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Der Orient · 1848-11-04 · 45 (4.11.1848) · p. Spalte 707-708

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
45 (4.11.1848)
Date
1848-11-04
Page
Spalte 707-708 (sequence 2)
Language
German
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Kritiken. Endliche Jesuitenbüchlein. 707 scheint. — Zwischen Bl. 32 und 33 des obengedachten Buches rrö b.ip'i ist ein Kupferstich in fol. beigegebcn, worin die xwip 'Np’njn NniJDvn'Mpn wpn -d. i. das sog. System des heiligen Bartes Gottes, welcher letztere nach kabbalistischer Weise höchst subtil aus den OM hergeleitet wird, abgedruckt ist. —- (Fortsetzung folgt.) Kurze Anzeigen. 30) Der Einfluß der Juden auf unsere Zivilisation, mit besonderer Rücksicht aus Jndustrial-Anstalten von Joh. G. Endlich. Wien, 1848, 8. Unter den Judenfeinden, oder was synonym ist, unter den Gegnern der Judengleichstellung, giebt es heutzutage verschiedene Ansichten, Parteien, Klaffen und Sekten, (der Leser wird ersucht, das Wörtchen „In" hinzuzufügen) die aber in drei Hauptabtheilungen zerfallen, und deren jede etwas Anderes zur Begründung ihrer inhumanen Sache vorbringt. Die eine, welche wir die tradionell-mittelalterliche Partei nennen wollen, vertritt die Meinung der orthodox-katholischen Kirche, die von dem Grundsätze ausgeht, daß nur die strengen Anhänger der Lehre Christi sowohl hirnieden als jenseits glücklich und selig werden können, und die den Juden aus dem staatlichen Verbände dadurch ausgeschlossen sehen möchte, nicht weil Jude und Mensch, s-ondern weil Antichrist und Ungläubiger. Diese in der Vergangenheit des kirchlichen Fanatismus und der Intoleranz wurzelnde Meinung ist unseres Erachtens die ehrlichste unter allen sich in neuester Zeit kundthuenden judenfeindlichen Gesinnungen, weil sie, voll einer subjektiven, wenn auch grundfalschen Ueberzeugung durchdrungen, unumwunden und offen das praktische Leben verwirklicht zu sehen strebt, was sie in der Theorie als individuell und subjektiv wahr anerkannt, und sich keiner schönen Phrasen und Sophismen und anderer hie und da gegen Juden gebrauchten jesuitischen Kniffe bedient, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Anders aber verhält es sich mit einer andern judenfeindlichen Partei, die wir mit dem bezeichnenden Namen „modernen Jesuitismus" betiteln können. Dieselbe vertritt zwar scheinbar das christliche Princip und spricht oft von ihrer Lieblingsidee, dem „christlichen Staate," welches leitende Princip die Repräsentanten dieser Partei und das pieristische Ministerium auf dem Berliner Landtage 1847 gegenüber den gerechten Forderungen der Judenemancipation geltend machten z allein das absichtlich und unehrlich in den Vordergrund geschobene christlichstaatliche Phantom, verbirgt im Hintergründe die alte giftige Schlange des Glaubenshasses und der Unduldsamkeit. Ja, wenn man das Wesen der Form ganz entkleidet und die reine nackte 'Wahrheit hinter der glleißnerischen Hülle von frömmelndem Pietismus anblickt, so erkennt man es gleich, daß nur ma- 708 terielle Interessen und egoistische Sonverzwecke die alleinigen Beweggründe der Verfechter dieser unlautern falschen Theorie bilden, und daß die Rädelsführer dieser fanatischen Schaar nicht durch und von religiösen Ideen und Principien durchdrungen und geleitet werden, sondern hauptsächlich von selbstischen Interessen, vonKrämer- und Zunftgeist. Gott lob, daß mit dem Sturze der alten Regierungsformen und der machiavellistischen Sündenherrschast auch diese vernunftwidrige Ansicht von Staat und Religion zu Grabe getragen ist, und man vielmehr allgemein zu der gegründeten Meinung gelangte, Staat und Kirche seien zwei heterogene Elemente, welche nicht in ihrer gänzlichen Verschmelzung und gegenseitigen Assimilation , sondern in ihrer Trennung und Gebietsabgrenzung friedlich neben einander bestehen können und müssen, und daß man eben nicht nothgedrungen an die Dreieinigkeit glauben und Schweinefleisch essen müsse, um einen guten treuen Bürger und Staatsmann abgeben zu können. Allein eine dritte judenfresserische Partei hat in neuester Zeit ihr Hydrahaupt erhoben, und drohet die Juden sammt und sonders zu verschlingen. Wir wissen wahrlich keine sattsame Bezeichnung und Charakteristlkon, um die Schandthaten und niederträchtigsten Anschwärzungen der Juden, mit welchen säubern Produkten die sreigewordene Presse uns in Hülle und Fülle täglich regalirt, gebührlich zu bezeichnen. Denn nur solche die junge Freiheit schändende Schmähschriften und Plakate sind unzweifelhaft Schuld an den jüngstens an manchen Orten verübten Judenverfolgungen und Exceffe, da sie nur darauf berechnet waren, lheils mittelbar Iheils unmittelbar und offen den Vernichtungs- und Auöschließungskrieg gegen die unschuldigen Juden zu predigen, welche Aufreizungen der niedern Volksklaffen nur die größte Entrüstung und Verachtung von Seiten der europäischen Menschheit hervorgerufen haben. Wir wollen aber kein Wort mehr über die bekannten Vorgänge hier verlieren, man braucht nur die traurigen Blätter der Geschichte des Mittelalters aufzuschlagen, und man wird schwerlich einen andern Differenzpunkt zwischen den mittelalterlichen und den neuesten Verfolgungsseenen ausfindig machen können als den, daß jene bei weitem ehrlicher und religiöser geführt waren, diese hingegen unmenschlich, kannibalisch und räuberisch zu Wege gebracht und ohne die mindeste religiöse Ueberzeugung angezettelt wurden. Ich glaube, es ist überflüssig das Gesagte durch Beispiele zu erläutern, exmuplu. sunt odiosa, und ausführlicher habe ich dasselbe anderswo besprochen.") Hier nur glaubt Rest im Namen vieler Gutgesinnten die Bemerkung aussprechen zu müssen, daß es eigentlich von unserer Seite ganz nutzlos und überflüssiges Abmuhen wäre, gegen all die gehässigen, judenfrefferischen Verdächtigungen und Beschuldigungen der im Solde der reaktionären Partei stehenden Plakat- und Pamphletschreiber viele Vertheidigungsworte und Verwahrungen *) S. unfern Artikel im Orient l. I. Nr. 12 datirt Brody, „über Judenemancipation und Judenverfolgung."

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