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Der Orient · 1848-11-04 · Heft 45 (4.11.1848) · p. Seite 358

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 45 (4.11.1848)
Date
1848-11-04
Page
Seite 358 (sequence 11)
Language
German
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358 den Annalen Mährens muß. Proßnitz als Schandmal hingestellt werden L Leipzig, 25. Oktbr. Heute fand hier die erste öffentliche Prüfung der unter Leitung des Predigers Jellinek stehenden jüdisches.Religionsschule statt.. Der Oberrabbiner Frankel und das.Schnlkomite wohnten der Prüfung bei und erfreuten sticht an -dem Gedeihen des jungen Instituts. — Adv. K a i m hielt diese Woche einen Vortrag über Schwurgerichte. — Dr. H irsch el in Dresden ist zum Abgeordneten für den Demokratenkongreß in Berlin gewählt worden. — In Berlin selbst traf die Wahl den bekannten Doeenten Oppenheim. Oesterreichische Nebenlander. Pesth, 19. Oktbr. 4000 Juden aus Pesth und 1000 Juden aus Ofen zogen im Landsturm gegen Jellachich. In einem Plakate haben die Juden sich selbst angeboten , gegen die Feinde mit ihren christlichen Mitbrüdern in Gemeinschaft zu ziehen. Die jüdischen Freischärler'waren von Kampfesglnth beseelt, und zeigten im Gegensätze zu den Siebenbürgen, daß sie nicht um Rechte feilschen und mäkeln, wenn das Vaterland in Gefahr ist. Noch hat Israel seine Rolle in der Geschichte nicht ausgespielt.. Krcrkcru, 6. Okt. Die Munieipalwahleu sind beendet und die Majorität der gewählten Juden ist im Sinne der Neuzeit ausgefallen, in dem unter 13 jüdischen Mitgliedern?—8 entschieden der Fortschrittspartei angehöreu, wie z. B. die HH. Adler, Warschauer, Markusfeld, Krzepicki ( welcher auch als aktiver Beamter mit einem jährlichen Gehalte von 800 Thalern angcstellt wurde), Mendelsohn, Blumenstock re. EZ läßt sich natürlich hoffen, daß bei diesem Stande der Dinge die gebildeten Gemeiudemrtglieder mehr und inehr aus Ruder gelangen können und ersprießlicher und muthvoller auf die hiesigen jüdischen Zustände und Gemeindeaugclegeuheiten inflnireu werden. Es uruß überhaupt. viel und vieles gethau werden, um der hiesigen Kehilla aus ihrer materiell und intellektuell gesunkenen Lage herauszilhelfeu, namentlich muß zuvörderst um die Aufhebung vieler alter Ausnahmsgesetze und um Erweiterilug der Handels- und Wohuuugsrechte in allen Theileu des Gebietes angegangen werden, wie auch auf Vergrößerung und Vermehrung der jüdischen Elementarschule!, und sonstigen nützlichen Anstalten eifngst gesorgt und hingewirkt werden, denn nur durch güte Erziehung in der Schule kann die neue Generation zur Bildung und Vervollkommnung gedeihlich emporblnhen und zu tüchtigen Staatsbürgern herangebildet werden. Unser ,, Verein zur Forderung der geistigen und materiellen Interessen der Indenbesteht noch in seiner ganzen Glorie und erfreuet sich einer vergrößerten und zunehmenden Theilnahme von Seiten des besseren Theils der Gemeinde, trotzdenl daß einige im Finstern schleichende religiöse Reaktionäre kein Mittel unversucht lassen, um ihn zu sprengen oder wenigstens zu. verdächtigen. Das Verhältuiß unseres sogenannten Rabbiners M. zum Verein scheint kein freundliches zu sein, weil er keine Kontrolle über seine Handlungen von demselben dulden mag, wie er überhaupt vermöge seines unersättlichen Ehrgeizes und seiner Ruhmbegierde citt non plus ultra im Staate sein möchte und wie jener despotische König ausrnfm l’etal c’est mol! Allein er fängt allmälig selbst an einzusehen, wie sehr er sich durch sein ungeschicktes Benehmen in allen Gemeindeintcressen die Herzen fast aller Klassen der Gemeinde entfremdete, und wie tief er in der allgemeinen Meinung gesunken. Wenn wir dieses alles und zugleich die mißlichen Privatverhättnisse berücksichtigen, in denen er seit längerer Zeit sich befindet, fühlen wir uns unwillkührlich mehr zum Bedauern und Mitleid als zur Rüge und Bekrittelung seiner rabbünschen Amtsthätigkcit geneigt; ich .befolge zwar die Maxime, /n -pNW, die Feinde des wahren geläuterten JudenthumS und der freien fortschreitenden Entwickelung der Juden muß man mit aller zu Gebote stehenden Macht bekämpfen, allein von rachsüchtigen Schritten, von Bekämpfung der Personell nicht ausschließlich als Repräsentanten der zu bestreitenden Prinzipien, will ich mich stets' fern halten; denn die Person mit oder ohne Ergenthum ist uns heilig; also über M. kein Wort mehr, denn, de inortuis nihil nisi bene! Brsidy, 15. Okt. Hier ist Alles in höchst freudiger Stimmung über die endliche Aufhebung der schmachvollen Judenstenern, die bereits der Reichstag durch Beschluß sanktionirte. Es ist hiermit, wie Minister Kraus bemerkte, der erste Schritt zur völligen Emaneipation geschehe , und mit gespanntester Erwartung sehen wir der Diskussion im Reichstage über den ,,Entwurf der Grundrechte " entgegen, wo der Name Jude nicht vorkommt und nur Mensch und Menschenrecht dessen Stelle vertritt. Unser Deputirter Mannheimer ließ von sich endlich hören, und seine am 26. v. M. gehaltene Rede über Abschaffung der Jndensteuern hat ihm hier alle Herzen, selbst die seiner Gegner gewonnen, und befestigt uns in der gerechten zuversichtlichen Erwartung, daß er auch in der bevorstehenden Debatte über §15—17 Art.! der „Grundrechte" sein bekanntes rhetorisches Talent beurkunden und glänzenden Sieg erndten wird. Fabius. Polen und Rußland. (Fortsetzung.) Unter den größten Banquierhäusern Odefsa's sind zwei jüdische, Ephrussi L Comp. (Trachtenberg) und Raffalowictz, die einen europäischen Namen haben und die sich lvegen ihres reellen und . soliden Ge-

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