Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 43 (21.10.1848)
- Date
- 1848-10-21
- Page
- Spalte 685-686 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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685 Studien. Dec Vogel Kerum. 686 kam ebenfalls za Schammai und suchte bei ihm die Aufnahme in das Judenthum nach. Scham ma i erklärte ihm: der Jude habe die Verpflichtung zur Beobachtung des mündlichen und schriftlichen Gesetzes. „Nur dem letzte rn", erwiderte ihm der Heide, ,,will ich Glauben schenken, nicht aber dem erstern". Heftig fuhr ihn Sch am mai au und ließ ihn aus dem Zimmer bringen mit einem derben Verweis. Er kam sodann zu Hillel und äußerte gegen ihn auch so wie gegen Schammai den Zweifel an der Wahrheit des mündlichen Gesetzes und dennoch nahm ihn Hillel ins Judenthum auf; er lehrte ihn das hebräische Alfabet nach der gewöhnlichen Ordnung, am andern Lage sagte Hillel ihm dasselbe in umgekehrter Ordnung. Dieses befremdete den Heiden; Hillel erwiderte: hast du mir am ersten Tage Glauben geschenkt und dich meinem Unterricht anvertraut, so mußt du es auch heute thun; hast du der von mir g e sch rieb en e n Ordnung unbedingt geglaubt — so mußt du auch der mündlichen, obgleich sie etwas abweicht glauben" (Anspielung auf das mündliche unb schriftliche Gesetz). So wie' nun aber diese beiden Lehrer, Hillel und Sch am mai sich gegenseitig bekämpften, ebenso war dies der Fall bei ihren Schülern. Eine systematische Opposition gegenseitig bildend, bekämpften sie sich bei jeder Streitfrage mit dem gründlichsten Haß. Sagten nun die Schüler Hillel s im Namen ihres Lehrers etwa dieses oder jenes sei erlaubt, so behaupteten die Schüler Sch am mai's sofort das Gegentheil. Diese gegenseitigen Anfeindungen der Schüler brachten den eigentlichen wissenschaftlichen Streit außerhalb der Schulmauern unter das Volk, welches, durch die gar zir große Strenge der Satzungen vielfach geknechtet, jedem Lehrer, der ihm eine Erleichterung nur in Aussicht stellte, freudig entgegen jubelte — und daher auch bei dieser Gelegenheit für die Schüler Hillels Partei ergriff. Und so kam es, daß diese bei Abstimmungen über Gesetzesfragen, obgleich deren Anzahl bedeutend kleiner als die des Schamai waren, dennoch, wegen ihrer Popularität, Sanftmuth und B cschcidenheit, mit der sie ihren Satzungen bei dem Volke Eingang zu verschaffen suchten, den Sieg davon getragen haben." (Fortsetzung folgt.) ■rayn nP foni» ed -fyn idn nn«.i bhn Esb -I1E.11 >! NID WITD 1TN) , miDH b N’H lf vergl. Matth. 7, 12. 11) Ibid. 12) Erubin 13 b: roSn ynp1? bbn rra or no eso , wi nm pim )wi rrn pifyi pnw edd ihieb p-imP eo >121 ponpEtp n^n ny n^i. Hassagot von M. Zipser. Die verehrten Leser dieser Blätter, meist selbst aus Jüngern des Talmuds oder doch der talmudischen Literatur bestehend, werden es einem Talmüdisten gewiß nicht verargen, wenn er des in frühester Jugend liebgewonnenen Ausdrucks noch im fortgeschrittenen Manncsalter sich zu bedienen sucht. Nicht Eitelkeit oder alter angewöhnter Gebrauch, sondern die kräftige Bezeichnung dieses Wortes ist es, die es zu dergleichen in der Folge hier zu liefernden kleinen kritischen Bemerkungen am besten empfiehlt. Wie unmerklich sind alle Anmerkungen, wie unkritisch alle Kritiken gegen das einfache Wort Hassaga. Es ist einer jener talmudischen Kraftausdrücke, deren Genius es nicht zuläßt, sie durch Uebertragung in eine andere Sprache zu entweihen. Daß meine Hassagot einen Schwarm anderer Hassagot über ihr eigenes Haupt herbeiziehen können und wahrscheinlich auch werden, ist nichts als natürlich und bin ich darauf vorbereitet, wer kann, rette sich. - Hassaga I. Der Dogel Kerum oder XQUfia. Berachot 6 b heißt es wie folgt: Jochanan und Eleasar lehren: sobald der Mensch benöthigt ist anderer Menschen, so verändert sich sein Gesicht wie ein Kerum (cro), denn es heißt: wie ein Kerum berabwürdkgend den Menschenkindern ist (ip. 12, 9). Was ist nrü? Als R. Dime kam, sagte er, es ist ein Vogel in den Städten am Meere, dessen Name Kerum ist und sobald die Sonne aufgeht, verwandelt er sich in mancherlei Farben. Herr Pinner, dessen Uebersetzung wir hier geben, läßt uns ganz im Dunkeln, was für ein Vogel unter Kerum zu verstehen sei; eben so alle übrigen Kommentatoren. Hingegen Landau (Aruch 8. v. cro) erklärt dieses Wort mit dem griechischen — Farbe. Dagegen läßt sich jedoch folgendes anwenden: 1) Ist im Talmud von einem Vogel und nicht von der Farbe die Rede. 2) Bedeutet %qcö[j,ci nicht eine gewisse, sondern die Farbe im Allgemeinen und paßt darauf der Schluß des Talmuds nicht, daß er sich beim Sonnenaufgänge in mancherlei Farben verwandelt. 3) Will hier der Talmud nicht die Etymologie des Wortes aus den seestädcischen Sprachen erklären, denn sonst müßte es heißen wie gewöhnlich L?7 'CT03 pp pttf, sondern sucht er einfach das Facit darzulegen, doß dieser Vogel in den □VI O72 sich befindet, sein Name ist Kerum, welches Letztere jedoch ebensogut von da als von dort genommen werden kann. Wir fragen daher abermals mir dem Talmud: was ist Kerum? Ich glaube jedoch hierüber mit folgendem Aufschluß geben zu können. Unter den verschiedenen Gattungen Tauben, die alle Naturforscher anführen, ist eine darunter die sogenannte Vinag o oder Weintaube. Ebenso im Griechischen, wo üLvcig den Weinstock und auch diese Laubengattung bezeichnet. Der Grund dieser Benennung ist zweifach; erstens der traubenartigen Federn halber, die sie auf den Flügeln