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Der Orient · 1848-10-28 · 44 (28.10.1848) · p. Spalte 695-696

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
44 (28.10.1848)
Date
1848-10-28
Page
Spalte 695-696 (sequence 4)
Language
German
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695 Studien. Geschichte der jüd. Literatur in Babylonien. 696 Geschichte der jüdische» Literatur in BabylorrSen. Eine Skizze von Dr. Julius Fürst» Zehntes Kapitel. (Fortsetzung.) d) Die eigenthümliche, ober in der Mischen Chronographie gewohnte Weise,.die talmudische Periode nach Geschlechtern oder Menschenaltern (Generationen) zu berechnen und vorzuführen, d. h. die Spaltung der großen Zeitgruppe dieser Periode von 310 Jahren in kleinere Zeitabschnitte nach Geschlechtern (Doror). soweit die Kette der Rektorenfolge an den Hochschulen als Anhaltepunkte dienen konnte» Diese Zeitmessung wurde um so eher gang und-gäbe, als schon das jüdische Alterthum unter Dor oder Geschlecht einZeitmaaß verstanden.9^) Mit der talmudischen Periode, deren Anfang, wie gesagt, der Abschluß des Mischnawerkes und die Heimkehr Rab's nach Babylonien um 188 n. Chc. bildet, beginnt die Reihenfolge der Epigonen der Tannaiten 957), nämlich der 2Cm o.täer 958), das heißt der Dolmetscher, welche die Mischna's, Barajia's und Tosifta's auslegten und daraus die traditionellen Lehren entwickelten, ohne, wie früher die Tannaiten, 956) So alle Chronographen, und selbst diejNamen ihrer Werke (z. B. Dorot 'Olam, Kore ha-Dorot, Seder Ha-Dorot) sind in Bezug auf ihre Zeitrechnung nach Dorot oder Geschlechtern bezeichnet. Schon die Schrift (Gn. 15, 16) gebraucht Dor (Geschlecht) als Maaß eines Zeitraumes, und zwar in der israelitischen Vorgeschichte als Inbegriff von 100 Jahren (vgl. Gn. 15, 13 mit Ex. 12, 40), ganz wie das altlateinische seculum ursprünglich ein Menschenalter (Dor) und dann erst als Complex von 100 Jahren gebraucht wird (Censoi'in. de die natali c. 17). In der jüdischen Geschichte nach dem Exil begriff man unter Dor nur den kurzen Zeitraum von 30—40 Jahren (Ijjob 42, 16), ganz wie man in späterer Zeit ein Menschenalter, eine Generation sich dachte. Die jüdische Apokalyptik, welche mit Daniel beginnt, hat neben ihrer eigenen Zeitmessung auch die nach Dorot, ebenso die Mischna, die Midraschim, die Talmuden. Saadsa in seinen Emu not (siehe die Religionsphilosophen des Mittelalters u. s. w. von I. Fürst 1. S. 384 flg. Anm.) gebraucht in der Bedeutung von «eeulum, während "in ihm die kürzere Zeit ist. — 957) Der 'Aruch (ed. Landau l. S 97) sagt ausdrücklich: psnpj nriN\ jniNi jwn ptopj wop Pnidn. — 958) In Seder Tanna im (1.!. p. 189) heißt es nach Lesart des Machasor Vitry: „Der Beginn der Amoräer ist Rah und Samuel in Babylonien und R. Jochanan mit Resch Lakkisch in Palästina", und in dieser Weise haben es auch die übrigen Chronographen, so daß über die Anfangszeit der Amoräer kein Zweifel obwalten kann. Gewöhnlich ist auch diese Periode bei den Chronographen überschrieben mit den Worten DWIDN' T7D. — zum Aufheben alter oder zur Einführung neuer Satzungen berechtigt zu stin9^)-. Man zählt in dieser Periode sieben 959) Ueber den Namen Amora (n~)1DN).würben mancherlei zum Theil sonderbare Erklärungen gegeben, ungeachtet