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Der Orient · 1848-10-07 · 41 (7.10.1848) · p. Spalte 643-644

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
41 (7.10.1848)
Date
1848-10-07
Page
Spalte 643-644 (sequence 2)
Language
German
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643 644 Studien. Biographien der Talmudisten. Rabbi Chijja. die Israeliten deshalb nach Babel in die Verbannung geschickt,. weil sie große Leiden nicht aushalten könnten (ilml. 86b). Cr empfahl seiner Frau, den bettelnden Armen Brod entgegen zu bringen, damit — weil das Glück wandernd und Armuth Jeden treffen könne —seinen Kindern eine gleiche Zuvorkommenheit wiederfahre (Sab. 151b). -— Mit Radbi's Sohn, Simon, disputirte er, von welchem Moment an man des Jenseits thcilhaftig werden könne, ob von der Geburt an, oder von der Zeit in der sich die Sprachfähigkeit elustelle (Sanh. ltOb). — Man solle sich beim Beten dem Allerheiligsten im himmlischen Raume zuwenden (Mid. Chasit 17). Der Schüler soll an seinen Lehrer'nur solche Fragen richten, von denen er voraussetzen könne, daß er sie zu beantworten vermöge (Chullin 6). Wer ber Nacht bie Tora studirt, dem stehe die Schechina zur Seite (Taanit 32b). — Nach der Zerstörung des Tempels fänden, wenn auch die Krimmalprocedur nach dem jüdischen Recht aufgehört habe, doch die vier Penalstrasen durch die göttliche Fügung statt (Sota 8 b). — Einst ging er mit R. Simon den. Chalefta auf die Anhöhe Arbel, wo sie die Morgenröthe allmälig aus der Finsternis; Hervorbrechen sahen, da sagte Chijja: dies ist das Bild von Israels Erlösung; denn allmälig wird wie die Morgenröthe die Freiheit aus knechtischer Finsterniß für sie hervorgehen (jer. Berach. 3 b). — Bei Erschaffung der Welt habe Gott den Tempel gebaut, zerstört und wieder ausgebaut gesehen (Beresch. Raba 3 a').,— Mit R. Scmnai32 disputirte er, ob Ietro vor oder nach der Gesetzgebung zu Moses gekommen sei (ib. i9b; 29 d), und ob die Engel auf der Leiter oder auf Jakob auf und nieder gegangen seien (ib. 61b). -— Moses habe bei Vortragung der Speisegesetze jedes unreine Thier den Israeliten vorgezeigt, daher heiße es rpnn (Wajikra Nab. 156 b). — Der Verfasser des Buches Hiob, wäre kein Israelit gewesen33 (jer. Sota 15; Ber. Nab. 51). — Erst im Alter wäre . Salomo des heiligen Geistes theilhaftig worden und hätte alsdann seine drei Schriften abgefaßt (Mid. Chasit 2b). — Es finden sich auch einige Erklärungen von Bibelwörtern u. a. von Chijja3^ und einige sehr schöne Meschalim;33 ein Gebet hat sich gleichfalls von ihm erhalten3(5 (Berach. 16 b). Spuren von naturwissenschaftlichen und medicinisch-diä'tetischen Kenntnissen kommen hie und da zum Vorschein, die / aber keineswegs auf ein tieferes Studium hindeuten, zum 32) In Sebachim 116 wird dieselbe Kontroverse zwischen Chijja's Söhne und Iosua b. Lewi erwähnt. 33) rw ib vinJi mono »Tn p'Tf tinv 'bl riS m ni nrw.wntm 34) Von bmDN , TIH , ]DN (M. Chasit 17; jer. Sab. 3); -nu (Waj. Rab. 158); ppD ^b'b.1 (Ruth Rab. 88c). 35) Ber. Nab. 21 d, 56 d; Waj. Nab. 149c; Chasit 23, 26 d; Koh. Rab. 83; Tanch. . 