Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1848)
- Date
- 1848-10-21
- Page
- Seite 341 (sequence 9)
- Language
- German
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341 zu vergleichen sich eigenen. Selbst den Rothschilds, die bekanntlich so sehr wohlthätig gegen Jeden ohne Unterschied des Glaubens sind, ja, sogar Tausende zu Erbauung christlicher Kirchen spenden, will er zu Leibe. Diese machtsprechenden Ungereimtheiten ged achten Kapitels, die der Menschlichkeit und Politik gleich widersprechenden Grundsätze, bezeichnen das Gepräge der finstern Jahrhunderte, in denen sie entstanden, noch zu merklich, sind der Aufklärung unserer Zeiten unwürdig, und verdienen daher keiner Entgegnung. Solche würde uns überhaupt zu weit führen und uns nur zeitraubend ohne Zweck sein; besonders da wir uns die nächst entbehrliche Zeit zur Beleuchtung unserer Ansprüche auf völlige Emancipation reserviren wollen. Nur dazu mag noch Einiges hier der Stelle vergönnet sein! Er sagt: 13) Er sei kein Judenfeind; sondern ihr Freund. Wenn er denn die Maske als Judenfreund anlegen will, warum erwägt oder rühmt er vielmehr denn nicht, die Wohlthätigkeiten der Juden, sowohl gegen ihre Glaubensals Nichtglaubensverwandte;-ihre Ausdauer im Drucke, ihre Einigkeit unter sich selbst und besonders in ihrem Eheleben u. m. dergl. Schließlich wollen wir unserem lieben Judenfeinde bemerken, daß ungeachtet seines stinkenden Machwerks ihre Gleichstellung garantirt sei rc. und allgemeine Zustimmung mit Begleitung großer Beifallsäußerungen gefunden hat. ' Die öffentlichen Blätter berichten: Die brutsche Nationalversammlung in Frankfurt hat in der Sitzung vom 28. Aug. d. I. über die §§. 11 — 13 der Grundrechte abgestimmt rc. Die Paragraphen lauten nach der angenommenen Fassung: §. U. Jeder Deutsche hat volle Glaubens- und Gewissenfreiheit. Niemand ist verpflichtet, seine religiöse Ueberzeugung zu offenbaren oder sich irgend einer religiösen Genossenschaft anzuschließen. §. 12. Jeder Deutsche ist unbeschränkt in der gemeinsamen häuslichen und öffentlichen Uebrmg seiner Religion. Verbrechen und Vergehen, welche bei Ausübung dieser Freiheit begangen werden, sind nach dem Gesetze zu bestrafen. §. 13. Durch das religiöse Bekenntniß wird der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte weder bedingt noch beschränkt. Der staatsbürgerlichen Pflichten darf dasselbe keinen Abbruch thun. I. B—dt. Oefterreichische Nebmländer. Vom rnrglrrischerr Kriegsschauplätze, 28. Sptbr. (Gefühle eines jüdischen Freiwilligen.) Hier liege ich hingestreckt auf hartem Lager zwischen Hunderten von Zelten, die von dem nur noch matt flackernden Feuer beleuchtet sind. Ucber mir der freie Himmel mit unzähligen Sternen und der wehmüthig lächelnde Mond, vor mir ein großes Schlachtfeld, das von den blutigen Zeichen einer noch kürzlich gelieferten Schlacht bedeckt ist. Die Ruhe, die in unsenn Lager herrscht, wird nur durch den abgemessenen- Schritt der Schildwachen und durch das Ici|c Wimmern mehrerer Verwundeten unterbrochen. Doch mich lassen die Gefühle, die stch meiner bemächtigen, den Schlaf nicht finden. Ich, der Jude, der verachtete, oft getäuschte Jude liege hier unter Christen und bin bereit mit ihnen fürs Vaterland den letzten Blutstropfen.fließen zu lassen, bin bereit für die Freiheit zu sterben. — Ich will ihnen die Freiheit erlangen helfen, ohne die Hoffnung hegen zu können., daß auch ich diese herrliche Frucht genießen werde. Daheim habe ich die theuern Eltern, die den Abend des Neujahrs feiernd, vielleicht meiner gedenken werden, — vielleicht schweben sie in Angst um das Leben ihres Sohnes, — der auch mit bangem Herzen ihrer gedenkt; denn wer weiß, ob ich sie je wieder sehe. Und wenn die Kugel des Feindes, mich erbarmungslos niedcrschmettert, wenn ich gefallen, von dm Fußtritten der über meine Leiche marschirenden Kampfgenossen zertreten werde, welche Erinnerung bleibt dann meinen Eltern? — Selbst der traurige Trost, mein Grab zu besuchen, ist ihnen nicht'gegönnt, sie haben den Sohn froh hinausziehen sehen, nur ihn nie wiederzusehen. .— Er starb fürs Vaterland! — doch nicht für sein Vaterland, sondern für das Land,, in dem er ein Sklave war! Welche traurigen, ja tragischen Kontraste? Ich, der Helote, den jeder Spießbürger, jeder naseweise Christ höhnen und verspotten konnte, greife jetzt nach dem Schwerdte, nicht um es rachgierig meinen Tyrannen in die Brust' zu bohren, nicht um die Mörder meiner Freiheit zu Boden zu strecken; nein! um ihnen selbst die Götti): der Freiheit, welche ihnen ihre Gunst entzogen, zurückzuführen! Morgen wird mein Vater unter Thränen ausrufen: ,,it nd wer du rch das Schwcrt"; vielleicht sein eigner Sohn, vielleicht ich selbst, ich selbst kann fallen für die Henker meiner Freiheit! So rächt.sich ein Jude! Den: Heldentvde weiht er sich für seine feigen Unterdrücker, die nicht den Muth hatten, der Stimme des Pöbels Trotz zu bieten und die göttliche Freiheit ans den Thron zu erheben, damit ihre Sonne Allen ohne Unterschied leuchte. So rächt sich ein Jude! Polen und Rußland. Mitarr, im Splbr. Wahrend im ganzen russischen Reiche die Bevölkerung sich eines gesegneten Friedens erfreute; während dieselbe hier von altem Schlachtgetümmel und verheerendem Bürgerkriege, wie sie im AüSlande jüngst allgemein Statt fanden und zum Theit noch statt finden,* also von jedem Tode durch Menschen, ") Wahrscheinlich ist Berichterstatter durchlügnerische Mittheilungen der elenden russischen Journale zu diesem Glauben gekommen; wir wissen hier nichts von Bürgerkriegen und Schlachten und die Freiheilserhebung in Europa ist eine Auferstehung und kein Tod. Red.