Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 42 (14.10.1848)
- Date
- 1848-10-14
- Page
- Spalte 665-666 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/8555529-9897534-9897579--5639-3534531- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
665 666 Studien. Etymologien im Talmud. tung — für uns jetzt — feststellen kann. Wir sagen „für mto'-', denn die allererste ursprüngliche Bedeutung ist schwerlich immer nicht nur im Hebräischen, sondern in keiner Sprache mit Bestimmtheit anzngeben. Eine solche etymologische Betrachtung gewisser Wörter in verschiedenen Sprachen, ist für die innerste Geschichte des menschlichen Verstandes sehr nützlich, die Betrachtung aber ist bis jetzt nicht sehr oft vorgenommen worden. Was wir jetzt vergleichende Sprachsünde heißen, erstreckt sich auf den äußern grammatischen Ban und die äußere Form, und den Klang des Wortes, einen Theit der Philologie, welcher unserer Ansicht nach der untergeordnete ist. Wir lassen hier nur ein Beispiel zur Veranschaulichung folgen. Wenn im Hebräischen das Wort DpD „denken", „fehlen" und „zählen" heißt, so ist die erste Bedeutung nicht ursächlich anzugeben, da das Wurt DpD an und für sich nicht weiter aufzulösen ist, indem weder die Sylbe pD noch die Sylbe Dp eine Wurzel ist. Man müßte denn annehmen, daß p2 welches „schwanken" und „herauSgehen" heißt, als die Grundwurzel zu betrachten sei. Gesetzt aber cs wäre dieses der Fall, so ist ja die Wurzel p2 selbst wieder untheilbar und für ihre Bedeutung giebt es keine Gründe. Es sei dem wie ihm wolle, DpD hat für uns als erste Bedeutung „denken". Wir sagen „für uns" denn ursprünglich möchte dies Wort allerdings eine andere Bedeutung gehabt haben , wie dies in der Natur der Sache liegt, da alle Wörter die eine Abstraktion ausdmcken, ursprünglich eine sinnliche Bedeutung hatten. Weiß man, daß „denken" der Hauptbegriff von DpD ist, so kann mau sich die Stelle <\b) WD npDJ (Nirm. 31, 29), wo cs „feblen" heißt, als uneigentliche Bedeutung leicht erklären. Diese Phrase heißt wörtlich „cs wurde kein Mann gedacht"; wer abwesend ist, an den denkt man.'* Wir übersetzen dann schlechtweg „es fehlte niemand". Wenn daö Wort DpD auch „zählen" heißt, so ist dies als ein geistiges Derivatum von denken zu betrachten. Zählen ist eine von den Arten, wodurch die Aufmerksamkeit auf etwas gerichtet ist. Zählen ist eine Art von denken, die Grundlage bcrfclbciu Es ist dies nur ein uneigenilicher Ausdruck. Der eigentliche Ausdruck für zählen ist im Hebräischen wie im Deutschen, mit einem Worte in Zusammenhang, welches Zahl heißt. und *)£D£. Mit diesem Beispiel mag sich der Leser vorläufig begnügen. lieber die Geschichte der hebräischen Etymologie, und über die Stelle, welche Josef Caspi in derselben gebührt, einige Worte-zu sagen, sei uns hier noch ertaubt. Die Geschichte der jüdischen Etymologie fängt mit den Talmudisteu au. Dieselben haben sowohl die hebräische Sprache mit andern Sprachen als mit ihren eigenen Dialekten verglichen, und daraus Erklärungen von biblischen Worten. (In der Recension des nDttf DDDDn von Iellinek haben wir viele hierhergehörige Beispiele gegeben.) Dieselben haben nicht immer angezeigt, daß sie eine Etymologie angeben, sondern sie haben die Erklärung des Wortes geradezu hingcstellt. So lesen lvir z. B. nuon ^pD ]my pNn iw dnid ^pD „DaS ppD (4 M. 2St, 3) heißt sie haben dieselben wie einen Dorn im Gesichte angesehen". Demnach wäre dieser Ansdruck mit dem bekannten D’b’Oy1? CSof. 23, 13) „ein Dorn im Auge sein" identisch. Zuweilen wird die Etymologie ausdrücklich als solche angeführt, mit der Einleitung 1D&£/ NDpJ „warum heißt dieses so" z. B. (Jalknt Psalm §.838). -m: ro tonDD m ddd mmyn ]nn NDpi nüb , — .nrfpiaon n\d w „SBamm heißt ein Geschenk mmi, weil man es betrachtet und sagt daS Gesandte ist schön". Jalknt Job §. 899* m? nmn ivll/ Nnp3 r\üb „Warum heißt sdie Lehrej N'^lN? weil sie schwächt" übersetzt der Talmud (Ps. 140, 8) Din nniDD ptkb am Tage des Wendepunkts unb pM von Küssen rpinn m pttfU pprr^ mn oder am Todestage Din m rw nr pppü niobiy (jcr. Jebam. 36 a). — ‘"Dt, Mannsperson, leitet der Talmud (Nidda 31b) von DD, Geschenk (Jes. 16) unb mpj, Frauenzimmer, von ,D"p), leer, ab. Manche Etymologie wird Illos mit dem Worte DVD „was ist das" eingeführt. Z. B. (Jalknt Dn^D) (1 Köu. 15, 13) — NrrOiP1?? mbw ipd nnafeo nra-i „LöaS heißt das Wort D^DD? ein starkes Aergerniß". Die Talmudisteu hielten dieses Wort als eine Abkürzung »on 2 Wörtern Nnusrf? n^dd. ES ist diese Etymologie nicht begründet, da die Wurzel ^D bekannt ist., n^PDD heißt eigentlich nur „ein. Schauderbild". Die talmudi sichen Worte, welche zu dieser Erklärung hinzugefügt sind, erinnern an daS Phallusbild, obwohl das Wort n^DD mit Phallus nichts gemein hat,!vie der neuere Priester des Phallus Nork irgendwo behauptet. Die Etymologie der Talmudisteu ist in der Regel mehr geistreich als begründet, so wie die alten lateinischen Etymologen ebenfalls sehr oft im Finstern herumtappten. Von letztens hat Gellins in seinen attischen Nächten viele Beispiele uns aufbewahrt. L er sch in seinem Buche über die Sprachphilosophie der Alten, hat alles hicrhergehörige mit dem größten Fleiße gesammelt, und ist dasselbe auch der Aufmerksamkeit jüdischer Philologen besser zu empfehle!:, man wird mehre Parallelen darin ffnden, die anregend sind für das Hebräische.