Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1848)
- Date
- 1848-11-04
- Page
- Seite 357 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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357 Menschen athmcnde Biographie Henrek Wergclands, jenes edlen Judenfreundes, jenes unerschütterlichen norwegischen Kämpfers für Glaubensfreiheit, dem die schwedischen Juden neuerdings in dankbarer Erinnerung seines Verdienstes ein Denkmal gesetzt haben. Die folgenden Nummern dieser neuen Zeitung enthalten verschiedene geistreiche Originalaufsätze uub mehrere gediegene Übersetzungen. Wir glauberr dies Unternehmen um so mehr empfehlen zu müssen, da der 'nordische Telegraph das einzige Journal ist, das steh speciell mit dem geistigen und sittlichem Leben, mit der Literatur und der Kunst der nordischen, dem Deutschen sprach- und stammverwandten Volker beschäftigt. Rf. Hamburg, im Oktbr. Im vorigen Monate wurde folgende Zuschrift an destiuguirte Männer von hier erlassen, und wahrscheinlich haben anderwärts bekannte Männer auch solche erhalten. Ich theile sie hier mit. - ,,Hochzuverehrender Herr! Die lebhafteTheilnahme, ^welche Sie den Angelegenheiten des Judenthums zu widulen gewohnt sind, bestimmt uns, folgende ergebenste Mittheilung au Sie zu richten. Am 30. August dieses Jahres trat in hiesiger Stadt eine Anzahl hiesiger ttnb auswärtiger Männer zusammen , um über die Nothwendigkeit einer zu berufenden allgenieinen israelitischen Synode in Berathung zu gehen. Die Dringlichkeit dieses, wie uns scheint, einzigen Mittels, der: sich neu bildenden Staatsverhältnissen gegenüber das jüdische Gemeinwesen vor Auflösung zu bewahren und dem Judenthume auf dem Grunde des Gcmeindewillens eine zeitgemäße Gestaltung zu geben, wurde' allseitig anerkannt, ebenso aber auch die unumgängliche Vorbedingung, daß zuerst Freunde des Fortschritts, Männer von religiöser Gesinnung und gemeinnützigem Streben im Laufe dieses Herbstes noch zusammentreten mögen, um jener wichtigen Angelegenheit durch Entwerfung von Statuten, durch Bezeichnung des Wahlmodus, überhaupt durch geeignete Vorarbeiten eine sichere Grundlage zu verschaffen, tvorauf sodann im Frühjahre 1849, nachdem im Laufe des Winters die gesetzliche Stellung der jüdischen Religions-Gemeinde zum Staate festbestimmt sein und die in Rede stehende Angelegenheit durch Gemeinde- und Bezirksversammlungen im Volke Boden gewonnen haben wird, die Synode in hiesiger Stadt abgehalten werden soll. Es wurden demgemäß folgende Beschlüsse gefaßt: 1) Eine v orberathende Versammlung soll im Laufe dieses Herbstes veranstaltet werden; 2) Man wendet sich zu diesem Zwecke privatim an bestimmte Männer, um sich ihrer Theilnahme an einer solchen Vorversammlung zu versichern; 3) Diese Männer sollen Gleichgesinnte in ihren Gemeinden oder Umkreisen einzuladen gebeten werden; 4) Sobald man sich einer genügenden Anzahl von Theilnehmern auf dem Privatwege versichert hat, soll dies den israelitischen Gemeinden Deutschlands durch die öffentlichen Blätter mitgethcilt werden, damit dieselben schon an der vorberathenden Versammlung durch Hierhersendnug von Vertretern sich betheiligen können. Wir glauben durch letztere Bestimnlung jeden etwaigen Vorwurf der Eigenmächtigkeit von uns fern zu halten und der Sache den Charakter der Allgemeinheit von vornherein zu sichern. Auf den Grund dieser Verhandlung nun sind die Unterzeichneten mit dem Aufträge beehrt, Sie, hochgeschätzter Herr, auf Montag den 23. Oktober d. I. hierher einzuladen und Sie zu bitten, gleichgesinnte Männer in Ihrer Umgebung dahin zu bestimmen, daß sie sich gleichfalls durch ihr Erscheinen dahier an der Grundsteinlegung eines Werkes betheiligen möchten, auf welchem allein, wie wir überzeugt sind, das jüdische Religions- und Gemeindewesen zu neuer Dauer und Festigkeit sich wird erheben können. Wir bitten Sie ergebenst, uns zonächst JhrenEntschluß, ob Sie zu der bezweckten vorberathenden Versammlung sich einzustnden gesonnen sind, dann aber auch Ihre Ansicht über den in Rede stehenden Gegenstand überhaupt, binnen vierzehn Tagen Empfange dieses Briefes an um so sicherer mittheilen zu wollen, als wir nach Punkt 4 der obigen Beschlüsse gehalten sind, noch einige Wochen vor dem bezeichneten Termine die öffentliche Aufforderung ergehen zu lassen. Hochachtungsvoll zeichnen Dr. Jakob Auerbach. Leopold Beer. Dr. Formstecher. Moses B. Goldschmidt. Dr. I. M. Jost. Louis'Lotmar. Rabbiner Stein. Dr. Jakob Weil. Frankfurt a. M. Prag- 24. Oktbr. Unsere Czechomanen, d. h. zugleich die freiheits- und judenfeindlichen Männer jubeln über Mc Gefahr, in der Wien schwebt. Sie sehen schon im Geiste, das neue Gebäude der Freiheit zusammenbrechm und die rothwciße Fahne auf allen Punkten der Monarchie wehen. Wehe uns als Deutsche und als Juden, wenn die Czechomanie zur Herrschaft kommt! Der nationale Fanatismus ertöbtct jedes höhere Streben nach wahrer Freiheit. ProHnitz, 12. Oktbr. Am Sabbat Schuba erlebten wir einen sehr traurigen Tag. Die rohen Slaven fielen in die Judengassen ein, beseelt von den gemeinsten und niederträchtigsten Gesinnungen. Wir wollen auch den Deutschen keine Lobrede halten; allein sie sind doch frei von der Rohheit und der Barbarei der Slaven. Unser Depntirter am wiener Reichstag hat seine Antrittsrede des Judenhasses bei der Judensteuer gehalten. Nun gehört unsere Gemeinde zu den gebildetsten Mährens; es ist-dies ein Moment, das eine wichtige Lehre für uns enthält. Wo blinder Judenhaß, rohe und mordtustige Gesinnungen herrschen, da kümmert man sich wenig um Bildung und Aufklärung. In