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Der Orient · 1848-10-21 · Heft 43 (21.10.1848) · p. Seite 338

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 43 (21.10.1848)
Date
1848-10-21
Page
Seite 338 (sequence 3)
Language
German
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- 338 —. rathtos da steht, eine der andern mistranend; oder besteht etwa ein solcher Verband, wo sind seine Spuren, wo findet man das Zeichen seines Daseins? Ich höre schon eure Einwürfe, sie find nicht stichhaltig. Seid ihr Vertrauensmänner (?) der Gemeinde, so macht euch dieses Vertrauens würdig, haltet alle eure Sitzungen öffentlich. — O c ffen tli ch k e i t ist daS heutige Losungswort. Jeder trete ein, und mache Vorschläge, die wohl erwogen werden müßten. Wie ungern ich auch solche Missverhältnisse der öffentlichen Rüge übergebe, so zwingt euer äolee far ni-eilte mich dazu. Nicht Abgeschlossenheit, nicht AbsolntismuS werden euch Vertrauen erwecken, aber bei etwaigen fortdauernden Uebelständen würde euch ewig der Vorwurf treffen: „Ihr habt wirklich die Zeit eures WirkenS versäumt, das Glück vieler eurer Mitbrüder zu begründe!: vernachlässigt, und durch eure Gleichgiltigkeit und unzeitgemäßes Betragen mehr geschadet, als eure befreundeten Wähler von eurem Wirken erwarteten. Ein Wort an euch, meine Lieben Brüder, erwachet auch ihr aus eurem Schlummer; die Zeit ist vorbei, wo ähr euer Anliegen Fremden, die gewissenlos euer Zutrauen missbrauchten, überließet, und ruhig, thcilnahmloS den Erfolg, wie er auch immerhin sich gestatten dürfte, hingenommen habet; ihr wirket ja zu eurem Besten, zum Heile eurer gedrückten Brüder, was die Einzelnen nicht vermögen, das kann der Gesammtwille und die Gesammtthätigkeit. Ihr habt gar viel zu thun und zu ordnen, die Arbeit groß, die Zeit kurz! Wählet auch auS eurer Mitte einsichtsvolle, tüchtige und vertrauenswürdige Männer, deren Gemein- und Biedersinn ihr hinlänglich erprobt, lasset sie Theit nehmen an den gemeindlichen Berathungen, ermannet und erstärket euch zum Gemeinbesten, ihr könnet dadurch euer Wohl und das künftiger Geschlechter begründen, welche segnend euren Namen der Nachwelt verkünden werden. 6. ß. SSSiettt 6. Oktbr. (Die Judensteuer auf dem Reichstage. Sitzung am 5. Oktober.) Die Aufhebung der Judensteuer ist mit 243 Stimmen gegen 20 beschlossen; iugleichen der Wegfall der Aufenthaltssteuer in Wien und der auf den Inden als solchen lastenden Paß- und Ortspolizeisteuern. Jene geringe Minorität besteht aus deutschen Mitgliedern, namentlich des Innern Oesterreichs. Die Vertreter Böhmens und Galizienö . stimmten wie ein Mann für die Aufhebung, welche die letzter:: vorzugsweise mit aller Kraft der Beredsamkeit und Uebcrzeugnug bevorwortet hatten. Die Minorität unter dem VortritL des Hrn. Böse versuchte das Gewissen der Kanuner durch die Hinweisung auf den finanziellen Ausfall, die bedrohliche Stimmung indem und jenem Theile des Landes gegen eine allsogteiche Erleichterung der Juden, die gefährliche Situation dep Inden selbst gegenüber dieser ungünstigen Stimmung zu erschüttern. Umsonst.. Die zaghaften Einreden verstockter Roeoeogesinnung, mehr noch vielleicht .feige Furcht vor einigen Dutzend Krämern, die den bestimmten Auftrag, nicht etwa etwas für die Juden zu thun, ertheilt haben, — sie wurdet: durch die ergreifenden Ansprachen.der Redner von allen Seiten des Hauses, zum Schweigen gebracht'. „Nicht eine Geldfrage liegt uns vor, ruft Hr: Schn sei ka; wir haben den ersten Akt der Emaucipation auszuführen, welcher eine Elnancipation unserer selbst von der Herrschaft eines lleberbleibsels christlicher Barbarei und christlichen Zetotismuö sein wird. Ich betrachte es als ein gutes Zeichen, daß die Stimmen gegen die Aufhebung mehr und mehr verstummen, je näher wir der Abstiunnung kommen. Man spricht von einer Gefahr für den Staatshaushalt, weil wir keine Deckung für den Ausfall haben. Aber es ist dies eine Zu weit getriebene Vesorgniß, eine nicht ungeheuchette Zärtlichkeit für unfern Haushalt, wenn man erwägt, daß der Finanzminister selbst die Aufhebung beantragt, ohne die Erhöhung einer andern Steuer zu beantragen. Mm: behauptet, die Judenstener sei keine GlaubenSstmer; aber der Getaufte ist auf der Stelle von ihr abfolvirt, die in neuester Zeit mehr und mehr eine Fremdeustcuer geworden. Man beklagt sich über die Jfolirung des Inder: innerhalb seiner Nationalität; aber man hat ihn dazu genöthigt durch die barbarischer: Gesetze, welche ihr: vom größten Theil der bürgerlichen Erwerbszweige auSfchließen und die Ehe zwischen Christen und Juden verponen, und wenn daS Judeuthum eine besondere Nationalität ist, so ist die Zeit gekommen, ihr wie jeder andern Bestand ur:d Eutrvickelung zu sichern. Die Fähigkeiten der Juden machen rvir zu ur:serm Eigenthum, ihre Werke in Kunst ur:d Literatur rechnen wir zu unfern Nationalschätzer:, und ihre Personen sollen Freu:dlirrge bleiben? Er-ker:r:e das V orurtheil deZ großen Haufens; der Fluch der Geschichte lastet aus der: gegen die Juden noch in neuester Zeit verübten Gräuelthaten, er fürchte allerdings Exeesse, die Kanuner werde sich jedoch nicht zu furchtsamer Nachgiebigkeit herbeitassm und-eine einstiunnige, wenigstens mit überwiegender /Majorität derretirtc Aufhebung den moralischen Eindruck nicht verfehlen." Auch Herr Füster schildert mit edler Begeisterm:g die Steuer als Beweis der Leidensgeschichte, welche die Geschichte des jüdischen, zum Blitzableiter des christlichen Stolzes dienenden Volkes sei; eine Glanbenssteuer sei sie, wie die Stolgebuhren in den gemischten Gemeinden, über welche die Zeit ebenfalls den Stab gebrochen habe. Die Wissenschaft habe die Juden bei uns cmancipirt, in: Volke seien sie noch anHcschmiedet, doch vergesse man nicht, daß man selbst noch Sklave der Leidenschaften und alten Vornrtheite sei, wenn man ihnen stöhne. „Der Genius, der die neue Zeit erschlossen und in Tausenden lebe, möge die Wanderschaft des alten Ahasvems enden!"

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