner Broschüre, welches wir aber in folgender kürzerer Fassung geben können, nämlich „Ein Jesuitenbüchlein, enthaltend eine Apologie der mittelalterlichen Judenverfolgungen und ein Verneinungsvotum gegen Judengleichstellung." Ich rathe dem Verf., er möge den Reinertrag seines säubern Schriftchens, d. h. sub conditione wenn es möglicherweise noch Abnehmer fände, dem Jesuitenkollegium zukommen lassen möge, u. zuversichtlich werden ihm die treuen Schüler Loyola's den Jesuitenorden als Anerkennung seiner großen Verdienste um die Menschheit verleihen, und nur Bescheidenheit wäre es vom Vers., wenn er ihn nicht annähme, denn dem Verdienste seine Krone! Im ersten Abschnitte skizzirt Verf. die Judenverfolgungen seit Entstehung des Cyristen- *) S. hierüber unfern Aufsatz über den Schuselka'schen Antrag. Nr. 33. thums bis auf die neueste Zeit, und rügt den Ausspruch des Dr. Jost in seiner israelitischen Geschichte, daß „nur Raubgier und Unmenichlichkeit die Schandlhaten der mittelalterlichen Judenverfolgungen hervorgerufen," vielmehr findet der judenfeindliche Verfasser diese Verfolgungsscenen für durchaus recht und billig, weil nach ihm die „körperliche Kraft" im vollen Rechte war, indem sie einem Feinde galt <S. 16 f.) der „durch Christenmord und Hostienraub" (S. 17, 18 ff.) wirklich solche Behandlung verdiente" (!!!). Dann ereifert sich unser Jesuitlein (S. 24) über Mendelssohn und seine Anhänger, und er (der Jesuit) fühlt sich ganz bitterlich enttäuscht (sic!) über die von der Mendelssohnschen Schule in Aussicht gestellten Früchte der Judengleichstellung, und nach einem längern Geschwätz über die Betheiligung der Juden an Jndustrieanstalten, welche ihm ein Dorn im Auge zu sein scheint, geht er zum zweiten Abschnitte über. Im diesem schlittet Verf. seine ganze mit Judenhaß überladene Galle auf die Juden aus, und giebt sich alle erdenkliche Mühe, darzuthun, daß nur solche lumpige Judensrefferseelen wie z. B. die seinige, die Staatswohlfahrt dauerhaft befestigen, die Juden hingegen die Grundpfeiler des Staatsorganismus nur unterminiren und die christliche Welt verunglücken können. Dies ungefähr ist der langen Rede kurzer Sinn und was ein Straßenbube während der Tage der Pöbelwuth gegen die Juden in Prag u. Preßburg in wenigen Worten durch ein Straßenplakat ausgedrückt, das hat unser Herr Endlich in einer 80 S. starken Schmäh-, schrift durch acht Loyola'sche Beweismethode zu demonstriren gesucht, obwohl er sich durch langes und breites Hin - und Herreden den Schein geben möchte, daß es ihm hier um nichts Anderes als um pure Wahrheit und Gerechtigkeit zu thun sei; wir fragen daher wiederholt, verdient er nicht den Jesuitenorden erster Klaffe? Der Vers, möge auch nicht die Reisekosten nach der Themse scheuen, um mit seiner Excellenz dem Fürsten-Dä'mon v. Metternich ein freundliches Wort über die Judenfrage zu wechseln und fulminante Artikel gegen den „Entwurf der Grundrechte" in Frankfurt a. M. und Wien schleudern; wenn nicht in London beim Er-Minister und beim Jesuitenkollegium, so wird unser Judenfresser schwerlich mit seinen Denuneiationen anderswo Gehör finden, ausgenommen wenn er Lust bekäme nach dem Norden, ich meine nach St. Petersburg, zum Kaiser Nikolaus zu wallfahrten. Es freut uns und gewiß auch den Leser, mit der Kritik dieses Machwerkes zu Ende zu sein, und wahrlich ich möchte keinem Freunde eine so unerquickliche und langweilige Lektüre wie dieses Pamphlet zumuthen, und schließlich wünschte ich mit Börne das pium desideiium in Erfüllung gegangen zu sehen, daß derlei judensresserische Produkte als die letzte Flamme des Juddnhasses betrachtet werden möge, die noch einmal hell aufloderr, um gänzlich und auf ewig zu verlöschen. Amen. Fabius Mieses. 45

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