Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1848)
- Date
- 1848-10-21
- Page
- Seite 339 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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339 Die Judenstcucr ist ein Nebel, folglich muß man sie sogleich ausrotten, sagt Hr^ Dilewöky, mit dem schönen Gleichniß cnbcnb; Sonne und Sturm wetteten einst, wer den Reisenden zum Wcgwerfcn seines Mantels vermögen werde. Der Sturm bot seine Schrecken auf. Der Wanderer hüllte sich nur fester in den Mantel, den er, vom warmen Sonnen strahle getroffen, sogleich öffnete. Ist der Jude in den Mantel von Fehlern gehüllt, so wollen wir an ihm nicht mehr wie der Sturm, sondern endlich wie die Sonne handeln l Herr Mannheimer beweist noch, daß die Slener weder Eigenthmnsnoch Kapitalsondern ausschließlich Glanbensstener und ihre Aufhebung keine Geldsondern Ehren- und Lebensfache. sei. Die Lcibzölle sind längst in Oesterreich gefallen, nur in der Metropole des Landes bestehen sie noch, in der Judenstener, welche der Haufirer, wie die erste Notabilität der Kunst und Wissenschaft in Wien bezahlen müsse. Nur Rußland kenne uoch diese Steuer. Will mau die Dringlichkeit der Sache bestreiten? In der That, der Jude hat eine zähe Natur, er hat nicht blos die Judenstcucr, sondern auch den Judenhaß getragen, er würde jene geduldig weiter tragen. Die Dringlichkeit liege jedoch in der Würde der Mitglieder des Reichstages, in der Mission desselben." Vergessen wir endlich nicht, dem Herrn Finanzminister den gebührenden Zoll der Achtung und Auszeichnung abzustatten. Er blieb nicht zurück hinter den beredten Rednern für die von ihm selbst beantragte Aufhebung ,,der verderblichen, den Wohlstand und der Kultur unheilvollen Steuer" und sein Schluß-Rcsumb stand an Schwung imb klarer Argumentation keinem Vorredner nach. Die Abstimmung über die stnanzielle Maßregel hat, wie sie sollte und mußte, die Emancipation der Juden ausgesprochen, und wie der Fmanzmimster treffend bemerkte, rechtzeitig die Aufhebung der Unterthänigkeit vollendet und vervollständigt. Osterode (am Harze), Sptbr. (Schluß.) Wir kommen endlich zu der Stelle, wo er sagt: 4) In vielen Gegenden haben die Juden schon lange das beschränkte oder unbeschränkte Recht auf Grund und Boden. Wie ist es denn da? Sieht man den Juden hinter dem Pfluge, neben dem Mistkarren? Hat er sich entschlossen zu tagelöhnern? Hier liegt abermals der Beweis nur zu deutlich vor uns, er weiß nur in seinem Geburtsorte B—d—h—s—n Bescheid; die Beschäftigungen jüdischer Bewohner anderer Gegenden aber sind ihm so fremd wie gerader Verstand1 und ein menschliches Gefühl. Denn, hätte er von dem Wirken und den Bethätigungen der Juden, die vom linken Rheinufer bis an die Pyrenäen wohnen, Kunde, es würde ihm nicht fremd geblieben lein, daß diese dort ihre Acker in eigner Person bebauen und überhaupt was zu ihrer Oekonomie erforderlich ist, mit eigenen Händen verrichten. Hier zu Lande aber, wo man den Juden bis noch vor nicht langer Zeit' alle bürgerlichen Gewerbe entzogen, auf den Handel sie allein angewiesen hat, und in neuerer Zeit nur | Morgen cigenbesitzliches Land vergönnt, da würde es sich nicht der Mühe verlohnen, solch unbedeutendes Fleckchen eigenhändig zu bearbeiten. — Noch viel weniger kann man hier dem Juden die Scheu vor dem Tagelöhnern verargen, denn welch einer großen Schmach würde er von seinen christlichen Mitarbeitern ununterbrochen ausgesetzt sein! Würden nicht die Meisten von ihnen, (wenngleich sie auch seinen Namen wüßten), wohl anders als mit der Gemeinheit „Du Fude" ihn rusen und nennen? Endlich kommt unser nachgeborener Eisenmenger auf den Talmud und Messias. Auch spöttelt er über die hebräische Benennung „Aschkenas" und sagt: dieses Wort sei kauderwelsch n." . Indem ich ihm den Messias schenke als christliches Eigenthum, muß ich doch sagen, daß er über diese drei Gegenstände urtheilt wie der Blinde von der Farbe. Würde er den Talmud und dessen Satzungen nur oberflächlich kennen: er würde von ihm und dem Messias einen andern Begriff haben; auch bei der nur geringsten Kenntnkß der hebräischen Sprache dann schon wissen, das Wort „Aschkenas" ein recipirtes hebräisches Nennwort ist. > Jnsultant fährt weiter höhnend an: 6) Mit einem entschiedenen Nein wird der Bauer sagen: Nun und nimmer will ich mir von einem Juden Urtheil u. Recht sprechen lassen." Anderweit einen triftigen Beweis von seinem Wenigwissen. In Frankreich, Holland und Belgien findet man die höchsten Justiz- und Polizeistellen nicht selten mit Juden besetzt; auch bei den Ässisen in diesen dreien Staaten wie nicht minder auf dem linken Rheinufer, bestehet gewöhnlich das Institut der Jury aus jüdischen und christlichen Notablen; und bekanntlich war auch sogar der vor Kurzem zurückgetretene Justizminister Frankreichs, Cremieux, ein Israelit. Wo hat man je gehört, daß in diesen freien Ländern ein Richter, Polizeibeamter oder Geschworener mosaischen Glaubens vorsätzlich einem Christen Unrecht zugefügt? oder , daselbst der jüdische Beamte zum christlichen Bauern nur gesagt habe: „Ich kenne Euch schon, hattet das Maul oder ich lasse Euch beistecken!" Die Franzosen haben keinen Anstand genommen, die Algierer in Frankreich und in ihren Kolonien, in gleicher Brüderschaft aufzunehmen, obgleich dieselben sich zu einem andern Glauben bekennen; Alle, dem Muhamedanismus nicht zugethanen, ,,Franken" „Ungläubige" nennen, und früher diese mir einem starken Kopfgelde, wie noch heute in der Türkei gegen Nichtosmannen üblich ist, besteuern; weder Wein noch Schweinsköpft und wären letztere auch geräuchert genießen. Ja, sogar ihren wöchentlichen Ruhetag Freitag feiern. Endlich beziehet sich mehrberegter Anonymus auf Friedrich den Großen, der einst soll gesagt haben: 7) Schaff Er mir Religion in's Land, oder scher Er sich zum Teufel rc. 43*