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Der Orient · 1848-10-21 · 43 (21.10.1848) · p. Spalte 683-684

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
43 (21.10.1848)
Date
1848-10-21
Page
Spalte 683-684 (sequence 6)
Language
German
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683 684 Studien. Biographie Hillel's. Von Dr. Biefenthal. Nächsten etwas geliehen hat, der soll es nicht einmahnen von seinem Nächsten, oder von seinem Bruder, denn es heißt ein Erlaßiahr dem Herrn .... V. 9: Hüte dich, daß nicht Ln deinem Herzen ein Belialstück sei, das da spreche: es nahet heran das siebente Jahr, das Erlaßjahr- und sehest deinen armen Bruder unfreundlich an und gebest ihm nicht, so wird er über dich zum Herrn rufen, so wirst du es Sünde haben". Deutlich und unverholen schildert uns der Talmud den damaligen bürgerlichen Zustand, der durch die erwähnten mosaischen Gesetze herbeigesührt ward. „Hillel sah, daß jeglicher Kredit geschwunden war, Einer wollte dem Ander« nichts leihen, weit jeder sich fürchtete, daß der Schuldner von den Gesetzen des Erlaß; ah res Gebrauch machen möchte, und dadurch übertraten sic die Worte des Gesetzes „hüte dich, daß nicht in deinem Herzen eine Belialstücke sei." Was that Hillel? Er gab ein Gesetz, das dem Nebel abhelfen sollte, nämlich, daß jeder, der eine Schuldforderung hatte, sie vor dem Beginn des Erlaßjahres bei dem Gerichtshof einregisteriren lassen sollte, damit derselbe sie eintreiben solle. Das Gesetz sagt nur: „Er, der Darleiher, soll nicht mahnen seinen Nächsten", aber nicht, daß der Gerichtshof solches nicht (hun darf.7 Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß diese Verordnung Ln Betreff des Erlaßjahres nichts weiter war, als eine Beschönigung der Uebertrelung der Gesetze, die man öffentlich und unumwunden abzuschaffen sich gescheuet hatte. Indessen hatte die Verordnung dennoch das Gute gehabt, den allgemeinen Kredit zn heben, und der Handel scheint, dadurch wieder in Flor gekommen zu sein. Auch Hille ls eigene Familienverchättm'sse scheinen sich hierdurch gebessert zu haben. Durch die Mildtha'tigkeic seines dem Handel ganz ergebenen und vermögenden Bruders hinlänglich unterstützt, errichtete er eine Schule, die bald die frequenteste wurde. Von der außerordentlichen großen Anzahl seiner Schüler werden ganz besonders a ch t z t g erwähnt; I o n a t a n der Sohn Usiels wird als der bedeutendste derselben angegeben." Hillel in der Schule der Entbehrung und Armuth erzogen, alle Verhältnisse des bürgerlichen Lebens aus eigener langjähriger Erfahrung kennend, suchte er überall reformatorisch, die Strenge des'mosaischen Gesetzes sowohl, als die der pharisäischen Satzungen mildernd, einzuschreiten. In babylonischer Schule, außerhalb des jüdischen Reiches gebildet, sah 7) Giltin 37 a. Schebiit Kap. 10: DniTin p m\% HT ns m nt>rbü Dyn rw nmw jprn fen j'pnnw nm rrrp p n?mn rninn mrop no ^>y rayi ni bw idu Nin nn; Vdddd ppnnp noy po1? Dy im biw DipDDty pmn 'uÄd dd^ \noiD ^dhd 'di nanN&y-?öt hi udjnw ute bss 'b ww. — 8) Sota 21: mira poy bbh , nn tin snun hbn NpDy noy iwm. 9) Sukka 28: fru jprn bbnb ib n\n on^n d^to nn ]^D2jy ]Dp , bmy p jrw ]biD3is\ er sehr oft, wie die jüdischen Eeremonien und Gebräuche in ihrer Praxis, bei jeder Gelegenheit, rheils mit dem wirklichen Leben, theils mit den staatlichen Verhältnissen in Konflikt gerathen. Die früHern auswärtigen Lehrer haben dieses wohl gefühlt und suchten daher auch mehr oder weniger ihre Jünger für resormatorische Ideen empfänglich zu machen. Auch gegen die Heiden, unter denen sie lebten und deren staatlichen Schutzes sie sich zu erfreuen hatten, waren sie viel milder gesinnt, als die Lehrer in Palästina. Das Pharisäerthum daselbst, obgleich unter römischer Botmäßigkeit, hatte doch noch seinen eigentlichen väterlichen Grund und Boden, den es sein nennen konnte, und beharrte daher auch in seiner Unduldsamkeit und Starrheit. Das Gesetz knechtete das Volk, cs seufzte und keuchte unter dem Druck desselben und dennoch wagte es nicht nach dem Geiste des Gesetzes zu forschen, sondern strebte vielmehr dasselbe zu umgehen. Es ist dies schon eine alte Bemerkung, die Plato irgendwo ausspricht, daß ein Volk, das die Gesetze nicht abzuschütteln, sondern zu umgehen sucht, feig und demoralisirt ist. So war es damals in Palästina. Außerdem war auch schon deshalb, bei der großen Unwissenheit, die damals in Palästina herrschte, um so weniger an eine durchgreifende Reform zu denken möglich gewesen, als die Religions - Volkslehrer selbst das Wesenlliche von dem 'Unwesentlichen in den mosaischen Gesetzen kaum zu unterscheiden wußten. Unter solchen Umständen war es für H i l l e'l keine kleine Aufgabe sich Autorität Behufs so mancher Reformen, die er zum Wohle des Volkes einzuführen gedachte, zu verschaffen. Als einen seiner Hauptgegner nennt uns die Geschichte einen Mann Namens Schammai, der sich zwar eben so gut wie Hillel des Unterrichts jener beiden Proselyten, S ch e m a j a und Abtaljon, zu erfreuen hatte, aber dennoch nur wenig von der milden Gesinnung dieser Lehrer sich angeeignet haben mochte. Mit zelotischem Eifer hing S ch a m m a i an den Satzungen der Pharisäer. Das mosaische Gesetz war ihm das höchste, und nächst diesem der Jude und das Judenthum. Jedem Heiden, der sich zur Annahme des Judenthums geneigt zeigte, suchte er durch die Darstellung der großen Pflichten, der Menge der Gesetze und der Eeremonien, die einem Juden obliegen, von der Annahme desselben abzuschrecken. Als nun eines Tages ein Heide zu ihm kam und um Aufnahme in das Iudenthum ihn anging, unter der Bedingung, das Wesentliche desselben, während er, der Heide, sich auf einem Fuße halten könne, zu erfahren, stieß ihn Schammai mit dem Baumaß, das er in der Hand hatte, von sich, während der biedere und umsichtige Hillel ohne Bedenken den Heiden in das Judenthum aufnahm, ihn als das Wesentlichste desselben lehrend „wa s du nicht willst, daß man dir th ue, das t h u e, a u ch nicht deinem Nächsten".^ Ein anderer Heide 10) Sabbat 31a: V|p aaP nHN1 nDp ntPyD IM nbn minn to \nobntp mo bynmrn^ ncN wdw *a , iT2w pan ddnd 10m by n^y mns&o

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