über die Grenze der Amoräer kein Zweifel vorhanden war. Im Targum (zu Jjjob 3, 18) bedeutet Amora schlechtweg: Lehrer, Ausleger. Der Aruch (I. c.) versteht unter Amoraim „Männer, die traditionale Aussprüche und Lehrsätze mitthei- (NNQ'Q '^>y2 pt-niDN pNlp:), d. h. die blos bereits fertige Memra's vortragen, was höchst wahrscheinlich Atting (Histoiia Academiarum Judaicarum) bei seiner Wiedergebung das Wortes Amora durch yvcofioXoyos vorgeschwebt haben mochte. In der Methodologie Halichot Dlam wird Amoraim (DW1DN)/ Betracht, daß mir denselben die Horaa (riN^in) beginnt, als von gleicher Wurzel mit Horaa gedacht, und t)\\niDN s. v. a. cp^-ilD oder D'HID erklärt. Aus Raschi zu Baba Mezi^a 86 a, wo er über die Thätigkeit der Amoraim sich klar mit folgenden Worten ausspricht: nnvi n!? orpo1 ~ty pN-noNn by riNun rwon Dyoa n^Ntso nW nirnßo n^n non by n-ic.1 in |idd pm yiiNDn rwyo by rbm in tmnn n_p3 wyv ID IN iriNl HIN bl “inm ~»DN, können wir höchstens entnehmen, daß er sich -,aN als Wurzel dabei gedacht. Die Uebersetzung des Wortes Amoraim von Scaliger durch „Sophisten" (de eniendatione temporum 614), oder von Barto lo ccr (Kibl. 1<abb. NI. p. 663) durch „Disceptantes“ d. h. die in scholastischer Weise mit einander disputiren, ist mehr auö der talmudischen Methode willkürlich herausgedeutet. Die einzige richtige Erklärung ist jedoch die, welche schon der Talmud selbst (Ioma 70b) indirekt giebt, wo es mit Meturgeman, d. h. Dolmetscher, gleichbedeutend ist, mit dem Unterschiede, daß Meturgeman der Dolmetscher der Bibelsprache und dieser der Institutionen und Lehrsätze der Mischna, die in spathebräischer Sprache abgefaßt sind. Das mischnäische nNHp (ib. ib.) hat Nab als Amora in aramäischer Sprache durch ft-QJ) JOp wiedergegeben. Indem ein solcher Amora das Hebräische der Mischna in der Volkssprache übersetzt und zum Theil noch dazu erläutert und entwickelt vorträ'gt, und die talmudischen Lehrer sich überhaupt der Mischna gegenüber nur als solche Dolmetscher und Interpreten angesehen, hießen sie darum Amoräer. Raschi sagt zur Stelle (Ioma l e.): vjr^ iQiyn jcmno N*HDN Djnno Nim nnnj; ]ib6 wnh Drinm D^n pj/Dil# bW~ ptc6 D'm!?. In Chullin 84 b schwanken zwar Raschi und 'Aruch, ob „Amora" durch „Zunge", womit man spricht, oder durch Meturgeman (Dolmetscher) wiederzugeben wäre; allein beide wissen es auch dort, daß Amora gewöhnlich Dolmetscher bedeute. Von dieser Grundbedeutung ausgehend, konnte das Targum es für Lehrer und Ausleger setzen. Die Chronographen (s. Seder Ha-Dorot 44 a) geben in diesem Sinne die specielle Erklärung desselben: „Man nennt sie Amoraim, nach den im Talmud in der Formel mby NTiDN splN üblichen Bedeutung, d. h. Dolmetscher; denn seit dem Abschlüsse der Mischna's und Barajta's stand kein Gerichtshof mehr auf, der ihre Worte aufheben konnte, sondern man konnte, sie nur deuten. Sie heißen deshalbAmoraim d. h. Dolmetscher". Zu bemerken ist übrigens noch, daß obgleich sämmtliche Lehrer dieser Periode Amoraim geheißen, es noch manche vorzügliche Lehrer gegeben, die Amora als Ehrenname trugen, wie es doch bekanntlich mit „Rabbi, Rab" derselbe Fall war. Rabba und Josef hießen die Amoräer Pum-Badita's schlichthin (Sanh. 17 b), Chama

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