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Der Orient · 1848-10-21 · Heft 43 (21.10.1848) · p. Seite 342

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 43 (21.10.1848)
Date
1848-10-21
Page
Seite 342 (sequence 11)
Language
German
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—' 342 - Gott sei Dank , verschont geblieben ist, gefiel cs dagegen dem Herrn, dieselbe mit seiner unmittelbaren Hand schwer zu züchtigen. In 43 Gouvernements ist die Cholera ausgcbrochen und rafft ihre Opfer schonungslos auch unter den Israeliten weg. In Mit au allein, Vas nur eine Gesammtbevölkerung von circa 18,000 Seelen, worunter 4000 Israeliten, zählt, sind bis jetzt Ln einem Zeiträume von einigen Wochen, trotz alter von der Regierung und den Stadt-Behörden zur Vorbeugung und Heilung dieser Epidemie nach Kräften getroffenen Maßregeln , bereits nahe an 1000 Seelen, worunter 300 Israeliten, gestorben. Doch ist dieselbe nunmehr Gott sei Dank schon im Abnehmen, und wie man hofft, dem baldigen Erlöschen nahe. — Herz er hebend war die gegenseitige brüderliche Theilnahme zwischen den Israeliten und ihren christlichen Mitbürgern. Aller konfessionelle Unterschied hat hier in der Zeit der gemeinschaftlichen Noth ganz aufgehört und nur der Mensch leistete jetzt dem Menschen, der Bruder dem Bruder und der Bürger dem Bürger uneigennützige Hilfe und Beistand. Auch sehr ansehnliche Summen, mitunter zu 100, ja zu 1000 Rub. Silb. spendeten edelgesinnte Christen und Israeliten zur Abhilfe der g e m c i u sa m c n Noth. Unter den Gestorbenen sind sehr Viele, die es verdienen, daß man ihnen rühmliche Nekrologe zum ewigen Andenken setze; allein leider ist deren Zahl zu groß, als daß deren Nekrologe Anspruch ans den beschränkten .Raum Ihrer geschätzten Zeitschrift machen könnten. Ich nenne blos: den hiesigen Dajan und Maggid Moses Feiertag, der als frommer Orthodoxe ein. h a l b e s Jahr h n n d e r 0 h Lndnr ch die Gemeinde mit Rath und That geleitet und dieselbe oft durch seine einfachen Predigten das Wort Gottes lehrte und viele Zuhörer' erbaute; den Kaufmann Cahn; den Lehrer Mansfeld; den Vorsteher der Talmud-Tora , L. Michelsohn und Andere mehr. — Endlich erwähne ich hier auch noch den Tod eines Ehrenmannes, der zwar nicht unser Glaubensgenosse war, der sich aber nichts destoweuiger wegen seiner Menschenliebe und vorzüglichen Theilnahme gegen Israeliten, ein unauslöschliches Andenken in unsrem Herzen erworben hat. Dr. Lieh teufte in — so hieß der Verewigte — war praktischer Arzt bei der kurländischen Gouvernements-Regierung. Fast sein ganzes Leben hindurch weihte derselbe sich uneigennützig der leidenden Menschheit ohne Unterschied , der Religion und Nation. Vorzüglich aber nahm er sich der nothlcidendcn und kranken Israeliten an. Von den Unbemittelten derselben nahm er nicht allein nie eine Belohnung für seine ärztlichen Hilfsleistungen an, sondern er pflegte sie überdies noch mit Unterstützungen an Geld, Medikamente u. s. w. aus eigenen Mitteln zu versorgen. Als im Jahre 1831 die Cholera hier zum ersten Male ansbrach, und man noch damals dieser Epidemie allgemein eine Contagiosität zuschrieb, schloß er sich demnngeachtet gegen 14 Tage in dem damals cernirten jüdischen Cholera-Hospital freiwillig ein, und setzte auf diese Weise sein Leben in Gefahr, um den unglücklichen Israeliten daselbst ärztliche Hilft und Beistand angedeihen lassen zu können. Noch bis zu seinem letzten Lebensaugenblicke weihete er sich ganz seinem Beruft, und starb, nachdem er noch vor wenig Zeit Andern hilfreich beigestanden hatte. — Dafür erwarb er sich aber auch von Allen und vorzüglich von den Israeliten herzliche Liebe und Dankbarkeit. —- Vor mehren Jahren lag er schwer an einer sehr gefährlichen Krankheit darnieder. Schon hatten die Aerzte für sein Leben keine Hoffnung mehr und überließen ihn so dem Schickjat. Da näherte seinem Bette sich plötzlich eine Deputation frommer Israeliten und baten um die Erlaubniß, in dem Nebenzimmer des Kranken mit ihren hier zahlreich versammelten Brüdern einen bei den Israeliten für Gefährlich-Kranke üblichen Gottesdienst abhatten zu dürfm; was ihnen gern genehmigt wurde. Und siche! der Allgntige erhörte ihr aufrichtiges Flehen für ihren kranken Wohlthäter wirklich und letzterer besserte sich sofort zum Erstaunen der Aerzte und genas bald darauf zur allgemeinem Freude. — Seine letzten Ueberreste begleiteten von der Kirche aus, -der hiesige Rabbiner, Chasau nebst vielen iSrael. Notabeln, denen allen in der Kirche am Altäre Plätze angewiesen wurden, in feierlicher Ordnung und aufrichtiger Trauer. Am Grabe angelangt, hielt der Sohn des Verblichenen, Herr Pastor Lichten stein, — der auch vor wenigen Monaten in gleicher Toleranz die Leiche des hier plötzlich verstorbenen israelitischen Lehrers und Gemeinde-Deputirtcn, Herrn Josef Vehr nach dem jüdischen Friedhöfe begleitete, —' eine rührende Grabrede. Hierauf sprach der Rabbiner ein Gebet in hebräischer Sprache für das Seelenheil des Verstorbenen und half zugleich die Lciche in die Gruft einscnken.— Möge überall Friede und Eintracht zwischen den Bekennern aller Konfessionen so weit eintreten, daß tolerante Handlungen als etwas ganz Gewöhnliches, "von selbst sich Verstehendes allgemein betrachtet werden könnten; möge derAllgütige aber auch alles fernere Unheil von unS und von jeder Stadt und Land gnädig abwenden: o’od bs byo nyD“j 'n nncn! ■— Etwas über das jüdische Schulwesen im Regierungsbezirk Marieuwerder von TV—ll» (Fortsetzung.) Könnte nicht auch dorr, wenn die Gemeinde sich entschlösse, sich von der Ortsschule zu trennen und diese zweihundert Thaler auch fernerhin für den Zugend -Un-

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