Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1848)
- Date
- 1848-10-07
- Page
- Seite 324 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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zwei Kreise, besonders der letzte, nicht, die intelligentesten sind, so werden nnS diese Fakta beweisen, daß der Geist der Gerechtigkeit und Gleichheit mehr durch einen innern Werth des Menschen, als durch die Intelligenz hervorgebracht wird. — In Peis kr e t sch anr hat sich Gährung und Volkshaß kund gegeben , die zu Demonstrationen, wie Fenstereinschlagen führte. Durch einen Knaben , der einige Zeit abwesend und nicht gleich aufznfinden war, steigerte sich die Aufregung nicht nur, sondern wurde sogar genährt und unterhalten, welche, wenn sich der Knabe nicht bis Abend gesunden hätte, zu einer kleinen Bartoloinäusnacht geführt hätte. Trotz dem hatte sich die Aufregung nur wenig gelegt, bis erst von den Bessergesinnten eine Bürgerwehr errichtet und Militär rcquirirt wurde, was die Bürger einschüchterte. — In Gleiwitz hat sich die Erbitterung gegen Inden zuerst auf der Vorberathung zur Wahl knndgethan, als man einen Juden, einen gewissen P le ß u er als Wähtmaun vorschlug. Durch einige ungeschickte Vermittler wurde das Feuerder Erbitterung noch mehr augefacht, welches durch die Wahl in dem Grade sich steigerte , daß es nur die geringste Ursache bedurfte und das Feuer loderte auf. Die Erwiederung des Dr. Ring auf einen anonymen furchtbaren Artikel gegen die Juden war das Signal zum Aufruhr, der den Dr. Ring von Gleiwitz wegbrachte, mehren Israeliten die Fenster, einen sogar sein ganzes Gewölbe kostete. Durch Schaden klug geworden haben sie jetzt llun darauf gedrungen, eure Bürgerwehr einzurichteu, die nun meistens aus Juden besteht, die wohl bei dergleichen Fällen die Waffen zu führen verstehen werden, wie dies auch.schon der Fall war. Die Gleiwitzer haben jetzt Dr. Hirschfeld aus W. zum Rabbiner gewählt, und er tritt schon vor Rofch ha- Schana in sein Amt. Die Veranlassung zu seiner Wahl, da er nicht zu den,Kandidaten gehörte, war diese. Wie überhaupt jetzt verschiedenartige neumodische Anfragen Vorkommen , war auch in Gl. eitle solche vorhanden, und zwar: ob man in Stieseln znmDnchan gehen darf. Der dortige iriterinistische Rabbiner, Herr A. Deutsch meinte: cs sei dies kein pN, sondern ein durch das Alterthnm sanktionirter der seinen Ursprung aus den Zeiten der Gemara ableitet, überhaupt der Sache selbst eine gewisse Weihe verleiht. Hiermit nicht zufrieden schickte der zweite Exrabbiner, Hr. Lehrer Gold st ein diese Anfrage an Dr. Hirschseld, der sich für die. Stiefel entschied. Durch diese Liberalität auf ihn aufmerksam gewacht, wurde er, nachdem er dort gepredigt hatte, einstiminig ausgenommen. , Er erhält ein Fixum von 400 Thlr., 80 Thlr. auf Wohnung, und Nebeneinkünfte sittd ihtn incl. der Eide 220 Thlr. garantirt, worin sich aber die Gleiwitzer stark geirrt haben, da die Eide jetzt wahrscheinlich eine andere Formet erhalten werden , und man des Rabbiners entbehren wird. Da sie nun einen gelehrten und gebildeten Mann erhalten, so können sie natürlich.zufrieden fein , wie komisch auch die Veranlassung sein möge. —- In Bcuthen a. O., wo der Judenhaß.-zu Hause ist, hatten sie,-da sich auch hier die Gemüther erregt hatten, höllische Angst, ja sie wollten sogar ans einen Freitag Abend eine sicilianische Vesper verabredet lvisseit und waren auch die schärfsten Maßregel dagegeir getroffen, wie z. B. dieOrganisirung der Bürgerwehr, besonders haben die Inden sich nach starken Waffen umgesehen, allein es hat sich nichts kund gc- .gegeben. Die Benthuer Neichen, die Herren M. Friedlau d e r und Löwe haben sich bei dieser Nachricht mit Sack und Pack, mit Familie, Hab und Gut davon gemacht, kehrten aber wieder beschämt zurück und mußten trotz ihrer Vorsicht ein anderes Mal einen kleinen Scharmützel beiwohnen, das nicht gerade den Juden galt, wobei sich aber die jüdischen Schützen, besonders tapfer hielten. Daß dort kein Jude, trotz der großen Ueberzahl derselben, .Wahlmann geworden, liegt weniger inr Jndenhasse, als in den Umtrieben, die die katholische Geistlichkeit änsübte, so daß nicht einmal ein Christkatholischer daran kam, geschweige daß ein Evangelischer oder Jude gewählt werden sollte. Uebrigens wenn die Beuthner zusammenhatten, können sie schon eine Macht für sich bilden und etwas wirken, wie das ihre Vereine für Armenunterstütznng und Handwerker', beweisen. — — In Nikolai hat die Gleiwitzer Geschichte Nachahmung gefunden und die Demonstrationen gingen bis zum Fenstereinschlagm und Plündern. — Aber nicht überall ist das Volk von einem solchen Geiste beseelt. Das kleine Städtchen Sch rang S kann ein Bild der Liberalität der Einwohner abgeben, die sich besonders in den Freiheitstagen fmit» gab. Als sie einen ungerechten Magistrat stürzten, behielten sie nicht nur den einzigen jüdischen Rathmann, sondern verlangten sogar, daß dieser die Stelle des Bürgermeisters übernehmen sollte, tvas er jedoch entschieden ablehnte, und versöhnend.für denselben beim Volke auftrat, wodurch es ihm auch gelang, denselben wieder in sein Amt zu bringen. Bei derVürgcrwehr und den Freicorps sind zwei jüdische Offieiere und zu Wahlmännern drei Juden gewählt werden, was um so merkwürdiger ist und von Liberalität zeugt, als in ganz Oberschlesien kein gleiches Beispiel auszuweisen ist. — Auch Rybniks Einwohner haben bewiesen, daß sie von freien Ideen begeistert sind. Einem gewissen Witt v. Döring, der sichs einfatten ließ, in einem Artikel der schlesischen Zeitung sich über ,, getauftes und ungetanstes Gesindel^ unverschämt auszndrückm, haben sie dafür eine Katzenmusik gebracht und ans der Stadt gejagt. Obgleich er erklärte, daß er nicht die Inden meine, .wurde das Rybniker Attentat doch allgemein so hoch ausgenommen, das es in Berlin, Breslau und Oppeln Nachahmung fand. Ueberhanpt hat die Rybniker jüdische Gemeinde durch den Ban ihrer prachtvollen Synagoge bewiesen, was sie vermagwenn sie will. Einige Worte