36) tt btt) unuom inmn nhw yfebo n"T wy wrp btti Theil jedoch die Resultate richtiger Erfahrungssätze sind. Nach jeder Speise, lehrt N.-Chijja, soll manSalz essen, nach jedem Trunk Wasser trinken (Berach. 40). Auf der Reise soll man sich nicht mit Speisen überladen (Taanit 10 b). Was Säure dem Teige, das ist Blur dem Weibe (Ket. 10 b), Als Präservativ gegen die Krankheiten der Intestini empfiehlt er zu jeder Jahreszeit Brod mit Wein oder Essig befeuchtet zu genießen, sich nicht zu übersättigen und den Stuhlgang nicht zu unterdrücken (Gittin 70). Ein verschluckter in der Schlund steckender Knochen sei zu heilen, wenn man ein Stück derselben Knochengattung auf den Kopf lege3^ (jer. Sab. 23). Wie der Maulesel soll man sitzend uriniren;33 Zärtlichkeit solle man vom Hahne lernen (Erubin 98.IH. Die äußern Zeichen der Impotenz entstehen aus Mangel, oder Ueberfluß an körperlichen Fetttheilen (Nid. 47 b). Unter hundert Menschen sterbe Einer eines natürlichen Todes und 99 durch ein böses Auge py39 (ib. 43; jer Sab. 43). Als einst der Vogel Sarsir nach Palästina flog und man nicht wuße, ob er zu der reinen Vogelgcrttung gehöre, sagte er, man solle sehen, welcher Vogel sich zu ihm geselle; als daher ein Rabe zu ihm flog, /schloß er, daß er zu feiner Gattung gehöre und unrein sei (Ber. Raba 57b); woher auch..das Sprichwort seinen Ursprung hatte: Der Rabe ging deshalb zum Sarsir, weil er von seiner Gattung ist (B. Kamma 32). — Die Bildung des Embryo wird von ihm genau und theilweise richtig beschrieben (Nidda 25). Daß Mystiker und Legendensammler sich einer in so großem Ansehen stehenden Persönlichkeit bemächtigten und ihn zum Helden eines Sagenkreises machten, kann uns..um so weniger in einem Zeitalter befremden, in dem man die Häupter und Gründer der traditionellen Lehre in den Glorienschein des Mysticismus und des Aebersinnlichen hüllen mußte, um die aufsteigenden Zweifel an ihre Untrüglichkeit niederzudrücken. Der Vorwurf aber, den man mit Recht den Verfassern des talmudischen Kanons macht, alle Volkssagen hier ausgenommen zu haben, kann uns nicht entheben, auch dieses falsche Geschmeide, das bereits leimen künstlichen Schimmer verloren hat, zur Schau aufzustellen und die uns überkommenen Legenden dem Gesagten anzureihen. Nachdem die 30 Tage," so erzählt die Sage, in denen 37) Dasselbe findet sich auch schon in Plinius 28, 12 „si vero ex ossibus haeserit faucibus impositis. capite ex eadem asse;(f. Zion 11. S. 82). 38) Diese Stelle läßt sich durch nachfolgende erklären nwa d'ho Di'p.n ’d px n"~i “idx (Bcmch. 40). 39) Dem Zauber durch bösen Blick wird im Talmud ein großes Gewicht beigettgt; so sollen Chanania, Mischael und Asaria daran gestorben sein (Ber. Rab. 50 c); ebenso 24 von Rabbiausgesandte Karawanen *q-| rp3 bw HiTp. nb (jer. Sanh. 3 b). Daß dieser Aberglaube heidnischen Ursprungs ist, ist nicht zu läugnen; bei den römischen Dichtern findet man ihn schon unter der Benennung obliguo oeulo, visu obfascinari (Hör. Ep. 1, 14, 37; Birg. 3,102). 40) Im jer. Kilajim 23b heißt es hier „nach 13 Iah-

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